Plankstadt

Brauchtum Heute beginnt die Fastenzeit / Sommertagszug mit dem Austreiben des Winters findet in diesen Wochen auch statt

Verzicht üben bis Ostersonntag

Plankstadt.Eben feierten die Narren noch beim Backenbläserumzug und anderen Umzügen in der Region – und dann ist Aschermittwoch, der Beginn der Fastenzeit. Bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts waren katholischen Schulkindern in Plankstadt Verse wie die folgenden wohlbekannt, dienten sie doch dazu, sich die Namen der vier Fastensonntage zu merken. Die Fastensonntage sind nach dem ersten lateinischen Wort des Eingangsverses benannt und zur besseren Erinnerung diente das kleine Gedicht als Eselsbrücke: „Invocavit – nimm den Hund mit; Reminiscere – putzt die Gewehre; Oculi – da kommen sie; Laetare – das ist das Wahre; Judica – sie sind schon da“. Und um was ging es da eigentlich? Es ging um die Schnepfenjagd der Jäger im Frühling, wenn die Zugvögel zurückkehrten.

Wie ist das in heutiger Zeit? In unserer säkularisierten Welt ist solches Wissen bei den meisten nicht mehr vorhanden. Aber das Fasten ist trotzdem in Mode und oft werden allerlei Methoden angepriesen, die der Gewichtsreduzierung und dem körperlichen Wohlbefinden dienen.

Kirche hat es nicht erfunden

Beim Fasten mit religiösem Aspekt geht es aber um weit mehr. Fasten im religiösen Sinne ist immer eingebettet in die Beziehung zu Gott oder dem, was in anderen Religions- und Kulturkreisen dafür steht. Denn die Kirche hat das Fasten nicht erfunden, sondern sie hat das Gedankengut und die Praxis aus dem Judentum und die Anschauungen zum Fasten aus der antiken griechisch-römischen Welt übernommen und weiterentwickelt. Fasten gab und gibt es in allen Kulturen. In allen Religionen wurde und wird aus den unterschiedlichsten Gründen gefastet: Es gibt das Fasten als Opferersatz, als Vorbereitung auf kultische Handlungen, als Ausdruck der Trauer, als Erweiterung des Bewusstseins zur Gewinnung von mehr Klarheit und Einsicht und schließlich als prophetisches Fasten, welches eine Offenheit für Visionen und Offenbarungen schaffen soll.

Für Christen sind Fasttage Tage, an denen man wacher als sonst auf Gott hinlebt, an denen man sich zum Abschluss zum gemeinsamen Gebet versammelte. Fasten- und Adventszeit sind Zeiten der Vorbereitung auf ein herausragendes kirchliches Ereignis: Ostern und Weihnachten.

Im christlichen Sinne soll das Fasten auch der Nächstenliebe dienen: Das, was der Christ durch sein Fasten bei sich einspart, kommt Bedürftigeren zugute. So sind die Menschen aufgerufen, die für das eigene Leben angemessene Form des Fastens zu entdecken. Das kann ein anderer Umgang mit der täglichen Nahrung, mit dem Bedarf an Alkohol oder Zigaretten sein, die Überprüfung des eigenen Konsum- und Kaufverhaltens, aber auch der gezielte Verzicht auf Reizüberflutung, beispielsweise durch das Fernsehen. Auch die Haltung gegenüber den Mitmenschen kann überprüft und neu eingeübt werden.

Aschermittwoch und Karfreitag

Im kirchlichen Bereich kennt man seit dem II. Vatikanischen Konzil eigentlich nur noch zwei Fastenzeiten: die Wochen vor Ostern und die Adventszeit. Vorher gab es eine Fülle von Regelungen zu bestimmten Zeiten und Tagen des Jahres, ohne dass es gelang, deren Sinn den Menschen verständlich zu machen.

Was ist davon geblieben? Als gebotene Fast- und Abstinenztage sind für katholische Christen nur noch der Aschermittwoch und der Karfreitag geblieben; an diesen beiden Tagen sollte sich der gläubige Mensch nicht nur der Fleischspeisen enthalten, sondern ganz bewusst auch seine Essgewohnheiten darauf reduzieren, dass er sich nur einmal am Tag satt isst.

Eine kleine Ausnahme in der Fastenzeit bildet der 4. Fastensonntag Laetare. Wie der Name schon sagt – „Freue dich, Jerusalem“ – ist mit dieem Sonntag die Mitte der Fastenzeit („Mittfasten“) überschritten und er hat deshalb einen fröhlicheren, tröstlichen Charakter, da das Osterfest näher rückt. Das wird in der katholischen Kirche traditionell auch durch die liturgische Farbe ausgedrückt: In das Violett der Fastenzeit mischt sich an diesem Tage schon ein wenig von der weißen Liturgiefarbe des nahen Osterfestes, was dann einen rosa Farbton ergibt.

In der römisch-katholischen Kirche wird Laetare umgangssprachlich „Rosensonntag“ genannt, da an diesem Tag vom 11. bis zum 19. Jahrhundert die Goldene Rose (Tugendrose) gesegnet wurde, die der Papst einer Person oder Institution verlieh, die sich um die Kirche besonders verdient gemacht hatte. Im weltlichen Brauchtum steht dieser Sonntag auch für das Winteraustreiben und in vielen Gemeinden – so auch in Plankstadt – findet an diesem Tag der Sommertagszug der Kinder statt.

Rückbesinnung auf das, was wirklich wichtig ist, das Innehalten und uns und unser Umfeld mit einem wachen Geist wahrnehmen und schauen, was vielleicht nicht so gut läuft und Korrekturen erwägen, das kann so verkehrt nicht sein – dazu bedarf es keiner religiösen Motivation.

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