Plankstadt

Geschäftsleben Bierkutscher Gustav Neumüller nach 25 Jahren bei der Welde-Brauerei in den Ruhestand verabschiedet

Vom Lastwagen in den Garten

Archivartikel

Plankstadt.Den Garten will er jetzt endlich auf Vordermann bringen. Bierkutscher Gustav Neumüller tauscht das Fahrerhaus vom Welde-Lastwagen gegen das heimische Gartenhaus in Reilingen. Über 25 Jahre lang war er für die Plankstadter Braumanufaktur unterwegs und hat den Gerstensaft und alles, was dazu gehört, zu Händlern und Gastronomen in der ganzen Metropolregion Rhein-Neckar gebracht.

In einer kleinen Feierstunde bedankten sich die Welde-Chefs Dr. Hans und Max Spielmann, Welde-Logistikleiter Volker Graf und Betriebsratsvorsitzender Jan Zöller für die langjährige gute Zusammenarbeit und verabschiedeten Neumüller in den Ruhestand, heißt es in einer Pressemitteilung.

Wichtige Repräsentanten

„Unsere Fahrer sind an vorderster Front, wenn sie unsere Kunden beliefern“, erzählt Welde-Chef Hans Spielmann. Sie seien wichtige Repräsentanten der Brauerei bei den Händlern und Gastwirten und Gustav mit seiner ruhigen und freundlichen Art habe auch da einen echt guten Job gemacht. Dem schloss sich Max Spielmann gern an, der Neumüllers stetige Zuverlässigkeit besonders herausstellte. Fuhrparkchef Graf schätzte außerdem sein gutes Gespür dafür, wenn etwas nicht stimmte, und sein großes Gerechtigkeitsempfinden. „Manchmal gab es heiße Debatten, die aber immer zielführend und wirklich positiv waren“, erklärte Graf.

„Es gab gute und schlechte Zeiten, aber die guten haben überwogen“, fasst der Neurentner Neumüller seine mehr als zwei Jahrzehnte bei Welde zusammen. Er habe sich in der Brauerei immer gut aufgehoben und im Team wohlgefühlt. Als er Mitte der 1990er Jahre in Plankstadt anfing, war Seniorchef Wilhelm Spielmann noch in der Firma. Neumüller gehört also zu denen, die aufgrund ihrer langen Betriebszugehörigkeit die dritte Geschäftsführergeneration erleben konnten. Dass beide „Spielmänner“ bei seiner kleinen Abschiedsfeier dabei waren, hat Neumüller besonders gefreut. Es sei ja heute gar nicht mehr üblich, Mitarbeiter in den Ruhestand zu verabschieden. Da merke man wieder eine der vielen positiven Seiten, wenn man wie bei Welde in einem kleineren Familienbetrieb arbeite, erklärt er.

In Russland geboren

Als er Mitte der 90er Jahre bei Welde anfing, war er schon mehrere Jahre mit seiner ganzen Familie samt Eltern und Geschwistern in Deutschland. Neumüller wurde nördlich von Moskau im Permafrostgebiet geboren, die Familie zog später nach Kasachstan. Von dort kam sie 1989 nach Deutschland, zunächst nach Nordrhein-Westfalen. Bereits 1956 habe sein Vater den ersten Ausreiseantrag aus der Sowjetunion gestellt, danach bestimmt noch zehn Mal. Erst Gorbatschows Glasnost und Perestroika ermöglichten 1989 die Ausreise.

Weil die Kinder und Enkel in Bonn leben, will Neumüller dorthin ziehen, sobald auch seine Frau in den Ruhestand geht. Aber bis es so weit ist, kümmert er sich erst einmal richtig um seinen Blumengarten und freut sich auf Zeit fürs Gärtnern und auf Familienbesuche. zg

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