Plankstadt

Brauchtum Einem Mysterium auf der Spur / Viele Erklärungen – wenige Beweise / Germanische Götter treffen auf Mondzyklen, Opferblut und Steuerabgaben

Warum bringt Meister Lampe die Ostereier?

Archivartikel

Plankstadt.Zu Ostern bevölkern fleißig suchende Kinderscharen die Gärten und Parks. Alle haben sie ein Ziel: möglichst viele Eier finden. Die hat – zumindest dem Mythos nach – der Osterhase versteckt. Aber wer ist eigentlich dieser Kerl, woher hat er die Eier und warum versteckt er sie?

Im deutschen Raum wurde der Osterhase erstmals im Jahre 1678 genannt, aber tatsächlich ist dieser Brauch bei uns nicht älter als 100 Jahre. Noch im 19. Jahrhundert war der eierlegende Osterhase in einigen Teilen Deutschlands völlig unbekannt. Dafür waren andere Tiere im Spiel. So kam dieser Aufgabe im westfälischen und hannoverschen Raum lange dem Fuchs zu, in Schleswig-Holstein, Oberbayern und Österreich dem Hahn, in Thüringen dem Storch und in der Schweiz dem Kuckuck. In neuerer Zeit hat sich der Osterhase als Eierbringer überregional durchgesetzt. Warum das so ist, dafür findet man unterschiedliche Begründungen. Der Osterhase wird erstmals vom Medizinprofessor Georg Franck von Frankenau im Jahr 1682 in seiner (medizinischen) Abhandlung „De ovis paschalibus – von Oster-Eyern“ erwähnt. Er schildert den Brauch für die Region des Elsass und der angrenzenden Gebiete und ergeht sich über die negativen gesundheitlichen Folgen, die der übermäßige Verzehr dieser Eier mit sich brächte.

Insgesamt drei Ohren

Die Ursprünge der Verbindung des Hasen mit Ostern – und vor allem mit der Eierherstellung – sind jedoch absolut unklar. Es gibt zwar viele Hypothesen, warum das so ist, aber wirklich stichhaltig ist keine von ihnen. Oft wird erklärt, dass der Osterhase eine protestantische Erfindung sei: In katholischen Gegenden habe sich durch die Fastenzeit zu Ostern ein großer Bestand an Eiern angehäuft. Da Protestanten ihre Kinder nicht mit dem katholischen Brauch des Fastens bekannt machen wollten, haben sie zur Erklärung dieses Phänomens den Osterhasen erfunden. Auch für diese Begründung fehlt jeglicher Beweis.

Einige sehr früh bemalte Ostereier zeigen das Dreihasenbild – eine Darstellung von drei Hasen mit lediglich drei Ohren insgesamt, bei denen aufgrund der „Doppelverwendung“ von Ohren dennoch jeder Hase zwei Ohren hat; dies ist ein bekanntes Symbol für die Dreieinigkeit. Eventuell könnte man von dieser Darstellung auf den Hasen als Eierlieferant gekommen sein – was aber auch eine fragwürdige Erklärung ist. Das Bild jedenfalls ist schon im frühen Mittelalter und auch aus anderen Kulturen bekannt.

Symbol für die Auferstehung

Vielleicht ist es aber auch so: Der Hase ist das erste Tier, das im zeitigem Frühjahr seine Jungen bekommt. So könnte er zum Ende des Winters zum Symbol für die Auferstehung geworden sein. Auch gilt der Hase als Mondtier und Ostern wird am ersten Sonntag des Frühlingsvollmondes gefeiert. Gemeinhin gilt der Hase als Zeichen der Fruchtbarkeit. Der griechischen Liebesgöttin Aphrodite und der germanischen Frühlings-und Fruchtbarkeitsgöttin Ostera wurde ein Hase als heiliges Tier zugeordnet. Eine weitere Version besagt, dass die Verbindung vom Ei mit dem Hasen durch das Osterbrot gekommen ist. Dem Brot, in dem ein Ei eingebacken wurde, wurde zusätzlich ein Hasenbild aufgeprägt. Dadurch entstand die Vorstellung vom eierlegenden Hasen.

Auch das Verhalten der Hasen könnte eine Rolle spielen: Der Hase kommt im Frühjahr zur Futtersuche in die Dörfer und Gärten. Durch sein ungewöhnliches Verhalten, sich in Menschennähe aufzuhalten, wird ihm gleichzeitig das Ablegen der Ostereier angedichtet. Eine Henne kann schließlich keine bunten Eier legen – das wissen längst (fast) alle Kinder.

Was hat aber nun das Ei mit Ostern zu tun? Das Ei symbolisiert in vielen Kulturen Fruchtbarkeit und neues Leben. Schon bei den Ur-Christen bedeutete das Ei die Auferstehung Jesu Christi am Ostersonntag, die zerbrochene Eierschale wurde als Grab gedeutet. Erstmalig tauchte die Bezeichnung Osterei 1615 auf.

Abgaben an den Herren

Vermutlich geht die Tradition des Ostereierverschenkens auf einen alten Brauch – der Abgabe von Zins- und Antlasseiern – im Mittelalter zurück. Hier mussten die Bauern den Grundherren (auch Lehensherren genannt) die Steuern und Abgaben am Gründonnerstag (Antlasstag) mit Eiern bezahlen. Die Begriffe „Eierzins“ oder „Eierwiese“ als Bezeichnung für Grund und Boden erinnern an diese Pflicht.

Mit der Reformation im 16./17. Jahrhundert änderte sich diese Tradition des „Eierverschenkens“. Von hier an wurden nicht nur die Grundherren mit Eiern bedacht, sondern auch Kinder und Freunde, denen man die im Ei innewohnende Fruchtbarkeit und Lebenskraft übertragen wollte.

Auch die Farben der Eier spielten früher eine besondere Rolle. Zunächst wurden die Eier nur rot gefärbt, um an das Leiden von Jesu Christi zu erinnern, der sein Blut für die Erlösung der Menschheit vergossen hat. Mit der Zeit wurden die Eier immer kunstvoller mit immer neuen Techniken verziert. So werden heute die Ostereier in allen möglichen Arten bemalt, beklebt oder geätzt.

Bedeutung der Ostereier-Farben: Rot steht für den Opfertod von Jesus Christus; Weiß für Reinheit; Grün für Unschuld; Gelb für Erleuchtung; Orange für Kraft, Ausdauer, Wärme und Grün für Jugend und Unschuld.

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