Reilingen

Ehejubiläum Irma und Robert Metzler feiern bürokratiebedingt an zwei Daten diamantene Hochzeit

Bei ihrer Vermählung lag meterhoch Schnee

Archivartikel

Reilingen.60 Ehejahre gemeinsam verbracht zu haben, ist an sich schon selten genug. Doch Irma und Robert Metzler haben zu ihrer diamantenen Hochzeit gestern die Gratulanten um Bürgermeister Stefan Weisbrod und Pfarrerin Eva Leonhardt nicht mit der Dauer ihrer Partnerschaft verblüfft, sondern mit den Umständen, unter denen diese 1958 besiegelt wurde: bei minus 35 Grad und meterhohem Schnee in Sibirien nahe der Stadt Omsk.

Der heute 85-jährige Bräutigam und seine fünf Jahre jüngere Braut haben sich allerdings nicht am 2. Juli das Jawort gegeben, sondern am 1. Januar, wie sie ihren Gästen verschmitzt berichten. Das sommerliche Vermählungsdatum in ihren Papieren verdanken sie der russischen Bürokratie – und dem Umstand, dass es in ihrem Dorf kein Standesamt gab. Als sie die Geburt ihres ersten Sohns Alexander eintragen lassen wollten, wurde die Hochzeit gleich mit aufgenommen, allerdings zum Stichtag des Behördengangs.

An ihren Jubeltag können sich die Metzlers – Irma hieß kurioserweise mit ihren Mädchennamen schon so – noch gut erinnern: Weil beide so große Familien hatten, musste die Feier mit ihren 140 Gästen auf zwei Häuser verteilt werden – und auf zwei Tage. Der Schnaps aus Kartoffeln und Rüben war traditionell selbst gebrannt, Kuchen wurde aus Karotten gebacken, und ein Schwein und Hühner wurden geschlachtet. Der Blumenschmuck – auch für die Pferde, die den Schlitten zogen, war aus Papier gefaltet – bei dem Klima nicht anders machbar.

1995 nach Deutschland umgezogen

Nach Sibirien gekommen waren die Eheleute als Kinder. Sie wurden im September 1941 nach Hitlers Überfall auf die Sowjetunion aus Dobrinka in der Wolgadeutschen Republik, wo ihre Familien seit Generationen gelebt hatten, in die arme Region deportiert. Irma und Robert Metzler erzählen von entbehrungsreichen, aber auch von Solidarität und Hilfsbereitschaft geprägten Zeiten. Nach Alexander kamen die Töchter Lidia und Helena zur Welt, Robert Metzler war 20 Jahre lang als Elektriker tätig, weitere 18 als Fahrer eines Krankenhauses. Seine Frau leitete im Ort den Vertrieb von Gasflaschen – wichtig für die Menschen in Iwanowka, wo es kein Gasleitungsnetz gibt.

1995 zog die Familie nach Reilingen, wo Robert Metzler noch acht Jahre als Hausmeister der katholischen Kirche gearbeitet hat, bevor er in den Ruhestand ging – „dabei sind wir alle evangelisch“, berichtet er schmunzelnd. Drei Jahre hatten sie auf die Ausreise gewartet.

Dass die Familie um fünf Enkel und sechs Urenkel gewachsen ist, hält das Ehepaar in Bewegung. Den Umzug in den Jargeauring musste Irma Metzler praktisch im Alleingang organisieren, weil ihr Mann so viel auf Baustellen der Kinder und Enkel unterwegs war. Die kamen gestern Abend umso lieber zur Feier der diamantenen Hochzeit – der zweiten dieses Jahr . . .

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