Reilingen

Burg Wersau Winterpause auf der Anlage eingeläutet / Besucher erfahren mehr über Forschungsarbeiten / Eingangsbereich nahezu komplett ausgegraben

Brücke soll in Archäologiepark führen

Archivartikel

Reilingen.Nach einer durch die Corona-Pandemie verkürzten archäologischen Grabungssaison im Bereich der ehemaligen Burg Wersau wurden am Samstag die diesjährigen Arbeiten mit einem letzten Aktionstag abgeschlossen. Dazu waren noch einmal mehr als 20 Mitglieder des Arbeitskreises Burg Wersau auf das weitläufige Gelände gekommen, um nicht nur die jüngst entdeckten Fundstücke fachgerecht dem Boden zu entnehmen, sondern auch zahlreiche Pflegearbeiten in den Grabungsbereichen vorzunehmen. Dies sei, so Grabungsleiter Justin Schmidt von der Universität Heidelberg, eine wichtige Voraussetzung, um die vielen Fundstellen, Mauern und Gewölbe sicher über den kommenden Winter zu bringen.

Gekommen waren aber auch zahlreiche interessierte Burg- und Heimatfreunde aus Reilingen und den umliegenden Gemeinden, um sich vor Ort über den aktuellen Stand der Forschungsarbeiten und die weiteren Planungen für einen Archäologiepark zu informieren. Entsprechend den Corona-Vorgaben wurden zwei Gruppen gebildet, die vom AK-Sprecher Benny Schaich und dem Regionalhistoriker Dr. Otmar Geiger über das Gelände zu den einzelnen Grabungsabschnitten geführt wurden.

Im Laufe des Rundgangs zeigten sich die Führungsteilnehmer beeindruckt, was trotz der verkürzten Grabungsperiode von den ehrenamtlichen Helfern in den vergangenen Wochen gefunden und sorgsam freigelegt wurde. So konnten vor allem im Eingangsbereich der Anlage die Untersuchungen so weit fortgeführt werden, dass im kommenden Jahr daran gegangen werden könne, diesen publikumswirksam neu zu gestalten. „Damit wäre der erste Schritt für den zukünftigen Archäologiepark getan“, so AK-Sprecher Schaich.

Dank des inzwischen nahezu komplett ausgegrabenen Eingangsbereichs der historischen Burganlage wird inzwischen jedem Besucher deutlich, wie gewaltig die Türme und Mauern der Burg Wersau gewesen sein müssen. Da auch die Brückenfundamente und der Teil eines Brückenbogens ausgegraben wurden, kann so seit einigen Wochen auch augenscheinlich wahrgenommen werden, wo einst die Karren, Reiter und Pilger die Niederungsburg betraten.

Als 3D-Modell digital erfasst

Die Planungen für den Archäologiepark sehen vor, zunächst den Eingangsbereich den historischen Vorgaben entsprechend neu zu gestalten. So soll wie einst eine Brücke in den Park führen. „Bis dahin werden allerdings noch einige bereits erforschte Bereiche der Ausgrabung zum Schutz wieder zugeschüttet werden“, machte Otmar Geiger deutlich. Für die späteren Rekonstruktionen werden sie derzeit mit den modernsten Mitteln gescannt und als 3D-Modell digital erfasst. „Damit sind wir in der Lage, die gesamte Burganlage virtuell zu erstellen“, so Grabungsleiter Justin Schmidt, der zudem für seine Doktorarbeit speziell die Burg Wersau erforscht.

Im weiteren Verlauf des Rundgangs wurde von den Besuchern mit großem Interesse die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse aufgenommen, dass ein großer Teil des 2016 abgerissenen Gebäudes der Schlossmühle von 1896 auf deutlich älteren Mauern steht. Konsequenterweise werden diese nun erhalten und in das museale Konzept eingefügt.

Abschließend sorgten die Einblicke in die aktuelle Grabungsarbeit für Spannung, denn vor den Augen der Heimatfreunde wurden einige schöne Fundstücke wie Becher oder Reste eines Kruges freigelegt. Und mit welcher Sorgsamkeit ein mittelalterlicher Holzbalken millimeterweise aus dem sumpfigen Untergrund herausgearbeitet wurde, nötigte den ehrenamtlichen Archäologen viel Respekt für ihr engagiertes Tun ab.

Grabungsleiter Justin Schmidt zeigte sich mit dem „typischen letzten Grabungstag“ sehr zufrieden, da wiederum zahlreiche interessante Dinge zum Vorschein kamen. Diese bedürften eigentlich einer sofortigen Untersuchung, müssen nun aber auf die nächste Saison verschoben werden. „Die Forschungsarbeiten rund um die Burg Wersau bleiben weiterhin spannend und erfordern die höchste Aufmerksamkeit.“

Karten müssen erforscht werden

Auch im zehnten Jahr der Erforschung der Burg Wersau vor Ort wurde das Ende der Grabungssaison durch das traditionelle Einholen der Fahne im Eingangsbereich symbolisch sichtbar. Zu den Fanfarenklängen des Burgherolds Willi Krüger stand man noch einige Zeit zusammen, um schließlich die Werkzeuge zu säubern und zu verschließen. Dies bedeute, so AK-Leiter Benny Schaich aber nicht, dass jetzt eine winterbedingte Pause beginne. „Wir werden intensiv an den Plänen für den Archäologiepark arbeiten.“ So werde schon an einem virtuellen Burgmodell gearbeitet, und auch für den Wersauhistoriker Otmar Geiger liegen noch hunderte von Archivalien und historische Karten bereit, um intensiver erforscht zu werden. ara/zg

Info: Mehr Bilder gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional