Reilingen

Technischer Ausschuss Verwaltung stößt Debatte über die Kisselwiesen an / Gebiet soll unter Schutz gestellt werden

Charakter der Grünfläche erhalten

Reilingen.Sollen die Kisselwiesen, eines der letzten zusammenhängenden Wiesenareale am Kraibach, unter Schutz gestellt und als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden? Diese Frage beschäftigte den Technischen Ausschuss in seiner jüngsten Sitzung und weckte das Interesse einiger Landwirte und Vertreter des Bundes für Umwelt- und Naturschutz.

Mit dieser Überlegung hat die Verwaltung eine intensive Debatte angestoßen, die sicher noch nicht zu Ende geführt ist. Noch gibt es viele offene Fragen, die Gegenstand einer weiteren Prüfung sein werden. Auch sollen Landwirte, Eigentümer, Fachverbände und Naturschutzbehörde in den Meinungsbildungsprozess eingebunden werden.

Keine neue Idee

Die Idee eines Landschaftsschutzgebietes sei nicht neu, so Bürgermeister Stefan Weisbrod. Schon in den 1980er Jahren und 2007 sei das natur- und kulturräumliche Gefüge der Kisselwiesen ausführlich beschrieben und die Unterschutzstellung ein Thema gewesen. Es handelt sich dabei um rund 44 Hektar Fläche, wovon sich rund 32 Hektar in Landeseigentum befinden. Knapp elf Hektar sind in Privateigentum und 85 Ar gehören der Gemeinde. Agrarrechtlich, so Weisbrod, stünden die Wiesenflächen schon heute unter Schutz und seien mit einem Umbruchverbot belegt. Von Nutzen könne eine derartige Schutzmaßnahme bei einem Netzbauprojekt der Transnet BW sein, die gerade alternative Stromtrassen für die Wagbachniederung untersucht.

Sabine Petzold (FW) hätte sich eine frühzeitige Einbindung der betroffenen Grundstückseigentümer und Nutzer gewünscht. Sie warnte vor einem drastischen Verfall der Grundstückswerte. Ihr Fraktionskollege Landwirt Klaus Schröder verwies auf die schon über sieben Jahrzehnte währende Pflege der Wiesenflächen durch Reilinger Landwirte. Er plädierte dafür, den schon vorhandenen Schutz nicht weiter auszuweiten und damit die Existenzgrundlage der betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe zu gefährden. Seine Befürchtung: „Wird einmal ein Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, ist es viel leichter möglich, beispielsweise Mahd oder Düngung einschränkend zu regulieren.“

Für die Grünen konnte sich Carolin Hoffmann durchaus mit dem Gedanken eines Landschaftsschutzgebietes anfreunden, zumal damit keine größeren Einschränkungen oder Probleme gesehen werden. Agnés Thuault-Pfahler (CDU) wünschte sich vertiefende Informationen, ohne die eine klare Position nicht möglich sei. Einen Einblick in die Historie des Geländes und ehemalige Pläne, dort ein Kieswerk oder sogar einen Flugplatz anzulegen, gab Peter Schell (FDP).

Wohnraum von Fauna und Flora

Landschaftsschutzgebiete sollen vor allem die natürliche Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Landschaft bewahren. Sie sollen die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes erhalten und wiederherstellen. Zweck kann außerdem der Schutz von Lebensstätten und Lebensräumen von Tieren und Pflanzen sein sowie Schutz und Erhalt des Landschaftsbildes für Tourismus und Erholung.

Die Schutzbestimmungen sind etwas weniger streng als bei einem Naturschutzgebiet. Eine land- und forstwirtschaftliche Nutzung ist beispielsweise unter bestimmten Auflagen erlaubt. jd

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