Reilingen

Evangelische Kirchengemeinde Gottesdienst im Pfarrgarten gefeiert / Posauenchor spielt auf und Förderverein bewirtet die Besucher

Die Baustellen des Lebens beleuchtet

Archivartikel

Reilingen.Seit Jahren wird bei der evangelischen Kirchengemeinde der Gottesdienst am letzten Sonntag vor den Sommerferien im Freien gefeiert. Von dieser Tradition wurde heuer nicht abgewichen, allerdings fand der Freiluft-Gottesdienst erstmals im Pfarrgarten statt.

Der neue Ort erklärt sich recht einfach mit dem Neubau des Lutherhauses. Zugleich gab er dem Gottesdienst die Richtung vor, denn Pfarrerin Eva Leonhardt stellte ihn unter das Thema „Baustelle“. Ein Begriff, der sehr gut zum Glauben passt, bei beiden ist ein festes Fundament unerlässlich.

Doch Pfarrerin Leonhard wusste dem Begriff in ihrer Begrüßung der Besucher, die sich bei angenehmen äußeren Bedingungen zahlreich im Pfarrgarten eingefunden hatten, noch mehr Bedeutung abzugewinnen. So sei das Leben selbst eine immerwährende Baustelle, ob im Glauben oder in Beziehungen, geprägt vom steten Wandel.

Nicht auf Sand bauen

Zwar stehe schon in der Bibel, man solle sein Haus nicht auf Sand, sondern lieber auf einen Felsen bauen, dennoch sei Sand nicht schlecht, was jedes Kind oder jeder Urlauber am Strand bestätigen könne, merkte Leonhard an und fügte hinzu, dass der schönste Sand als Baumaterial nur tauge, kommt der richtige Kleber hinzu – in diesem Fall der Zement. Eine Funktion, die im Glauben Jesus zukomme, „egal wie unterschiedlich wir ihn leben, er hält doch unsere Gemeinschaft zusammen“, betonte die Pfarrerin und fügte hinzu, dass Sand und Zement kräftig gemischt werden müsse, so wie sich Gott in das Leben der Menschen einmischen wolle.

Nun fehlt nur noch das Wasser, nicht nur für Pfarrerin Leonhardt ein Sinnbild des Lebens, wie sie angesichts der Trockenheit der vergangenen Tage ausmachte, weshalb der Gottesdienst im Freien eher einer im Braunen als im Grünen sei. Und Wasser stehe für die Taufe und den Segen. Sand, Zement und Wasser – angerührt war der Beton.

Beton angerührt

Und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Denn parallel zur Predigt von Pfarrerin Leonhardt hatte Fritz Breuner Beton angerührt, der nun in eine von Beate Römpert gefertigte Kreuzform gegossen wurde. Derweil verteilten die Konfirmanden unter den Gottesdienstbesuchern bunte Mosaiksteine, die diese dem Betonkreuz beimischten.

So wich das Grau des Baustoffes schnell einer bunten Mischung, wurde die Figur zum Schmuckstück, das im neuen Lutherhaus seinen Platz im Boden finden soll, wo das Kreuz eingelassen wird.

Umrahmt wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor unter der Leitung von Alexander Hartmann und mit dem letzten Wort der Pfarrerin und dem letzten Klang der Posaunen war der Gottesdienst noch lange nicht zu Ende.

Es schloss sich, auch dies eine lange Tradition bei der Kirchengemeinde, ein gemütliches Beisammensein an, zu dem, auch dies eine seit Jahren liebgewonnene Gepflogenheit, ein leckere Eintopf gereicht wurde. Zubereitet wurde die Mahlzeit von Toni Kellner in der Küche von Familie Schell, die sie der Kirchengemeinde für den Gottesdienst am neuen Standort Pfarrgarten zur Verfügung stellte.

Organisiert wurde der Gottesdienst vom Bau- und Förderverein der Kirchengemeinde, der auch für die Bewirtung sorgte und dem ein letzter Dank gebührte. Wobei Pfarrerin Leonhardt ein letztes Mal das Wort „Bau“ aufgriff und für die Kirchengemeinde eine freudige Nachricht hatte: Noch in dieser Woche soll vom Bauamt Hockenheim die Genehmigung für das neue Martin-Luther-Gemeindehaus erteilt werden.

Und dann kann die evangelische Kirchengemeinde kräftig Beton anrühren, auf dass das neue Gemeindezentrum auf einem festen Fundament errichtet und mit Leben gefüllt werden kann. sz

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional