Reilingen

Gemeinderat Erforderliche Plätze im Krippen- und Kindergartenbereich sollen in Modulbauweise errichtet werden / Haushalt wird verabschiedet

Die Kosten sind „regelrecht explodiert“

Reilingen.Zwei große Themen bestimmen den öffentlichen Teil der Ratssitzung am Montag, 11. Februar – die Kinderbetreuung und der Haushaltsplan für das laufende Jahr. Zwei Blöcke, die durchaus miteinander korrespondieren, denn die laufenden jährlichen Kosten der Gemeinde für die Betreuung bewegen sich unaufhaltsam in Richtung der Drei-Millionen-Euro-Marke.

Eröffnet wird die Sitzung durch einen Bericht über die Schulsozialarbeit in der Gemeinde, für die jährlich immerhin 70 000 Euro aufgewendet werden, auch wenn die Kommune durch den Kreis fast die Hälfte der Kosten erstattet bekommt. Sodann wird sich der Rat jenen Kindern zuwenden, die noch nicht im schulpflichtigen Alter sind.

Fakt ist, die Zahl der Kinder in der Gemeinde steigt weiterhin an, sei es durch höhere Geburtenzahlen, sei es durch Zuzug in die Neubaugebiete. Ein vom Rat schon öfter begrüßter Umstand, der allerdings seinen Preis hat, die Betreuungseinrichtungen müssen ständig ausgebaut werden.

So ergibt sich aus der von der Verwaltung aufgelegten Tischvorlage, dass die Zahl der Kinder, für die es keinen Krippenplatz gibt, kontinuierlich ansteigt. Sind für den Januar vier Kinder mehr gemeldet als Platz vorhanden ist, so sind es ab September stetig mehr als 20 Kinder, die auf einen Platz harren. Eine Deckungslücke, die sich ins nächste Jahr fortsetzt. Die Verwaltung schlägt dem Rat zwei neue Gruppen in Form einer Modullösung vor. Die Module, man kann auch von einer Container-Lösung sprechen, auch wenn heutige Einrichtung mit diesem Wort kaum mehr etwas gemein haben, sollen in Nachbarschaft des „Hauses der kleinen Hasen“ errichtet und organisatorisch an dieses angeschlossen werden – weitere 4,5 Stellen werden benötigt.

Parallel schlägt die Verwaltung vor, den Oberlin-Kindergarten um einen Anbau zu erweitern. Darüber soll in einer weiteren Sitzung beraten werden.

Boomende Zahlen im Krippenbereich müssen sich notwendigerweise mit einer gewissen Verzögerung im Kindergartenbereich widerspiegeln. Nach den jetzigen Zahlen fehlen in der Gemeinde bis August 2020 rund 25 Plätze. Die erforderliche weitere Kindergartengruppe soll, so der Vorschlag der Verwaltung, gleichfalls in der Modullösung untergebracht werden.

Sollte der Rat diesen Weg mitgehen, bleiben für ihn zwei Fragen zu klären – der Standort und die Kostenfrage. Als Standort kommen für die Verwaltung zwei Möglichkeiten in Betracht – ein Grundstück in direkter Nachbarschaft zum „Haus der kleinen Hasen“, am Feldrain – hier könnte der Garten mitbenutzt werden – und ein Gelände am Hertenweg, das wiederum den Vorteil bietet, eingeschossig sein zu können.

Bei den Kosten geht es in erster Linie um die Frage mieten oder Kaufen, wobei sich im Fall des Erwerbs die Frage stellt, was mit den Modulen geschehen soll, wenn eines Tages die Zahl der Kinder zurückgeht.

Steigerung um 30 Prozent

Die Kinderbetreuung dürfte auch Thema beim Haushaltsplan 2019 sein. Denn, wie der Kämmerer in seinen Anmerkungen betont, die Kosten hierfür „sind regelrecht explodiert“. In diesem Jahr wird der Zuschuss der Gemeinde bei rund 2,9 Millionen Euro liegen, gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von gut 30 Prozent oder 650 000 Euro.

Auch die Personalkosten befinden sich in einem stetigen Aufwärtstrend, gegenüber dem Vorjahr ist eine halbe Million Euro mehr eingestellt, ein Plus von gut 14 Prozent. Die Personalausgaben liegen somit bei knapp über vier Millionen Euro, was einem Anteil an den Gesamtausgaben von rund 22 Prozent entspricht. Mit ein Grund für den Anstieg – die gestiegenen Personalkosten im Bereich der Kinderbetreuung.

Zum Glück für die Gemeinde brummt die Wirtschaft, was sich auf der Einnahmenseite deutlich spürbar macht. So sind die Einnahmen aus der Gewerbesteuer auf rund 2,4 Millionen Euro geschätzt, im Vorjahr lag der Ansatz noch bei 1,7 Millionen Euro. Auch der Anteil der Gemeinde an der Einkommenssteuer soll kräftig klettern, von 4,7 Millionen Euro soll er auf über fünf Millionen Euro ansteigen. Mehr erhofft sich die Gemeinde auch von den sonstigen Zuweisungen, so dass die Einnamenseite bei den Finanzausgleichsumlagen von 11,6 Millionen Euro auf 13, 6 Millionen Euro klettert. Da im Gegenzug die Umlagen nur um rund eine Millionen Euro ansteigen, von fünf auf rund sechs Millionen Euro, bleiben unterm Strich 7,6 Millionen Euro in der Kasse. Im Vorjahr lag der Ansatz noch bei 6,5 Millionen Euro.

Dennoch, bei Gesamteinnahmen von rund 18,3 Millionen Euro und Gesamtausgaben von gut 18,6 Millionen Euro plant die Gemeinde in diesem Jahr mit roten Zahlen, das Defizit beläuft sich bereinigt auf rund 200 000 Euro. Da die Gemeinde gleichzeitig kräftig investiert, rund vier Millionen sind für Baumaßnahmen vorgesehen, werden die liquiden Mittel in gleicher Höhe abnehmen und am Ende des Jahres bei rund zwei Millionen Euro liegen. Allerdings – eine Kreditaufnahme ist nicht eingeplant.

Größte Positionen bei den Baumaßnahmen sind die Gemeinschaftsschule samt Mensa, in diesem Jahr sind 1,1 Millionen Euro veranschlagt, das Dorfgemeinschaftshaus, 370 000 Euro, die Sanierung der Hockenheimer Straße 800 000 Euro, und die Fertigstellung der Hildastraße 400 000 Euro.

In die Maßnahmen sind auch 100 000 Euro eingerechnet, die von den FW beantragt wurden und die der Erstellung eines Gesamtkonzepts für die Burg Wersau, die Burg unter der Grasnarbe, dienen sollen.

Mitteilungen, Bekanntgaben und Anfragen schließen den öffentlichen Teil der Sitzung ab.

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