Reilingen

Gemeindepartnerschaft Reilinger Delegation beim Europafest in Jargeau / Besichtigungen, Arbeitsitzung und viel gute Laune an der Loire

Edle Tropfen in der Höhle verkostet

Jargeau/Reilingen.Als in Jargeau an der Loire das Europafest gefeiert wurde, war die Partnergemeinde Reilingen sehr präsent. Auf der Place Martroi feierten Reilinger zusammen mit den Franzosen, es wurde begrüßt – Küsschen links, Küsschen rechts –, geplaudert und gelacht. Auf der Bühne unter der Statue der Nationalheldin Jeanne d’Arc sorgte Charly Weibel mit seiner Gitarre für Stimmung und am Stand des Partnerschaftsvereins Jargeau-Reilingen stand man in Schlangen vor dem Grill an, denn dort gab es Reilinger Wurst. Die wissen auch die kulinarisch versierten Franzosen zu schätzen, teilt die Verwaltung mit.

Über 40 Gäste zwischen zehn und 77 Jahren waren zur Begegnung vom Kraichbach an die Loire gekommen. Manche von ihnen waren das erste Mal dabei, andere kommen schon seit 29 Jahren regelmäßig.

Nicht nur die Sonne strahlt

Das Timing stimmte: Man hatte das Europafest extra auf das Wochenende der Begegnung gelegt und für den Ausflug am Vortag strahlendes Sonnenwetter bestellt. Bei der Fahrt nach Amboise präsentierte sich daher das Tal der Loire mit seinen Inseln und Auen, mit seinen Städtchen, Brücken und Schlössern aus hell leuchtendem Kalkstein im besten Licht. Die Steine für diese Bauten wurden einst aus dem Fels am Ufer geschlagen und die so entstandenen Höhlen lassen sich besichtigen. Sie beherbergen nun zahllose Flaschen und Eichenfässer der Winzereien.

Wie die Wahl der Fässer den Geschmack des Weins beeinflusst, erklärte mit seinem ganz eigenen Charme der Junior eines Familienbetriebs mit über 500-jähriger Tradition. Bei der anschließenden Verkostung deckte sich der Reilinger Partnerschaftsverein gleich für das Straßenfest im Herbst ein.

Im Städtchen Amboise wurde in französischer Entspanntheit am Ufer gepicknickt – für die Jüngsten eine Gelegenheit, mit der Loire in Kontakt zu treten. Mit nassen Socken und Schuhen ging es dann hinauf zum Schloss. Obwohl nur teilweise erhalten, beeindruckt die Königsresidenz immer noch durch ihre Ausmaße und den harmonischen Stil und ist ein Symbol für Größe und Machtanspruch.

Aktuelle Themen diskutiert

Bei der Arbeitssitzung am Abend stellten Bürgermeister Jean-Marc Gibey und Vizebürgermeisterin Sophie Héron den Vorständen der Partnerschaftsvereine und den mitgereisten Gemeinderäten ihr Schulsystem und die Ganztagsbetreuung vor – ein in beiden Gemeinden aktuelles Thema, das lebhaft diskutiert wurde. So unterschiedlich die Systeme in beiden Ländern sind, das Spannungsfeld zwischen hohem Anspruch und politischen sowie finanziellen Vorgaben und nicht zuletzt die bürokratischen Hürden betreffen beide Gemeinden in ähnlicher Weise.

Am nächsten Tag erlebten die Reilinger die Fête de l’Europe. Von Catherine Gibey und Céline Botella wurden dann Neulinge und alte Hasen durch die Gassen des Orts geführt. Die Straßennamen bekamen plötzlich Bedeutung, als man die jeweiligen Hintergründe erfuhr: Hier standen einst die Geflügelställe, da die unterirdischen Zellen des Gefängnisses und dort die Kirchen der beiden Konfessionen, in späteren Religionskonflikten bis auf den letzten Stein zerstört.

Was Menschen Menschen antun, war dann auch Thema am Nachmittag beim Besuch im Dokumentationszentrum Cercil in Orléans. Zur Zeit der Besetzung Frankreichs waren in Jargeau Tausende von „Zigeunern“ in Lagern interniert gewesen, die von der französischen Vichy-Regierung betrieben wurden, in „guter“ Zusammenarbeit mit Nazideutschland. Heute forschen im Cercil französische Historiker gemeinsam mit deutschen und tauschen sich unvoreingenommen aus.

Spritziger Festabend

Deutsch-französisch im allerbesten Sinne ging es dann auf dem Festabend zu, spritzig moderiert von Volker Billen, dem Präsidenten des französischen Partnerschaftsvereins. Die Bürgermeister Jean-Marc Gibey und Stefan Weisbrod hielten launige, kurze Ansprachen, der Drehorgelspieler animierte zum Mitsingen, die hilfsbereiten Jugendlichen servierten das Menü und kellnerten unermüdlich und DJ Arthur animierte zum Tanz bis weit in den Morgen hinein.

Es war ein Erlebnis voller Gastlichkeit und Herzlichkeit – wie schon so oft. Kein Wunder, dass die Reilinger immer wieder freudig an die Loire reisen. zg

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