Reilingen

Amtsgericht Kleindealer aus Essen zu achtmonatiger Bewährungsstrafe verurteilt / Mit 95 Gramm Marihuana erwischt

Ein Freundschaftsdienst mit weitreichenden Folgen

Archivartikel

Reilingen.Für einen folgenschweren Freundschaftsdienst hatte sich ein 41-jähriger Mann aus Essen vor dem Schwetzinger Schöffengericht zu verantworten. Er war im Frühjahr des vergangenen Jahres auf einem Autobahnparkplatz auf Reilinger Gemarkung einer Fahrzeugkontrolle unterzogen worden. Wie sich schon schnell herausstellte, hatten die Beamten des Fahndungsdienstes der Autobahnpolizei den „richtigen Riecher“. Schließlich fanden sie beim Angeklagten über 95 Gramm Marihuana.

Wie im Nachhinein die chemische Untersuchung ergab, handelte es sich dabei um qualitativ hochwertiges Material“, wie der festgestellte Wirkstoffgehalt zeigte. Die Anklage lautete deshalb auch „Besitzes einer nicht geringen Menge von Betäubungsmitteln“.

Zu Beginn der anschließenden Beweisaufnahme gab der Angeklagte zunächst einige grundsätzliche Erklärungen ab. So führte er in seiner persönlich vorgetragenen Erklärung zum Sachverhalt aus, dass er über viele Jahren Marihuana konsumierte, seit etwa 15 Jahren ein bis zwei Gramm täglich. Entsprechend eindeutig fielen auch die Werte eines Drogentestes unmittelbar nach der Verkehrskontrolle aus.

Eigenen Angaben zufolge hat der Angeklagte den Konsum von Betäubungsmitteln inzwischen aber vollständig aufgegeben. Als starker Raucher ist er zudem seit etwa einem Jahr abstinent. Eine Gefäßerkrankung, die das Legen eines Stents zur Folge hatte, war dabei für ihn richtungsweisend.

In weiteren Fall verstrickt

Seine weiteren Ausführungen zum Tatvorwurf führten dann allerdings zu einiger Verwunderung im Gerichtssaal, insbesondere bei seinem Verteidiger. Bedingt durch die nachdrückliche Befragung des Vorsitzenden des Schöffengerichts, Richter Schneid, räumte er nicht nur im vollen Umfang den Erwerb und Besitz des Rauschgifts ein, sondern machte in seinem Geständnis auch noch Ausführungen zum Handel.

Hierbei wurde deutlich, dass ein Teil der Drogen für einen Freund in Malsch bestimmt war, jedoch mit einem Aufpreis versehen. Allerdings wurde auch deutlich, dass es sich bei dem Angeklagten allenfalls um einen sogenannten Kleindealer handelt.

Dies wurde auch bei der Vernehmung des ermittelnden Polizeibeamten deutlich. Dieser hatte, so Richter Schneid, umfangreiche Ermittlungen der Handydaten durchgeführt. In seiner Aussage sprach der Beamte folgerichtig auch von lediglich drei oder vier Abnehmern bei maximal drei Bezugsquellen. Die gehandelten Mengen seien dabei nicht sehr umfangreich gewesen.

Am Rande der Beweisaufnahme wurde allerdings noch ein schwebendes Verfahren vor der Großen Strafkammer des Landgerichts in Essen angesprochen, in das der Angeklagte verwickelt ist.

Hier scheint es konkrete Querverbindungen zum Angeklagten und seinem Umgang mit Marihuana zu geben. Offensichtlich lässt sich die aufgrund der festgestellten Handy-daten ableiten.

In ihrem Plädoyer sah sich die Vertreterin der Staatsanwaltschaft vollauf bestätigt. Sie verwies auf die für Handelsdelikte hohe Strafandrohung, erwähnte aber auch die strafmildernden Gründe, wie beispielsweise die gehandelten Kleinmengen oder günstige Sozialprognose des Angeklagten. Insgesamt hielt sie eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten für angemessen, ausgesetzt zur Bewährung.

Der Verteidiger verwies insbesondere auf die hohe Mitwirkungsbereitschaft seines Mandanten sowie auf die durchweg geringen Mengen, die den Handelsdelikten zugrunde lagen. Er sah daher die Voraussetzungen für einen sogenannten „minder schweren Fall“ gegeben und plädierte auf eine Freiheitsstrafe von unter einem Jahr, die zur Bewährung auszusetzen sei.

Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten schließlich zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe, bei einer Bewährungszeit von zwei Jahren.

Wie Richter Schneid in seiner Urteilsbegründung ausführte, konnte das Gericht im Angeklagten keinen professionellen Dealer erkennen. Er habe sich keinesfalls abgebrüht verhalten, sondern selbst im hohen Maße Marihuana konsumiert. Der Kleinhandel diente zur Finanzierung der eigenen Sucht. Entsprechend erfolgte die Verurteilung des Angeklagten auch wegen eines „minder schweren Falls“.

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