Reilingen

Friedrich-von-Schiller-Schule Spatenstich für den Um- und Anbau / Investitionen auf rund 5,2 Millionen Euro geschätzt / Mensa und neue Räume

„Eine mutige Zukunftsentscheidung“

Reilingen.Es war ein kleines Volksfest, mit dem der offizielle Spatenstich für die Erweiterung der Schiller-Schule am Donnerstag gefeiert wurde. Kein Wunder, war es doch der Startschuss „für eine der größten Investitionen der Gemeinde“, wie Bürgermeister Stefan Weisbrod „mit stolzgeschwellter Brust“ betonte und auf die Gesamtkosten von rund 5,2 Millionen Euro verwies.

Mit dem Spatenstich nimmt die Umwandlung der Friedrich-von-Schiller-Schule in eine Gemeinschaftsschule auch baulich Gestalt an und es wird ein Schlussstrich unter eine Diskussion gezogen, die sich mehrere Jahre hinzog.

Die über Jahrzehnte die Schullandlandschaft prägende Dreiteilung ist längst Geschichte, die Zukunft gehört der Gemeinschaftsschule, in deren unterschiedlichen Niveaus, grundlegend, mittlel und erweitert, sich der traditionelle Gleichklang Hauptschul-, Realschulabschluss und Abitur, wiederfindet.

Doch bei der Gemeinschaftsschule geht es nicht um Begrifflichkeiten, sondern um eine neue Form des Lernens, bei der die individuelle Förderung der Kinder im Vordergrund steht. Das neue Konzept spiegelt sich im erhöhten Raumbedarf wider, jede Klasse hat ein eigenes Lernatelier mit Arbeitsplätzen für jeden Schüler und je zwei Klassen teilen sich einen Inputraum, vergleichbar den bisher gewohnten Klassenzimmern.

Ziel am Ende allein verfolgt

Womit von vornherein feststand – eine Gemeinschaftsschule ist nur um den Preis einer Erweiterung der Schiller-Schule zu erhalten. Für die Gemeinde stand gleichzeitig fest, dass sie den Schulstandort erhalten wolle, die Schiller-Schule war eine Werkrealschule, und diese nicht auf eine Grundschule reduziert sehen wollte. Dementsprechend verliefen die Planungen innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft, die letztlich in den Antrag auf Umwandlung der Schiller-Schule in eine Gemeinschaftsschule mündeten. Damals, Anfang 2015, noch unter dem Arbeitstitel Reilingen/Lussheim, doch im Frühjahr 2016, nachdem der Reilinger Rat schon die entsprechenden Um- und Anbauten genehmigt hatte, sprang Neulußheim ab. Doch die Gemeinde hielt an ihrem Plan fest und im Februar 2018 war sie am Ziel – die Gemeinschaftsschule wurde zum Schuljahr 2018/19 genehmigt.

Im September startetet die Gemeinschaftsschule einzügig mit 25 Kindern, mittlerweile sind die Anmeldungen stark gestiegen, ab dem kommenden Schuljahr wird zweizügig unterrichtet. Parallel erhielt die Gemeinde im Frühjahr die Genehmigung für die erforderlichen Umbauten.

Geplant ist ein Anbau an einer der Mannherz-Halle gegenüber liegenden Seiten. Dabei soll im Untergeschoss, mit ebenerdigem Ausbau, die Mensa mit 150 Sitzplätzen entstehen – die Schule unterrichtet durchweg im Ganztagsbetrieb. Und, darauf sind die Reilinger besonders stolz, in der komplett eingerichteten Küche wird täglich frisch gekocht.

Im Erdgeschoss war der Bau von sechs Klassenzimmer für zwei Jahrgangsstufen geplant und es bestand die Option, den Anbau um eine dritte Etage aufzustocken. Eine Option, die der Rat im März zog, denn zum einen ist absehbar, dass der gewonnene Raum mittelfristig benötigt wird, zum anderen spart die Erweiterung nicht unerhebliche Kosten.

Womit die Kosten für den An- und Umbau auf nunmehr rund 5,2 Millionen Euro geklettert sind. „Unsere Schulen waren, sind und bleiben uns lieb und teuer“, fasste Weisbrod die Stimmung im Rat zusammen, den er beim Spatenstich für seine „mutige Zukunftsentscheidung“ lobte. In einer „Zeit dynamischer Schullandschaften“ diesen Schritt zu wagen, sei nicht selbstverständlich, freute sich Weisbrod: „Mutiger kann man Zukunft nicht gestalten.“

Doch Weisbrod nutzte die Gelegenheit nicht nur, um dem Gemeinderat zu danken, auch das Kollegium der Schiller-Schule schloss er in seine Worte ein, immerhin habe dieses die innovativen Konzepte entwickelt und mitgetragen, die nun die Grundlage der Gemeinschaftsschule bildeten.

Für Zuschuss im Voraus gedankt

Weisbrod dankte ferner den Planern, den Eltern für ihr Vertrauen, die Kinder auf die Schiller-Schule zu schicken, der kommunalen Betreuung mit ihrem Mensa-Team und nicht zuletzt dem Land Baden-Württemberg. Dies als Option für die Zukunft, soll doch das Land „einiges der Beträge übernehmen“, hofft der Bürgermeister auf sprudelnde Zuschüsse. Bei dieser Gelegenheit galt sein letztes Dankeswort dem Landtagsabgeordneten Karl Klein, der ihm ein wichtiger Türöffner in der Landeshauptstadt war.

Der Schulchor unter der Leitung von Susanne Klemm, der die Gäste, neben den am Bau beteiligten Firmen, Gemeinderäten und Kollegium jede Menge Eltern und Verwandte der Schüler, fröhlich begrüßt hatte, lauter kleine Baumeister Bobs, wie Weisbrod scherzte, leitete musikalisch über zu den Worten von Rektor Falk Freise, der angesichts der Freude über die nun beginnende Erweiterung nicht versäumen wollte, Bürgermeister Stefan Weisbrod für dessen „Beharren in diesem zähen Prozess über Jahre hinweg“ zu danken. Immerhin erhält sich die Gemeinde damit ein Stück autonomes Handeln. „Wir sind gut und werden es allen zeigen“, sieht sich Freise gut aufgestellt für die Zukunft.

Für Architekt Jürgen Roth ging mit dem Spatenstich eine lange Planungszeit zu Ende – vor drei Jahren hat er im Rat erste, noch grobe, Planungen für die Erweiterung vorgelegt. Roth hofft, Ende 2020 mit dem Bau fertig zu sein. Von Sven Seiler, dem Leiter der kommunalen Betreuung, bekam er noch eine von den Kindern gefertigte Zeitkapsel überreicht mit der Bitte, diese gut ersichtlich in den Anbau zu integrieren.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional