Reilingen

Schiller-Schule Im Zug der Prävention ist Dirk Schulze mit seiner „Drogeneisenbahn“ zu Gast / Förderkreis sponsert die Veranstaltung

Entlang der Haltestationen der Sucht

Reilingen.Die „Drogeneisenbahn“ machte in der Schiller-Schule Station. An Bord Dirk Schulze – ein überaus engagierter Streiter wider Drogen jeglicher Art. Der Verfechter eines selbstbestimmten Lebens, der mit seinem Projekt „Drogeneisenbahn“ seit über 13 Jahren unermüdlich in seinem Anliegen aufgeht.

Schulze (Bild) weiß, wovon er spricht: Er war 18 Jahre lang als Streifenpolizist unterwegs. Doch er betont: Bei der „Drogeneisenbahn“ handelt es sich um eine reine Privatinitiative, die in keinerlei Beziehung zu seinem Beruf steht. Höchstens insofern, als er mit dem Projekt Antworten auf Fragen finden will, die während seines Berufsleben auftraten, ihn aber auch privat beschäftigten – sein Bruder verstarb nach langer Alkoholkrankheit.

Fragen, die für ihn in der Antwort, im Auftrag münden, der Herr im eigenen Körper zu sein, sich nicht von fremden Botenstoffen in Parallelwelten entführen zu lassen.

Womit er schon mitten im Thema ist. Wie funktionieren Drogen, was richten sie im Körper an, wie entstehen Abhängigkeiten und ab wann ist man süchtig? Fragen, auf die er mit seiner „Drogeneisenbahn“ Antworten gibt. Wobei diese Eisenbahn nichts mit gemütlicher Fortbewegung gemein hat – sie ist eine mitreißende Mulitmediashow, die den Betrachter von der ersten Minute an in ihren Bann zieht.

Stationen sind beispielsweise der Bio-Bahnhof, hier erfahren die Zuhörer alles über die Wirkung von Drogen im Körper, oder der Drogenbahnhof, er hält Informationen zu den Substanzen bereit, die man einnehmen kann oder den Infobahnhof, bei dem grundsätzliches Wissen über Drogen vermittelt wird. Mit Laptop und Beamer werden die Stationen angefahren, an jeder warten unzählige Links darauf, geklickt zu werden und ihr Wissen preiszugeben.

Diese packende Art der Präsentation erlaubt es Schulze, ohne erhobenen Zeigefinger auszukommen. Er spricht seine Zuhörer direkt an, nimmt sie mit auf der Fahrt der „Drogeneisenbahn“ – der Saal wird zum Wagon.

Cannabis und Alkohol

Und Schulze kann die Fahrt variieren, je nach Zielgruppe verschiedene Module ein- oder ausblenden. In Reilingen waren Schüler der achten und neunten Klassen mit ihren Eltern eingeladen. Für sie konzentrierte er sich auf legale Drogen, Alkohol und Tabak, auf Cannabis und Aufputschdrogen sowie auf die Abhängigkeit von Smartphones, sozialen Netzwerken oder Computerspielen.

Alle Module hat Schulze im Lauf der Jahre selbst erarbeitet. Informationen, Entertainment, Aha-Effekte und Mitmachstationen gibt es zuhauf, keinem im Saal wird es langweilig. Viel Wert legt Schulze auf die Information darüber, die Drogen im Körper wirken, welche biochemischen Prozesse sie auslösen. Diese Zusammenhänge zu erkennen, zu erahnen, irgendwann als Marionette an den Fäden der Drogen zu enden, sei die beste Prävention.

Rund eine Stunde dauert der Vortrag und dann wird es ernst – Schulze führt seine Zuhörer in einen Nebenraum, in dem er eine Ausstellung, „Kiffers Paradise“ aufgebaut hat. Anschauungsmaterial aus seiner langen beruflichen Zeit oder auch Material, dass ihm von Eltern zugetragen wurde. Auf jeden Fall Gegenstände, die dem Betrachter zeigen – der Mann weiß, wovon er spricht.

Harmlos geht es los mit Schnüffelstoffen – Lösungsmittel oder Deos tauchen hier auf, die Ahoi-Brause darf nicht fehlen, die dem Wodka Explosivität verleiht. Gleich daneben Schokoriegel mit Cannabis-Anteilen – für Schulze eine schlimme Form der Verharmlosung. Pfeifen und andere Kifferutensilien runden die Schau ab, die auch Erwachsenen zum Nachdenken bringen soll. Denn, so der Streiter wider die Drogen: Wer in Woodstock-Nostalgie alten Kifferträumen nachhängt, der hat die Realität verpasst. Shit sei heute um das Vierfache potenter, entsprechend höher Wirkung und Folgen.

„Flucht nach vorne“

Doch die eigentliche Intention ist für Schulze eine andere: „Ich trete die Flucht nach vorne an.“ Im Teenageralter, wenn sich die Kinder für Drogen zu interessieren beginnen, gelte es zu signalisieren, dass ist nicht besonderes, alles schon mal dagewesen. Den Drogen soll der Reiz des Neuen genommen werden, Informationen sollen darüber aufklären, auf was man sich einlässt, wenn man zu Drogen greift.

Schulze wird nicht müde in seiner Aufklärungsarbeit, in wenigen Monaten geht er in Rente, dann wird er richtig durchstarten. Ohnehin ist er in vielen Vereinen, die sich der Prävention verschrieben haben, aktiv, doch dann wird seine „Drogeneinsenbahn“ noch einmal einen Zahn zulegen. Denn, merkte er an, seine Buchungsquote steigt immer weiter.

In der Schillerschule war er auf Einladung der Schulsozialarbeit und beeindruckt mit seiner Show nachdrücklich – auch Schulsozialarbeiterin Katrin Huchatz. Sie freut sich, dass der Freundeskreis der Schule die Kosten dafür übernommen hat.

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