Reilingen

Nachruf Im Alter von 93 Jahren verstirbt Siegfried von Sagunski / Als Conférencier geschätzt und beliebt / Über sechs Jahrzehnte war er freier Mitarbeiter unserer Zeitung

Er war Chronist und Gestalter des örtlichen Lebens

Reilingen.Reilingen ist um eine geschätzte Persönlichkeit ärmer: Siegfried von Sagunski ist tot. Am Abend des Dienstags durfte er still und friedlich im fürsorglichen familiären Kreis einschlafen. 93 Lebensjahre waren dem stets agilen Mann vergönnt, langsam hatten nach und nach seine Kräfte nachgelassen.

Der stets humorvolle Siegfried von Sagunski würde über diese Feststellung schmunzeln: Er gehörte jahrzehntelang zum kulturellen und geselligen Leben Reilingens wie der legendäre Hase ins Gemeindewappen, Siegfried von Sagunski war zu einem „Reilinger des Herzens“ geworden. Dabei wurde er nicht in der Kurpfalz geboren, sondern in der Stadt Köslin in Pommern.

Lebensweg vom Krieg durchkreuzt

Siegfried von Sagunski gehörte zu den Generationen, deren Lebensplan durch die Weltgeschichte, durch den Zweiten Weltkrieg, völlig durcheinandergewirbelt wurde. Nach dem Besuch des Gymnasiums in seiner Heimat Pommern hatte er seine Ausbildung an der Lehrerbildungsanstalt begonnen. Doch statt Unterricht halten zu können, musste er in den Krieg ziehen, eine Rückkehr in die Heimat gab es nicht mehr, seine Mutter und seine Schwester waren beim Einmarsch der Truppen in seiner Heimatstadt ums Leben gekommen, auch der Vater konnte nicht mehr zurückkehren und starb bald darauf.

Siegfried von Sagunski kam nach der Gefangenschaft in Norwegen über Bremerhaven schließlich nach Mannheim, heimatlos und ohne Perspektive. Optimismus war stets ein Charakterzug von Siegfried von Sagunski, er besann sich auf sich selbst, seine Schaffenskraft und sein Wille, nach vorn zu blicken und anzupacken, ließen ihm gar keine Zeit, mit dem Schicksal zu hadern.

„Bei der Bahn“ erhielt er die Möglichkeit zu arbeiten. Augenzwinkernd freute er sich später rückblickend, dass er „vom Lokputzer schließlich in den gehobenen Verwaltungsdienst der Bahn gekommen war“ und 1987 als Diplom-Verwaltungsbetriebswirt in Pension ging.

In Hockenheim hatte er ein kleines Zimmer gefunden, hier lernte er seine Frau kennen und an einem kalten Februartag 1949 heirateten Marie und Siegfried von Sagunski und zogen schon bald danach in das renovierte Elternhaus in Reilingen. Hier fühlte man sich wohl und Siegfried von Sagunski prägte das Ortsleben mit, er war Mitbegründer des Tennisvereins und aufgrund seiner Eloquenz wählte ihn der neu gegründete Karnevalverein „Käskuche“ zum Sitzungspräsidenten. Mit seinen Ideen kamen die „Käskuchen“ schnell zur Blüte, die von ihm gegründete und erfolgreiche Garde trainierte er selbst über ein Jahrzehnt. Er stand auf den Bühnen in der gesamten Region, bei den früher aktuellen „Bunten Abenden“ und ähnlichen Unterhaltungsveranstaltungen war er gerngesehener und gehörter Conférencier, wie die Moderatoren damals genannt wurden. Aufgrund seiner Musikalität erntete er viel Applaus als Bänkelsänger und Stehgeiger, seine Auftritte als Schnellzeichner bleiben legendär.

Fotografie zum Hobby gemacht

Bekannt wurde Siegfried von Sagunski auch durch ein weiteres Hobby: die Fotografie. Sein Vater Otto hatte ihm, als er zwölf Jahre alt war, eine Agfa-Box unter den Weihnachtsbaum gelegt. In Reilingen gehörte er zu den ersten, die eine ausgezeichnete Fotoausrüstung besaßen und so war es selbstverständlich, dass man zu vielen Familienfesten und Jubiläen „den Sagunski“ holte, unvergessliche Aufnahmen finden sich in einer Vielzahl von Familienalben.

Der damalige Chefredakteur unserer Zeitung, Oswald Zenkner, hatte Sagunskis Talent erkannt, er wurde zum freien Mitarbeiter, den Bildern folgten bald Texte, denn auch das Schreiben machte von Sagunski Spaß. Über sechs Jahrzehnte gehörte „svs“ zum Stamm der freien Mitarbeiter dieser Zeitung, absolut zuverlässig, stets ideenreich und engagiert.

Trotz seiner ruhigen, herzlichen und humorvollen Art hielt er niemals mit seiner Meinung hinter dem Berg, sprach auch offen, aber niemals verletzend, seine Kritik aus. Auf sein Urteil legte man Wert, er war ein geschätzter Gesprächspartner.

Vor sechs Jahren verstarb seine Ehefrau Marie, in den Jahren ihrer Krankheit hatte er sämtliche Haushaltsaufgaben übernommen ohne seine sonstigen Aktivitäten ganz zu vernachlässigen. Die moderne Technik rund um die Fotografie und die vielen sich daraus ergebenden Möglichkeiten hatten ihn bis ins hohe Alter fasziniert.

Sein freundliches offenes Wesen, zu dem sein fröhliches Lächeln und sein herzhaftes Lachen gehörten, sein oftmals auch verschmitzter Humor werden ebenso fehlen wie seine Ideen und seine Begeisterungsfähigkeit, die für viele ansteckend war. Dies alles ergab, zusammengefasst, auch ein „Leben für Reilingen“, das in dankbarem Rückblick unvergessen bleiben wird.

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