Reilingen

St. Wendelin Benediktinermönch Anselm Grün spricht zum Thema „Versäume nicht Dein Leben“ / Dankbarkeit und Selbstliebe als wichtige Tugenden

Hoffnung schöpfen und die Chance ergreifen

Reilingen.In einer schnellen und oft auch lauten Welt brauchen viele ab uns an leise und einfühlsame Worte die ihnen zeigen, dass sie etwas Besonderes sind und dass sie es nicht allen recht machen und allen gefallen müssen. Wie wichtig diese Worte sind und, dass sie Menschen in jedem Alter ansprechen und brauchen, zeigte sich in Reilingen, als rund 550 Besucher in die katholische St.-Wendelinskirche kamen, um Pater Anselm Grün zu hören und zu sehen.

„Versäume nicht Dein Leben“ war das Thema des Abends. Damit wollte er niemandem sagen, was er tun muss, sonder er gab Hoffnung, sich selbst anzunehmen. Nicht Zuschauer im eigenen Leben sein, sondern dieses selbst in die Hand zu nehmen. Oft könne einem dies jedoch entgleiten, zum Beispiel wenn man nur das tue was andere von einem erwarten, oder aus Angst etwas zu versäumen. „Heute haben wir zu viel, von dem wir leben, aber zu wenig, wofür wir leben“, sagte der Pater aus der Benediktiner-Abtei in Münsterschwarzach und ließ den Zuhörern einen Moment Zeit, um den Satz auf sich wirken zu lassen. Und genau auf dieses Wirkenlassen wollte er auch hinaus. Nicht immer über alles nachdenken, sich stressen dabei, sondern einfach das tun, was einem guttut.

Immer wieder griff er Beispiele mitten aus dem Leben auf und das leise Schmunzeln aus den Kirchenbänken zeigte, dass jeder genau solch eine Situation kannte. So berichte er, dass eine Frau durch eine Einladung zum Geburtstag in höchsten Stress versetzte wurde, weil ihre Gedanken mit Aussprache der Einladung sofort zu rasen begannen. Was ziehe ich an? Was schenke ich? Wird es den anderen gefallen?

Erreichtes würdigen

„Mach dir nicht zu viele Gedanken, sondern tu, was du magst. Streck Deine Hand aus und nimm Dein Leben in die Hand“, riet Anselm Grün dazu. Für ihn steht die Verwandlung viel höher als die Veränderung: „Veränderung ist etwas aggressives, die Verwandlung ist besser. Hierbei beginnt man immer mehr man selbst zu werden. Aber das dauert und muss wachsen“.

Weiter ging er auch auf die Gedanken in der Lebensmitte ein, in der viele darüber nachdenken was sie erreicht haben oder hätten erreichen können. „Man muss betrauern, was man verpasst hat und würdigen, was man erreicht hat. Eine Versöhnung mit dem Leben und der Zuversicht.“ Dazu gehöre auch, sich Abschieden, Trauer und Ängsten zu stellen. „Die christliche Antwort auf Angst ist die Hoffnung, eine göttliche Tugend die uns Mut schenkt und solange ich atme, hoffe ich.“

Seine tiefgehenden Worte, verbunden mit der ruhigen und angenehmen Stimme des 74-jährigen Paters, erreichten in der vollen Kirche nicht nur die Ohren der Gäste, sondern auch deren Herzen. Der große und lange Applaus am Ende seiner Ausführungen zeigte die Begeisterung der Menschen die aus nah und fern angereisten waren. Diese kamen auch noch in den Genuss eines Abendsegens und eines 1600 Jahre alten Gebets, das Anselm Grün sprach. Hierbei rief er dazu auf, die Hände geöffnet vor den Körper zu halten und wünschte allen, die Lust des Lebens in die Hand zu nehmen. Er gab den Gästen auch mit auf den Weg, dass es wichtig sei, am Abend dankbar zu sein.

„Käskuche“ als Erinnerung

Dankbar war auch das katholische Bildungswerk, dass der herzliche Pater ihrer Einladung gefolgt war und in die Reilinger Kirche kam. Mit derselben Freude, wie ihn Verena Seidelmann begrüßte, verabschiedet ihn auch Annemarie Assmann. Auch Bürgermeister Stefan Weisbrod war es ein Wichtiges, Anselm Grün für seinen Besuch zu danken und er sagte: „Es ist eine hohe Auszeichnung für Reilingen, dass sie bereits zum dritten Mal in unsere Gemeinde gekommen sind.“ Und Weisbrod zeigte, dass er aufgepasst hatte, denn er ist voller Hoffnung, dass Pater Anselm wieder in die Spargelgemeinde kommt und überreichte ihm einen echten Reilinger „Käskuche“.

Nachdem das Ensemble von „La Banda Barroca“ vor Beginn musikalisch auf den Abend einstimmte, konnte man diesen an einem Büchertisch ausklingen lassen und sich seine ganz persönliche Widmung bei Anselm Grün abholen. Bei einer Tasse Glühwein oder Punsch, den die Ministranten ausschenkten, war zudem die Gelegenheit, sich noch einmal über diesen tiefgehenden Abend auszutauschen.

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