Reilingen

Biodiversität Landwirt Jürgen Schell setzt in Kooperation mit Kraichgau-Korn auf Artenschutz bei der Bestellung seiner Felder / Verzicht auf Herbizide

Hummeln und Bienen laben sich an Ackerkräutern

Archivartikel

Reilingen.Weithin leuchten sie wieder, die bunten Getreidefelder der Marktgemeinschaft Kraichgau-Korn. Wenige Wochen vor der Ernte durchstreifen Biologen des Institutes für Agrarökologie und Biodiversität (IFAB) diese Äcker, heißt es in einer Pressemitteilung.

Gesucht werden Ackerwildkräuter und Insekten aller Art. Während Mohn, Kornblume und Kamille schon vom Feldrand auszumachen sind, zwingen die kleinen unscheinbaren Arten wie Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht und Spörgel den Biologen Johannes Mangerich auf die Knie. Zahlreiche Arten gilt es dabei zu differenzieren. Allein bei der Gattung Ehrenpreis gibt es zehn verschiedene Arten.

Nahrung schon ab März

Der seltene Finger-Ehrenpreis gedeiht auf den Roggenfeldern von Jürgen Schell aus Reilingen. Er gehört, wie auch Saat- und Sandmohn, zu den Pflanzen der standorttypischen Sandmohngesellschaft. Ebenso finden sich Storchschnabel, Reiherschnabel, Rittersporn und Krummhals auf dem Roggenacker, der in etwa dreißig Ackerwildkrautarten Lebensraum bietet. Durch das Angebot von Pollen und Nektar profitieren unzählige Insekten. „Schon im März finden Hummeln Nahrung an der Taubnessel“ verdeutlicht Landwirt Jürgen Schell die Wichtigkeit auch der ganz kleinen Kräuter.

„Die aufwendige wissenschaftliche Dokumentation ist Grundlagenforschung und dient gleichzeitig als Beleg der schonenden Arbeitsweise unserer Bauern“, erklärt Roland Waldi, der Vorsitzende von Kraichgau-Korn das Monitoring. „Landesweit sieht man Felder mit Blühmischungen, diese Insellösungen sind jedoch bei Weitem nicht ausreichend. Wir gehen einen Schritt weiter: Ziel ist Artenreichtum in der ganzen Gemarkung. Erst wenn die gesamte Flur Lebensraum bietet, können Insekten wandern und sich neue Refugien erschließen. Die Durchmischung der Genetik ist enorm wichtig für die Erhaltung einer Population“, so Waldi .

Verbraucher sind gefordert

„Seit dreißig Jahren bietet unsere Marktgemeinschaft Kraichgau-Korn das, was das Volksbegehren letztes Jahr forderte: Herbizidverzicht. Wie unsere Erfahrung zeigt, wäre es möglich, im gesamten Landkreis ungespritztes Getreide zu erzeugen. In fast jedem Dorf gibt es Landwirte, die gerne auf Pestizide verzichten und nach den Kraichgau-Korn- Richtlinien wirtschaften möchten. Dringend benötigen wir die Hilfe der Verbraucher, die in ihrem Markt und beim Bäcker ihr Recht auf ungespritztes, lokal erzeugtes Mehl einfordern. Damit fördert jeder unmittelbar die Artenvielfalt am Wohnort und erhält Familienbetriebe der Region“, motiviert Waldi. zg

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