Reilingen

Rudi-Maier-Gedächtnisturnier Karnevalistischer Gardetanz ist Hochleistungssport / Qualifikation für deutsche Meisterschaften

Im Wirbel der Formationen

Archivartikel

Reilingen.Auf den Rängen herrscht dort, wo vor ein paar Minuten noch tosender Jubel war, angespannte Stimmung. Die Jury sitzt über ihren Bewertungsbögen und lässt sich Zeit mit Ihrer Entscheidung. Die TSG (Tanzsportgarde) Ettlingen hatte zuvor in Matrosenoutfits mit ihrem Tanz zum Titel „Fast alles im Griff“ die Bühne gerockt. Dann folgte die Entscheidung der Jury: Als ob ein Stein gefallen wäre, bekommen die Tänzer jetzt lobenden Applaus. Die Juroren bewerten den Tanz mit Punktzahlen zwischen 80 und 90. Insgesamt ertanzt sich die Gruppe 408 Punkte.

Auf dem 42. Rudi-Maier-Gedächtnisturnier in den Fritz-Mannherz-Hallen war am Wochenende einiges los. Die Saison hat für die Gardetänzer gerade erst begonnen, im März stehen in Braunschweig die deutschen Meisterschaften im karnevalistischen Tanzsport an. Zu dessen Halbfinale konnten sich die Teilnehmer bei entsprechend guter Leistung in Reilingen qualifizieren.

Die Veranstaltung ist eine, bei der Teilnehmer und Jury aus dem ganzen Bundesgebiet kommen. Bei den Tänzern waren dieses Jahr neben Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen auch ungewöhnlich viele Saarländer vertreten.

Schweiß und Herzblut

Aber ganz so locker wie es den Anschein hat, war es dann doch nicht. Laurence Quirin vom Tanzturnierausschuss erklärt auf was es ankommt: „Der Gardetanz ist ein Hochleistungssport mit vielen Vereinen. Die Aktiven investieren eine Menge Zeit und Herzblut in ihr Hobby. Um da wirklich die Besten rausfiltern zu können, muss es natürlich Regeln geben.“ Bei Verstößen, wie es auch am Wochenende einen gab, wird der Trainer informiert, damit er es ändern kann. Öffentlich bloßgestellt wird niemand. In solchen Fällen gibt es keine Bewertung.

Petra Rieger, ebenfalls vom Tanzturnierausschuss gab Eindrücke über die Beliebtheit dieses Sports: „Bei Meisterschaften füllen wir große Hallen mit Besucheranzahlen von über 7000 pro Tag wie 2016 in Karlsruhe. Ich kenne keinen anderen Sport, bei dem das so ist. Das deutet sich ja schon hier im relativ kleinen Rahmen an. Die Halle war an beiden Veranstaltungstagen von Beginn an gut gefüllt.“

Bundesweit meiste Meldungen

Neben dem von den „Käsekuchen“ ausgerichteten Turnier in Reilingen, gibt es auch andere Ausrichter. Turnierleiter Bernd Biedermann kann aber mit Stolz verkünden: „Von allen Turnieren in Deutschland hatten wir dieses Jahr die meisten Anmeldungen.“ „Leider“, so betont er weiter „ist auch unser Kontingent irgendwann ausgeschöpft.“ Obwohl die Fritz-Mannherz-Hallen reichlich Platz bieten, sind maximal 120 Starter pro Tag möglich. Der Rest landet auf einer Warteliste und rückt nach, wenn Gruppen oder Tänzer zum Beispiel wegen Krankheit absagen müssen.

Auch dieses Jahr blieb kaum ein Platz in der Turnierhalle leer. Die Sitzplätze waren weitestgehend ausverkauft. Auf den Rängen war ebenfalls meist alles besetzt. Fans und Familien der Teilnehmer sind teilweise sogar mit Plakaten angereist und hatten diese gut sichtbar aufgehängt. Der Erfolg des Turniers lässt sich der Meinung vieler Beteiligten nach nur auf eines zurückführen: auf die Organisation.

Seit dem 1. Juli konnten sich Teilnehmer anmelden. Das heißt für die Organisatoren gleichzeitig ab diesem Zeitpunkt Stress pur. Biedermann gewährte unserer Zeitung Einblicke: „Wir machen hier alles selbst. Von den Karten über das Essen bis hin zur Betreuung der Teilnehmer. Das bedeutet an den Tagen des Turniers ein drei Schichten-System. Insgesamt sind pro Veranstaltungstag über 90 ehrenamtliche Helfer im Einsatz.“

Ebenfalls ist an den Räumlichkeiten besonders hervorzuheben, dass die 16 Meter breite und neun Meter tiefe Bühne ungewöhnlich weiträumig ist. Dadurch können auch große Formationen ohne Platzmangel teilnehmen. Für jeden Verein gibt es zudem eine eigene Kabine und die Bewirtung wird nur über die „Käsekuchen“ durchgeführt. „Für den Verein ist das jedes Mal eine riesen Aktion. Wir sind ein eingespieltes Team und freuen uns, dass wir solch ein Turnier ausrichten dürfen.

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