Reilingen

Geschäftsleben Insgesamt 4077 Lenze kommen zu Kaffeekränzchen und Sport im Sport-Fit-Studio vorbei / Mehr als 70 über 80-Jährige trainieren dort regelmäßig

„In einem halben Jahr spielt sie wieder Tennis“

Reilingen.Eine der Seniorinnen in der lockeren Runde bringt es auf den Punkt: „Turnen bis zur Urne“. Zwar etwas salopp formuliert, aber in der Sache absolut richtig. Zusammengefunden hat sich die Gruppe im Foyer des Top-Fit-Studios, dessen Chef Frank Wörner etwas Werbung machen wollte. Nicht in eigener Sache, sondern für die Botschaft, dass Bewegung, dass Sport in jedem Alter von Bedeutung ist. Um dies zu unterstreichen, hatte Wörner die Idee, eine Gruppe von über 80-Jährigen vorzustellen, die sich regelmäßig fit hält. Beim Blick in die Kundenkartei wurde ihm jedoch klar, dass es so einfach nicht sein wird: Allein in Reilingen sind es über 70 Personen in der „Ü 80“-Altersklasse. Flugs hat er aus der Not eine Tugend gemacht und allesamt zur morgendlichen Kaffeerunde, bei der auch das obligatorische Glas Sekt nicht fehlen darf, eingeladen.

Ein Treffen, das sich Bürgermeister Stefan Weisbrod nicht entgehen lassen wollte. „Wer weiß, wie der Hase läuft, der bleibt fit“, betonte er mit Anspielung auf das Wappen der Gemeinde, die mit dem gleichen Motto für sich wirbt. Und ganz besonders freute den Rathauschef, dass sich auch einige Senioren aus der benachbarten Rennstadt im Dorf fit halten.

Vorbeugung gegen Osteoporose

Das Training mit den Senioren steht laut Wörner unter der Überschrift „Fit für die 100“. Speziell für die älteren Mitglieder gibt es Angebote zur Vorbeugung gegen Osteoporose, zur Stärkung der Wirbelsäule, für Herzsport oder Physiotherapie. Letzteres erlaubt es, schon kurz nach Operationen, begleitet von der entsprechenden Behandlung, ins Training einsteigen zu können.

Dann gibt es jede Menge Kurse, in denen die Senioren an ihrer Beweglichkeit arbeiten können, ihren Gleichgewichtssinn stärken, Sturzprophylaxe betreiben, den Beine-Po-Bereich stärken oder sich beim Zumba verausgaben.

Ob man mit der Bewegung älter wird, mag dahingestellt sein, auf jeden Fall bleibt man beweglicher, fitter und geistig reger. Was das Kaffeekränzchen bei Top-Fit unterstrich, zu dem Wörner insgesamt 4077 Jahre begrüßen konnte. Denn auch beim Sport darf die Geselligkeit nicht zu kurz kommen, wird das soziale Miteinander gepflegt.

Viele blühen auf

„Und der innere Schweinehund bekämpft“, wie Christian Baehr schmunzelnd anmerkt. Der 86-Jährige ist jeden Tag im Studio, macht so gut wie alle Kurse mit und hält viel vom Sport in der Gruppe. Wer alleine trainiert, dem fehle der Druck, sodass er es bald schleifen lasse. Er selbst war sein Leben lang auf den Beinen, wie er betont, da wollte er im Rentenalter nicht Däumchen drehen und so ist er seit Jahren Stammgast bei Top-Fit. Zulasten der Rentenkasse, wie er schmunzelt. Dafür werde auf der anderen Seite die Krankenkasse entlastet – „es hält sich die Waage“. Physiotherapeut Jürgen Hofstätter, seit 27 Jahren im Haus, trainiert regelmäßig mit den Senioren und ist begeistert, wie viele von ihnen aufblühen, wenn sie erstmal mit dem Sport begonnen haben.

Beispielsweise der 83-Jährige, der sich im Winterhalbjahr hier fit hält, ansonsten mit seinem Rennrad unterwegs ist. Heuer kam er nicht so oft in den Sattel, legte nur 10 000 Kilometer zurück. Oder die 93-Jährige, die keine Übungseinheit versäumt. Oder die 89-Jährige, die nach einem Oberschenkelhalsbruch zu ihm kam und wissen wollte, ob sie noch Sport machen könne. Seit drei Wochen ist sie nun im Training und Hofstätter ist sicher – „in einem halben Jahr spielt sie wieder Tennis“.

Weshalb es der Trainer jedem Menschen rät, regelmäßig Sport zu treiben und im Alter auf keinen Fall nachzulassen.

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