Reilingen

Hockenheimer Straße Nach 16 Monaten Bauzeit wird die sanierte Hauptverkehrsader mit einem kleinen Fest eingeweiht

„Jahrhundertprojekt“ erreicht Ziellinie

Archivartikel

Reilingen.„Wäre heute der Heilige Abend, wären wir im Zeitplan“, konnte sich Bürgermeister Stefan Weisbrod bei der offiziellen Übergabe der Hockenheimer Straße nach deren 16-monatiger Sanierung einen kleinen Stoßseufzer nicht verkneifen. Und dass die Straße mit einem historischen Gefährt, einer Draisine, eingeweiht wurde, steht kaum im Zusammenhang mit der Bauzeit, deren Ansatz um gut ein halbes Jahr überschritten wurde.

Doch auf wenn die Bauzeit für die Anwohner gefühlt ewig währte, Projektleiter Arno König hatte für die Anwohner eine alternative Sicht parat: 18 Monate war der Durchgangsverkehr ausgesperrt, nun rollt er wieder durch die Hauptverkehrsachse der Gemeinde. Da sehne man vielleicht die Ruhe der Bauzeit zurück.

Ansonsten spielte die Überschreitung des gesetzten Zeitrahmens bei der feierlichen Übergabe der sanierten Straße an die Bevölkerung, die vom Blasquartett des Musikvereins Harmonie unter der Leitung von Peter Ehringer schwungvoll untermalt wurde, keine Rolle. Zumal in den Redebeiträgen deutlich gemacht wurde, dass die Verzögerung durchaus ihre Gründe hatte.

Nach der langen Bauzeit wollte Bürgermeister Stefan Weisbrod die Straße nicht sang- und klanglos dem Verkehr überlassen, ohne den Anwohnern für ihre Geduld und die Erschwernisse, die sie zu tragen hatten, zu danken. Zwar hat mittlerweile das Coronavirus seinen Einzug im Land gehalten, doch mit den erforderlichen Vorkehrungen ließ sich die kleine Feier durchaus bewerkstelligen. „Mit Abstand sind wir die Größten“, brachte Weisbrod das Corona-Motto der Gemeinde auf den Punkt.

Reibungslose Zusammenarbeit

Besonders freute sich Weisbrod neben Vertretern der am Bau beteiligten Firmen – jede hat sich auf eine Person beschränkt – die beiden Ehrenbürger Philipp Bickle und Helmut Müller, „ein Kind der Hockenheimer Straße“, begrüßen zu dürfen. Sie wohnten, zusammen mit den Anwohnern der Straße, der Fertigstellung des „Jahrhundertstraßenprojekts“ bei.

Rund 2,5 Millionen Euro hat die Gemeinde in die Sanierung investiert, rechnete Weisbrod vor. Für das Geld wurden rund 530 Meter neue Hauptwasserleitung verlegt, 69 Hauswasseranschlüsse saniert, 640 Meter Leerrohr und 570 Meter Glasfaserleitungen verlegt. Insgesamt wurden 1200 Quadratmeter Gehweg, 2300 Quadratmeter Pflaster und 4200 Quadratmeter Asphaltfläche hergestellt, um nur die größten Arbeiten zu nennen. Sichtbarste Zeichen der vorgenommenen Arbeiten sind die vier barrierefrei gestalteten Bushaltestellen und die 32 gepflanzten Spalier-Linden, die für frisches Grün in der Straße sorgen.

Weisbrod nutzte die Gelegenheit, seiner Bauamtsleiterin Ramona Drexler, Polier Armin Helm, den ausführenden Firmen Gärten (Straßenbau), Thome (Gartengestaltung) und Erles Umweltservice (Kanalsanierung) sowie den Planern Spang, Fischer und Natzschka (Landschaftsbau), Willaredt Ingenieure (Kanal) sowie König (Projektleiter) zu danken. Und ein großes Lob gab es für den Gemeinderat, der sich als sehr mutig erwiesen habe, als er die Arbeiten in die Wege leitete – „vorherige Generationen haben diesen nicht bewiesen, sich viele Jahrzehnte nicht an die Straße herangetraut“.

Was mit ein Grund für die Verzögerungen war, denn der Lauf der Jahre hatte dafür gesorgt, dass die Zahl der zu erneuernden Hausanschlüsse höher war als geplant, was den avisierten Zeitraum um das dreifache überschritt.

Projektleiter Arno König nutzte die Gelegenheit, um ein Gerücht aus dem Weg zu räumen: Der Kanal ist komplett neu. Vielfach sei die Rede davon gewesen, er sei „nur“ saniert worden. Was wohl am gewählten Inlinerverfahren liegt: Der alte Kanal wurde nicht ausgegraben und durch einen neuen ersetzt, sondern in ihn – er ist breit genug – wurde der neue Kanal hineinverlegt. Dadurch musste die Straße nicht überall geöffnet werden und wurden Erdarbeiten und Erdaushub eingespart, was sich in geringeren Deponiekosten niederschlägt. Auch Weisbrod räumt mit einem Gerücht auf: Die Straße ist nicht schmäler geworden, sie sei genauso breit wie zuvor.

Dann hatte der Verein der Freunde Reilinger Geschichte das Wort: Mit einer kleinen Szene aus dem Kaiserreich überbrachte Oberpolizeidiener Fritz Anselment die Urkunde der Wiedereröffnung der Straße, und Philipp Bickle erinnerte als Baron von Finkenstein an die Anfänge der Straße, die eigentlich „Sauerkrautgasse“ hätte heißen sollen, ein Synonym für ihre jetzigen Namen. Timo Bickle durfte dann mit der Draisine eine Runde auf dem frisch sanierten Asphalt drehen, bevor die Straße mit heißen Würsten und kühlen Getränke gefeiert wurde.

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