Reilingen

Was kommt auf den Tisch (6) In den Fritz-Mannherz-Hallen wird frisch gekocht / 320 Portionen verlassen in Schulzeiten täglich die Küche

Kinderlob als schönster Lohn für Köchinnen

Archivartikel

Reilingen.Es ist ein herzlicher Umgang, den Sven Seiler, Leiter der kommunalen Betreuung, und die drei Küchenfeen, wie sie sich selbst nennen, pflegen. In der Küche der Fritz-Mannherz-Hallen kochen sie für die Schüler, die nebenan an der Friedrich-von-Schiller-Gemeinschaftsschule am Ganztagesunterricht teilnehmen. Dazu werden der Oberlin-Kindergarten und das Haus der kleinen Hasen beliefert. Jeden Tag verlassen insgesamt 320 Portionen die Küche von Susanne Ziegler, Antje Harbrecht und Mercedes Dambrowski. Und es werden noch mehr, schließlich soll der Kindergarten erweitert werden.

Dass hier im Zuge der kommunalen Betreuung täglich selbst gekocht wird, ist ein Ideal, von dem Eltern anderer Einrichtungen nur träumen können. „Das ist etwas, das sich Reilingen leistet, um Familien anzusprechen“, sagt Seiler, froh über die Entscheidung der Gemeindeverwaltung, diesen Dienst selbst zu organisieren, der aus der Unzufriedenheit mit externen Caterern entstanden ist. „Das Essen stand nach der Lieferung zu lange in Warmhalteboxen herum und garte weiter. Das ging auf Kosten der Qualität und des Geschmacks“, sagt der gelernte Jugend- und Heimerzieher und weist auf die Vorteile der eigenen Zubereitung hin. Da sind zum einen die kurzen Wege – vom Herd direkt auf den Tisch. Die Schüler essen in drei Speisesälen in den Fritz-Mannherz-Hallen, wo sie sich selbst am Buffet bedienen. Und auch Kita und Kindergarten sind in wenigen Minuten zu erreichen, so dass lange Transportwege und Warmhaltezeiten, wie bei externen Caterern üblich, entfallen.

Zum anderen stehen die Mitarbeiter der kommunalen Betreuung immer im Gespräch mit den Kindern, die selbst einen Blick in die Küche werfen können. „Wenn sie berichten, dass es gut geschmeckt hat, ist das der schönste Lohn“, berichten die Köchinnen, die von einem Praktikanten und einem Bundesfreiwilligen, „Bufdi“ genannt, unterstützt werden.

Salat wird gerne gegessen

Um 8 Uhr beginnt der Arbeitstag. Dann werden zunächst die Flächen gereinigt und desinfiziert. Denn die Küche der Fritz-Mannherz-Hallen steht auf Anfrage auch für andere Zwecke offen. „Wir können nicht ausschließlich, dass die Flächen am Abend verschmutzt werden“, sagt Seiler und beugt deshalb vor.

Gekocht wird hier ausgewogen. Und zum Essen gibt es Salat – fein getrennt in verschiedenen Behältern, damit die Kinder ihn sich selbst zusammenstellen können. „Seitdem wir nicht mehr alles in einer Schüssel anbieten, essen die Kinder viel mehr Salat“, erklärt Seiler, der damit auf einen Wunsch der Kinder einging.

Generell versucht das Team, auch hin und wieder die weniger gesunden Lieblingsspeisen auf den Tisch zu bringen. „Hier gibt es auch Fischstäbchen und Pommes“, erzählt Seiler und weist ebenso auf die Hamburger mit selbst gemachten Patties hin. Die Lebensmittel werden – sofern das möglich ist – direkt aus dem Ort bezogen. Das Fleisch stammt von lokalen Metzgern. „Schweinefleisch bereiten wir überhaupt nicht zu. Dadurch sparen wir uns ein zweites Essen, wenn Kinder aus Glaubensgründen kein Schwein essen dürfen“, erklärt der Leiter der kommunalen Betreuung. Das Obst liefert Landwirt Klaus Schröder, die Familie Großhans sorgt zum Beispiel für die Karotten. Wie sieht es dabei mit Bioprodukten aus? „Einen Biobauern haben wir nicht vor Ort. Wenn wir nur Bioprodukte verwenden würden, wäre das ein extremer Aufwand. Daher probieren wir, unsere Sachen aus dem Ort zu beziehen“, erklärt Seiler. 70 Euro kostet das Mittagessen im Monat. Werkreal- und Halbtagsschüler zahlen 56 Euro, da sie nur vier Tage vor Ort speisen.

Speisen in Gemeinschaft

Gegessen wird in der Gemeinschaft mit den Betreuern. Dabei sind die Kinder angehalten, nur so viel auf den eigenen Teller zu laden, wie sie verspeisen können. „Nachnehmen geht immer, aber wir wollen so wenig Essen wie möglich in den Müll werfen.“ Die Betreuer haben ein Auge darauf und regen das Kind zum Nachdenken an, sollte die zweite Portion doch nicht im Magen landen. Schließlich dürfen Lebensmittel, die die Küche verlassen, aus Hygienegründen nicht mehr weiterverwendet oder aufbewahrt werden. Zu trinken gibt es Wasser aus Karaffen, die die Kinder beim Tischwechsel selbst in der Küche auffüllen. Das fördert die Selbstständigkeit.

Von jedem Essen wird im Anschluss eine Probe genommen und 14 Tage lang eingefroren – das ist Pflicht, und dient zur Not auch als Nachweis der Hygiene, sollte es bei mehreren Schülern und Kindern zu gesundheitlichen Problemen kommen.

Ein Nachteil ist derzeit, dass nicht alle Essensräume an der Küche liegen. So essen die älteren Schüler auf der gegenüberliegenden Seite der Sporthalle. Mit der Erweiterung der Friedrich-von-Schiller-Schule, der einen Neubau mit Mensa und zwölf Klassenräumen vorsieht, wird sich das ändern. Speisesaal und Betreuungsräume liegen dann direkt an der Mensa. „Damit können wir unsere Stärke weiter ausbauen“, sagt Seiler. Und die Küchenfeen bringen es auf dem Punkt: „Unser Vorteil ist, dass wir hier frisch kochen. Es ist handgemacht – und einfach mit Liebe zubereitet.“ cat

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