Reilingen

Jahresrückblick Ausbau der Kinderbetreuung bleibt Dauerthema / Schiller-Schule wird zur Gemeinschaftsschule / Steigende Einwohnerzahlen

(Klapper-)Storch wird zum Wappentier

Archivartikel

Reilingen.Wie war das Jahr? Eine gewichtige Frage, die nicht nur in den Redaktionsstuben landauf, landab in der Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig mit Bedacht beantwortet werden will. Nein, vielerorts wird die Frage zwischen den Jahren, wenn es scheint, als stehe das Leben still, die Arbeit ruht und sich Besinnlichkeit wie eine Decke über dem Land ausbreitet, gedreht und gewendet, auf die richtige Antwort hin abgeklopft.

Immerhin will man dem Jahr ja gerecht werden, ihm eine Bezeichnung verleihen, unter der es sich wiederfindet. Innehalten, Rekordhöhe, Atemholen oder Jahr des Booms sind dabei Begriff, die immer wieder der Katalogisierung dienen. Doch in welche Schublade soll das vergangene Jahr der Gemeinde gesteckt werden?

Gemeindeschiff hält Kurs

Es war ein normales Jahr. Besser kann man es wohl nicht ausdrücken. Kein Ausreißer nach oben, keine großen Katastrophen, normal eben. Allerdings nur dann, wenn man es an seinen Vorgängern misst. Und dies waren Jahre, in denen das Gemeindeschiff kräftig Fahrt aufgenommen hat. Bauland wurde erschlossen, Häuser schossen wie Pilze aus dem Boden, alte Bausubstanz wurde von neuer abgelöst und die Bevölkerungszahlen zeigten nach oben, was nicht zuletzt im Ausbau der Kinderbetreuung seinen Niederschlag fand.

Vor diesem Hintergrund – ja, ein normales Jahr. Im Gebiet „Herten II“ ging der Bau-Boom ungebrochen seiner Wege, das Baugebiet „Am Rathaus“, ein Filetstück im Herzen der Gemeinde, war schneller mit Kränen bestückt, als das Auge schauen kann und selbst im seit Jahren ruhenden Gebiet an der Nachtwaid wurde damit begonnen, die letzten Baulücken zu schließen. Von den kommunalen Bauten ganz zu schweigen.

Auch wenn das Gemeindeschiff unbeirrt seinen Kurs beibehielt, es im Gewässer der Normalität unterwegs war, zwei wichtige Wegmarken wurden dennoch genommen, die fast schon sinnbildlich für das Leben schlechthin stehen: Mit dem „Haus der kleinen Hasen“ wurde im Bereich der kommunalen Kinderbetreuung ein Meilenstein gesetzt und der Spatenstich für das Seniorenzentrum soll den älteren Bürgern der Gemeinde die Gewissheit verleihen, künftig den Lebensabend auch dann im Ort verbringen zu können, wenn die Gesundheit ein höheres Maß an Zuwendung erfordert.

Zwei Wegmarken, die deutlich machen, dass das Leben Anfang und Ende hat, die Daseinsvorsorge der Gemeinde nicht nur die Kinder im Auge hat, auch wenn diese momentan den Löwenanteil der kommunalen Aufmerksamkeit erhalten. Natürlich ragt dabei das „Haus der kleinen Hasen“ heraus - rund drei Millionen Euro an Investitionen sprechen eine deutliche Sprache.

Mit 70 Kindern in fünf Gruppen ist das Haus mittlerweile, gut ein halbes Jahr nach der Eröffnung, an seinem Limit und schon werden im Rathaus Überlegungen angestellt, wie neue Betreuungsplätze geschaffen werden können. Das ganz erinnert ein bisschen an eine alte Geschichte – wo immer auch der Hase Betreuung hinkommt, der Igel Nachwuchs ist ihm eine Länge voraus.

Wobei es, wie an dieser Stelle betont werden muss, keinen Sinn gemacht hätte, die neue Kindertagesstätte von vornherein größer zu dimensionieren. Quantität ist bei der Betreuung nicht das Maß der Dinge, die Qualität muss stimmen.

Unterricht in neuer Form

Was in der Gemeinde wohl der Fall ist und so hat sich eine Dynamik entwickelt, die die Verwaltung noch einige Zeit auf Trab halten wird: Attraktive Angebote für junge Familien locken eben diese in die Neubaugebiete und sorgen dafür, dass der Nachwuchs nicht abebbt. Doch es sind nicht nur die Geburtenzahlen, die den Bedarf erhöhen, es sind auch die steigenden Anforderungen an die Betreuung. Die Zahl der Schließtage in den Kindertagesstätten sinkt, die Ganztagesbetreuung wird zunehmend zur Regel und erreicht nach Krippe und Kindergarten nun auch die Schulen.

Was diese wiederum vor neue Herausforderungen stellt, auf die an der Schiller-Schule mit der Transformation zur Gemeinschaftsschule die passende Antwort gefunden wurde. Mit dieser neuen Art des Lernens hat sich die Gemeinde innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft ein Alleinstellungsmerkmal verschafft, von dem sie in Zukunft profitieren will. Immerhin, die Gemeinschaftsschule mit ihrem gemeinsamen Lernen auf unterschiedlichen Niveaus hat ihren Preis, rund vier Millionen Euro muss die Gemeinde in Um- und Anbau investieren.

Herzstück dabei ist die neue Mensa. Schon jetzt wird an der Schule, die sich einer umfassenden kommunalen Betreuung rühmen darf, täglich frisches Essen gekocht, von dem auch die Kindergärten profitieren. Die kommunale Betreuung ist eine wichtige Ergänzung zur Ganztagsschule und hält den berufstätigen Erziehungsberechtigten den Rücken frei.

Die Dynamik dieser Entwicklung aus attraktiver Kinderbetreuung bis hinein in den schulischen Bereich und steigenden Kinderzahlen, sei es durch Zuzug oder durch Geburt, wird wohl erst ein Ende finden, wenn der Gemeinde die Bauplätze ausgehen. Was wohl noch einige Zeit dauern wird, denn längst schon rückt die innerörtliche Erschließung in den Mittelpunkt. Baulücken wie in der Nachtwaid werden geschlossen, in vielen Straßen, ob in der Hockenheimer-, der Wilhelm- oder der Hauptstraße weicht alte neuer Bausubstanz, erneuert sich das Leben, ziehen junge Familien ein.

Ganze Gemeinde profitiert

Nicht nur der Kämmerer kann sich ob der Entwicklung die Hände reiben – immerhin wird der Anteil der Einkommenssteuer, den die Kommune erhält, immer bedeutender für deren Finanzen, auch das Vereinsleben profitiert. Immerhin darf sich Reilingen rühmen, über eine intakte Vereinsstruktur zu verfügen, die mit den Charme der örtlichen Gemeinschaft pflegt. Und die Vereine profitieren mit ihren Jugendabteilungen vom Boom, vom Zulauf an jungen Mitgliedern. Als Beispiel sei nur der Sportclub genannt – die 08er feierten im vergangenen Jahr ihr 110-jähriges Bestehen und krönten dies mit einem neuen Kabinentrakt. Davon profitiert nicht zuletzt die Jugendabteilung des Vereins, die sich als eine der wenigen in der Region rühmen darf, in jedem Jahrgang ein Team zu stellen.

Und so nimmt die Entwicklung in einem ganz normalen Jahr ihren Fortgang, die Spirale aus Wachstum und Modernisierung zeigt stetig nach oben und Zug um Zug nimmt die Verjüngung ihren Lauf, aber der Glasfaserausbau hinkt der Entwicklung nach Kräften hinterher. Bleibt zu hoffen, dass spätestens dann, wenn die heutigen Baby-Boomer in ein Alter kommen, in dem sie Handy oder PC bedienen können, aus dem Hasen Netzausbau ein Igel geworden ist.

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