Reilingen

Dorfgemeinschaftshaus Gasthaus "Zum Löwen" Gemeinderat entscheidet sich für eine Sanierung des Anbaus / Kosten von 315 000 Euro werden bezuschusst

Ohne Anbau ist das Ensemble nicht zu halten

Reilingen.Bei der anstehenden Entscheidung über einen Abriss samt Neubau des Nebengebäudes des Dorfgemeinschaftshauses und Gaststätte "Zum Löwen" oder dessen Sanierung war dem Rat von vornherein eine dritte Möglichkeit verwehrt: Abriss ohne einen Neubau. Dies werde vom Denkmalamt auf keinen Fall geduldet, wie Bürgermeister Stefan Weisbrod zu Beginn der Debatte am Ratstisch feststellte.

Seit 1982 gehört der "Löwe" der Gemeinde, seit 1985 residiert in ihm das Heimatmuseum und dient das Gebäude wieder als Restaurationsbetrieb. Nach mehr als 30 Jahren stand nun eine energetische Sanierung an, die Heizung sollte auf den Stand der Technik gebracht und das Gebäude samt Nebengebäude entsprechend saniert werden. Gleichzeitig war geplant, das Nebengebäude zu räumen, in ihm Heizanlage, Toiletten und Lagerräume unterzubringen.

Massive Schäden entdeckt

Als das Nebengebäude leergeräumt war, unter anderem lagerten in ihm Gegenstände des Museums und der Wirtschaft, wurde sichtbar, dass es extreme Schäden aufweist. Architekt Eberhard Vögele bezeichnete den Dachstuhl zwar als stabil, jedoch nicht auf das Gebäude abgestimmt. Rein willkürlich seien hohe Lasten auf nicht mehr tragfähige Balken verteilt worden, so dass mittlerweile das gesamte Mauerwerk erhebliche Risse aufweist.

Was zur Folge hatte, dass die im ersten Bauabschnitt veranschlagten Kosten von 350 000 Euro nicht ausreichen. Vögele schätzte den Mehraufwand für die Behebung der Schäden auf rund 128 000 Euro. Viel Geld, wie der Gemeinderat urteilte, der vor einem endgültigen Beschluss über Sanierung oder Neubau eine genaue Kostenaufstellung forderte.

Diese stellte Architekt Vögele dem Gremium nun vor. Dabei kam er in seiner detaillierten Kostenaufstellung auf einen Betrag von rund 370 000 Euro für Abriss und Neubau und von 315 000 Euro für die Sanierung. Die höheren Kosten des Neubaus begründete der Fachmann mit den Auflagen des Denkmalamtes, wegen der erforderlichen Arbeiten am Platz und Gehweg.

Doch noch gravierender als die Differenz bei den Kosten ist die Frage des Zuschusses: Bei einer Sanierung kann die Gemeinde mit einer Förderung von 60 Prozent der Kosten über das Landessanierungsprogramm rechnen. Womit ihr Kostenanteil bei nur noch 125 000 Euro liegt. Bei einem Neubau hingegen gebe es keine Zuschüsse.

Peter Geng (FWV) wollte wissen, was ein Neubau bedeute. Die Frage für ihn war, ob die Fundamente beseitigt würden, denn diese würden durch die Straßenlast absinken, schon jetzt zeige die westliche Giebelwand große Risse. Was sinnvoll sei, jedoch bei einer Sanierung nicht geschehe. Weshalb sich für ihn die Frage der Nachhaltigkeit stellt. Es mache keinen Sinn zu flicken, nur um Geld zu sparen, wenn in 20 Jahren das Gebäude zerfalle.

Fundament wird unterfangen

Wie Vögele erwiderte, werde das Gebäude bei einem Abriss vom Sockel bis zum First wiederaufgebaut, dies nach absolutem Neubaustandard. Bei der Sanierung bliebe die Hülle erhalten, würden defekte Bauteile und tragende Balken ausgetauscht, kurzum, ein Neubaustandard in alter Hülle. Die betroffenen Fundamente müssten unterfangen und gegebenenfalls erneuert werden.

Ob die Sanierung des Fundaments ausreichend sei, dem Lkw-Verkehr auf Dauer standzuhalten, wie Patricia Malcher (FWV) wissen wollte, dafür wollte Vögele seine Hand nicht ins Feuer legen, aber ein halbes Jahrhundert sollte es, bei sachgerechter Wartung mindestens halten.

Jens Pflaum (FDP) vermisste bei der Sanierung ein Gesamt- und Raumkonzept und war gegen eine isolierte Betrachtung allein des Nebengebäudes. Obendrein fehle ein Hinweis auf die Gesamtkosten, störte er sich daran, nun 300 000 Euro für ein 60 Quadratmeter-Gebäude bewilligen zu sollen. Ob mit oder ohne Zuschuss, es handle sich um Steuergelder, plädierte er für eine Vertagung. Bürgermeister Weisbrod verwies auf das schon mehrfach, auch öffentlich diskutierte Konzept und darauf, dass ohne Nebengebäude auch die Zukunft des Hauptgebäudes in Frage gestellt werde.

Dieter Rösch (SPD) sah dies ähnlich, "es muss etwas geschehen", und sprach sich aus ökologischen und ökonomischen Gründen für eine Sanierung aus. Seinem FDP-Kollegen widersprach er, es würden keine Steuergelder verbrannt, sondern sinnvoll investiert. Quasi eine Form der Wirtschaftsförderung, wie von den Liberalen stets gefordert.

Silvia Vögtle (FVW) sprach sich gleichfalls für eine Sanierung aus, ein Unterfangen des Fundaments sei technisch machbar und geschehe nicht zum ersten Mal. Peter Kneis (CDU) sah angesichts der Kostendifferenz keine Alternative zur Sanierung und Sabine Petzold (FWV) erinnerte an den Willen des Rats, das Ensemble zu erhalten. Klar, dass dies Geld koste, votierte sie für die Sanierung.

Womit sich der Rat gegen die Stimmen der FDP für eine Sanierung aussprach. Nach der Ausschreibung der Arbeiten rechnet Vögele mit einem Baubeginn im Januar und spricht Bürgermeister Weisbrod von einer "schönen Winterbaustelle".

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