Reilingen

Rathausplatz Letzte Telefonzelle entfernt / Handy-Zeitalter macht Einrichtung unwirtschaftlich

Relikt aus der Vergangenheit

Archivartikel

Reilingen.Der Mobilfunkausbau und der Telefonzellenabbau: Sie gehen Hand in Hand. Die gute alte Telefonzelle wird zum Ort der Erinnerung. Jetzt hat es auch das letzte in Reilingen noch vorhandene Relikt der Vor-Handy-Ära getroffen.

Das Telefonhäuschen am Rathausplatz wurde von den Monteuren der Dettenheimer Firma Elektro-Seith abgebaut. Sie benötigten dazu nur wenige Stunden, hievten das Häuschen auf einen großen Transporter und weg war es, teilt die Verwaltung mit.

Schon im vergangenen Dezember hatte die Deutsche Telekom angekündigt, die nostalgisch wirkende Einrichtung auch im Reilinger Ortskern aufgeben zu wollen. Denn im Zeitalter von Smartphone und Internet sei es unwirtschaftlich geworden, solche Einrichtungen im öffentlichen Raum zu betreiben.

Blütezeit in den Neunzigern

Wie schnell sich die Kommunikation verändert hat, lässt sich am Telefonhäuschen gut veranschaulichen. Seine Blütezeit in den Neunzigern ist gerade einmal 20 Jahre her. Mehr als 160 000 Telefonstandorte befanden sich um diese Zeit in den Städten und Gemeinden. Heute haben allenfalls noch rund 20 000 Telefonhäuschen überlebt, die meisten an Flughäfen und Bahnhöfen.

Die allererste Telefonzelle, der sogenannte Fernsprechkiosk, wurde übrigens 1881 in Berlin aufgestellt. 1899 kam der Münzfernsprecher auf, Telefonzellen in geschlossenen Räumen.

Heutzutage besitzt statistisch gesehen jeder Deutsche mindestens ein Handy. Die Verbindung in die Welt ist jederzeit und überall selbstverständlich geworden. Damit ist die Zeit vorbei, wo man noch die Intimität von Telefongesprächen geschätzt hat. jd

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