Reilingen

Tag des offenen Denkmals Ortshistoriker Philipp Bickle lässt Vergangenheit aufleben / Einblicke in alte Geschäfte und Kirchen

Spaziergang durch die Geschichte

Reilingen.Zum Tag des offenen Denkmals hatten die Gemeinde und die „Freunde Reilinger Geschichte“ zu einem Spaziergang eingeladen. Der gut zweistündige Spaziergang, zu dem trotz des unwirtlichen Wetters fünfzig Besucher gekommen waren, startete am Vorplatz der katholischen Kirche.

Bevor man im Inneren der St.-Wendelinskirche den Klängen von Organist Wolfgang Müller und seinen Erklärungen zur 1970 von Dekan Josef Beykirch geweihten Orgel lauschen konnte, erinnerte Ortshistoriker Philipp Bickle an die wechselvolle Geschichte Reilingens und seiner katholischen Kirche St. Wendelin: Grundsteinlegung 1901, Weihung beim Wendelins-Patrozinium 1905. Auch die drei Glocken hatten ihre Geschichte. Von den drei Bronzeglocken wurden zu Kriegszwecken 1914/18 zwei eingeschmolzen, die letzte verbliebene Glocke nach Plankstadt verkauft.

Anekdote am Rande: 1920 kamen die drei neuen Glocken, benannt nach Maria, Joseph und Wendelin am Neulußheimer Bahnhof an und wurden von Reilinger Bauern mit Pferd und Wagen abgeholt. Dabei wurde Wert darauf gelegt, dass es „katholische“ Pferde waren. Interessant auch, dass mit dem Baubeginn der Kirche die Kirchenstraße ihren ersten Kanal bekam. 27 Stufen führten im Inneren der Kirche zu Organist Wolfgang Müller, der die Gäste zu Klängen von Johann Pachelbel empfing.

Er gab Auskunft über die Besonderheiten der Orgel, die im Gegensatz zu der der evangelischen Kirche einen eigenen Spieltisch hat. Mit zeitgenössischen Klängen von Gorden Young verabschiedete Müller die Gäste. Philipp Bickle gab noch Informationen zu den Altären und den Statuen sowie dem Taufstein, die noch aus der Ursprungskirche 1788 stammen. Auf dem Weg in Richtung Oberdorf berichtete Bickle in munteren Geschichten über gewesene Handwerksbetriebe, Läden, Gastbetriebe, Zigarrenfabriken und Menschen, welche in den 1930er bis 50er Jahren Reilinger Geschichte schrieben. Von der Hausnummer 81, der Alten Post, von Uhrmacher Hooker zur Bäckerei Fritz Mannherz (Bürgermeister und Ehrenbürger), von der Sodafabrik Mitsch bis hin zur Hausnummer 118, dem Kreuzbäcker und der Gastwirtschaft Gambrinus in der Gartenstraße erfuhren die Spaziergänger noch nie Gehörtes.

In der Zeit zurückversetzt

Bevor der historische Spaziergang bei Familie Scheidt zu Ende ging, zeigte Rosita Scheidt in ihrer gemütlichen Stube fingerfertig an ihrem Webstuhl alte Handwerkstechniken. Zu den bildhaften Ausführungen von Philipp Bickle mit viel Sachkenntnis und Leidenschaft vorgetragen, brauchte man nur kurz die Augen zu schließen, um sich in die Zeit zurückzuversetzen.

Da passt doch zum Ende des Spaziergangs, der einen Blick bot in die Vergangenheit und den unaufhaltbaren Fortschritt, den die Gemeinde bisher erlebt hat, ein Zitat des ersten Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschlands, Konrad Adenauer: „Ein Blick in die Vergangenheit hat nur Sinn, wenn er der Zukunft dient“.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional