Reilingen

Außerordentliche Versammlung Acht Mitglieder stimmen für Auflösung / Bürgermeister Weisbrod hat Hoffnung auf Fortbestand

Verein für den Mittelstand geht in die Liquidation

Archivartikel

Reilingen.Nachdem die Hauptversammlung im März ergebnislos blieb – es fanden sich keine Kandidaten für die Nachfolge von Klaus Dechant, der nach sechs Jahren nicht mehr kandidierte – fand nun eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Vereins für den Mittelstand (VdM) statt, deren einziges Ziel die Liquidation des Vereins war.

Um die Auflösung des Vereins in die Wege zu leiten, war eine Zustimmung von zwei Dritteln der anwesenden Mitglieder nötig. Dechant, der seit der Hauptversammlung im März geschäftsführend im Amt ist, hatte schon damals das mangelnde Interesse der Mitglieder angeprangert und als Beispiel die still und leise zu Grabe getragene Gewerbeschau genannt und die Tatsache, dass der Vorstand des früheren Gewerbevereins nicht mehr komplett besetzt sei, da sich keine Mitglieder bereit fanden, für ein Amt zu kandidieren.

Dieses mangelnde Interesse zeigte sich bei der außerordentlichen Sitzung erneut – von 57 Mitgliedern waren gerade einmal neun erschienen. Darunter Bürgermeister Stefan Weisbrod, die Gemeinde ist gleichfalls Mitglied im VdM. Er war der Einzige, der sich bei der Abstimmung der Stimme enthielt, was laut Statut als Nein-Stimme gewertet wird, so dass die Liquidation bei acht Ja-Stimmen in die Wege geleitet ist.

„Nicht für die Zukunft geeignet“

Auch die Anwesenheit von Vertretern des Landesverbandes des BDS, des Bundes der Selbstständigen, die einen letzten Versuch initiieren wollten, die Auflösung zu verhindern, führte ins Leere, wie Dechant im Gespräch mit unserer Zeitung anmerkt. Für ihn ist es an der Zeit, die Modelle Gewerbeverein und BDS zu überdenken. Beide Modelle sind für ihn nicht geeignet, dem Gewerbe den Weg in die Zukunft zu weisen. Mittlerweile, so Dechant, sei die Digitalisierung in der Gesellschaft angekommen, ein Zurück nicht möglich.

Doch die Fragen, die die Industrie 4.0 aufwerfe, seien von einem Ortsverein allein nicht zu stemmen, und von den Landesverbänden erhalte das Gewerbe keine Impulse. Es brauche keine alten Leute mit alten Ideen, sondern junge Leute, frisches Blut, fasst Dechant seine Sicht zusammen, die ihn letztlich dazu bewog, nicht mehr zu kandidieren, den Weg für neue Ideen freizumachen. Doch vergeblich, es fand sich kein Nachfolger.

Als nächstes wird Dechant, den die Versammlung zum Liquidator bestimmte, die erforderlichen Schritte beim Amtsgericht zur Auflösung des VdM einleiten. Das vorhandene Vermögen ist laut Satzung der Gemeinde zu übergeben. Viel ist es nicht, doch mit der Summe ist eine Hoffnung verbunden. Denn während sich Dechant vorstellen kann, damit ein Abschlussfest zu organisieren, um sich „mit einem Knall“ von der Gemeinde zu verabschieden, will Bürgermeister Weisbrod das Geld lieber ein Jahr lang ruhen lassen.

Ein Jahr Zeit für neues Team

Denn ein Jahr währt die Liquidationszeit, dann ist der VdM endgültig Geschichte. Doch findet sich in dieser Zeit ein Team, das bereit ist, das schon gestrandete Vereinsschiff wieder flott zu machen und mit neuen Ideen die Segel zu setzen, dann hat der VdM doch noch eine Zukunft und Weisbrod das Startkapital in der Hinterhand.

Doch Dechant ist nicht optimistisch, das Abschiedsfest ist für ihn realistischer – auch wenn die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt. aw

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