Reilingen

Vogelschutz Jungstörche in den Horan-Gemeinden erhalten ihre Erkennungszeichen

Zahl der Ringe reduziert

Reilingen/Altlußhem/Hockenheim.Es ist immer ein besonderer und faszinierender Moment, wenn man aus nächster Nähe einen Blick auf den Storchennachwuchs werfen kann und sieht, dass sich die Tiere bester Gesundheit erfreuen. Thomas Picke, der in ehrenamtlichem Auftrag der Vogelwarte Radolfzell die Jungstörche beringt, darf dieses Erlebnis immer wieder genießen.

So wurde er am Freitagabend von Landwirt Klaus Schröder mit einem Steiger zum dem 14 Meter hohen Reilinger Storchennest gefahren um mit einem Ring den Tieren ihren ganz persönlichen Ausweis ans Bein zu heften. Kurz bevor der Korb mit den Menschen das Nest erreicht hat, legen sich die etwa vier bis fünf Wochen alten Jungstörche ganz flach auf das Nest. Dies ist ein angeborener Instinkt, wenn Gefahr droht, stellen sie sich tot. Diese Starre schützt die Tiere nicht nur, sie vereinfacht auch die Beringungsaktion.

Jeder Dritte geht leer aus

Um die Storchenkinder nicht unnötig zu stressen, befestigte Thomas Picke mit gekonnten Handgriffen die Ringe mit den Nummern „DER A2C77“ und „DER A2C78“ zügig über den Knien der Tiere. Doch weshalb nur zwei Nummern, wo doch drei Störche im Nest sitzen? Grund dafür ist eine begrenzte Anzahl der Ringe, die in diesem Jahr von der Vogelwarte für die Störche in Baden Württemberg bereitgestellt wurden. Da es immer mehr Weißstörche gibt und diese nun nicht mehr als bedrohte Art gelten, wird in andere Projekte investiert.

Das Unverständnis über die begrenzte Anzahl der Ringe ist groß und auch Dieter Rösch aus Reilingen, der für den BUND tätig ist, findet es sehr schade, dass in Reilingen das kleinste Tier unberingt ausfliegen wird.

Rösch hat, seit das Nest in den Kisselwiesen 2015 aufgestellt wurde, jedes Jahr ein besonderes Auge auf die Tiere. Er wartet geduldig, bis er mit dem Fernglas die Nummern der Ringe ablesen kann, um nachzuforschen, welches Paar sich niedergelassen hat. Nach dem Schlüpfen der Kleinen schaut er regelmäßig, ob noch alle zu sehen sind. Gerade nach den Gewittern in den vergangenen Wochen war er jedes Mal erleichtert, wenn alle drei Köpfchen neugierig über den Nestrand schauten.

Thomas Picke, der von seiner Frau Gabi tatkräftig unterstütz wird, stellte fest, dass das Reilinger Nest besonderes aufgeräumt und sauber war. Bei der Beringung der Hockenheimer Storchenkinder entsorgte Picke erst einmal zehn Gummihandschuhe und eine Schildkappe. Unterstützt wurde er von der Feuerwehr, die ihn mit der Drehleiter ans Nest in der Stadtmitte brachte.

„Bei einem heftigen Gewitter wurde dieses Jahr unsere Kamera beschädigt und der Blick ins Nest blieb leider schwarz. Aber bis nächstes Jahr ist sie wieder repariert und die Interessierten können in der Sparkasse wieder zuschauen“, verspricht Gabi Picke. Und sie verrät auch die Ausweisnummern des Hockenheimer Nachwuchses. „DER A2C75“ und „DER A2C76“.

Die letzte Beringungsaktion in den Horan-Gemeinden wurde am Montagmorgen in Altlußheim durchgeführt, auch hier erhielten nur zwei Tiere einen Ring ans Bein –die Nummern „DER A2C79“ und „DER A2C80“. Mit einem Steiger der Gemeinde ging es auf der Festwiese hinauf zu den drei Jungtieren, die ebenfalls alle einen gesunden Eindruck machten. In diesem Nest fand Thomas Picke zwei Knochen, bei denen nach einer Untersuchung herauskam, dass sie einmal zu einem Huhn gehörten.

Population hat sich erholt

Nachdem das Jahr 1975 mit nur 15 brütenden Storchenpaaren in Baden Württemberg einen absoluten Tiefpunkt erreicht hatte, konnte bis heute eine stetige Zunahme verzeichnet werden. 2017 waren es rund 2000 Brutpaare im Land, die für gebührenden Nachwuchs sorgten. Jedoch ist es meist so, dass etwa 30 Prozent der Jungtiere die ersten zwei bis drei Lebensjahre nicht überlebt.

Nach Einschätzung von Gabi Picke werden die Störche wohl im Juli ihre Nester verlassen und in Richtung ihrer Winterquartiere aufbrechen. Dabei können sie oft 300 bis 400 Kilometer pro Tag zurücklegen. Man geht derzeit davon aus, dass die hiesigen Störche die Westroute einschlagen und den Winter auf der Iberischen Halbinsel verbringen. Natürlich ist die Spannung groß, welche Weißstörche 2019 wieder in die Rheinebene und in die Horan-Gemeinden zurückkehren.

Info: Bilder von den Störchen unter www.schwetzinger-zeitung.de

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