Schwetzingen

Aufbruch 2016 Schwöbel fordert Familienplanung in Afrika

Überbevölkerung als Hauptgrund für Migration

Archivartikel

„Das Wort Flüchtling als Oberbegriff für die seit Jahren in Europa und besonders in Deutschland ankommenden Menschen ist irreführend, denn tatsächlich gelangen zu uns Migranten. Unter ihnen sind wirkliche Flüchtlinge eine Minderheit, die wir erkennen und feststellen müssen“, eröffnete Professor Dr. Hans-Peter Schwöbel vor vielen interessierten Zuhörern seinen Vortrag über „Demographische Aspekte von Gewalt, Krieg und Migration“ beim Aufbruch 2016.

Er sagt laut Presseerklärung der Organisation: „Die Zahlen sind höchst alarmierend. Lebten 1950 etwa 230 Millionen Menschen in Afrika, seien es heute 1,2 Milliarden und bei gleichbleibender Fortpflanzungsrate seien es im Jahre 2050 gut 2,5 Milliarden – so hoch war 1950 die gesamte Weltbevölkerung.“ Gegenwärtig seien 77 Prozent aller Afrikaner unter 35 Jahren, das Durchschnittsalter liege unter 20 Jahren – in Deutschland bei 45 Jahren.

Eine nicht zu unterschätzende Folge sei die zunehmende Kriegsgefahr. Nach dem von dem Soziologen Gunnar Heinsohn errechneten Kriegsindex ergebe sich die Kriegsbereitschaft ziemlich schlüssig aus dem Verhältnis der Gruppe „junger Männer“ (15- bis 19-Jährige) zur Gruppe „alter Männer“ (55- bis 59-Jährigen). In Afghanistan liege er gegenwärtig bei 6.0, also sehr hoch. Die Prognosen für Afrika und viele arabische Länder seien ebenfalls düster.

Das führe auch zur Abwanderung. Die Vorstellung von der „Bekämpfung der Fluchtursachen“ sei nur tragfähig, wenn sie mit einem realistischen Inhalt gefüllt werde.

„Der Schlüssel zu einer friedlichen Entwicklung und zur Beendigung der Emigration ist die Familienplanung“, so Schwöbel. Gegenwärtig liege die Fortpflanzungsrate in Afrika südlich der Sahara bei 5,0, in keinem Land der industriellen Welt aber über 2,0 (Deutschland 1,6, Frankreich 1,8). Das wichtigste Ziel müsse die Reduktion dieser afrikanischen Rate auf ungefähr 2,1 sein, der Kennziffer für eine stabile Bevölkerungsentwicklung.

Emanzipation und soziale wie rechtliche Gleichstellung der Frauen seien die Grundlage dafür. Dazu bedürfe es gewaltiger Bildungsanstrengungen und sinnvoller Urbanisierungsprojekte. Die Einsicht dazu müsse aber in Afrika selbst wachsen, von außen könne sie nicht aufgezwungen werden. Schwöbel wandte sich gegen Politiker und Medien, die vor der offenkundigen Realität die Augen verschlössen. zg

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