Schwetzingen

AFS Frank-Uwe Betz spricht über Opfer aus der Region

„Abgang in eine andere Anstalt“

„Abgang in andere Anstalt“ bedeutete in Zeiten des Zweiten Weltkriegs Mord. Frank-Uwe Betz wird in einem Vortrag am Dienstag, 8. Mai, um 19.30 Uhr im Palais Hirsch regionale Opfer der NS-„Euthanasie“ vorstellen. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung, die der „Arbeitskreis Freundliches Schwetzingen – Verein für regionale Zeitgeschichte“ (AFS) zusammen mit „Ver.di“ und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW Rhein-Neckar ausrichtet, ist frei.

Auf etwa 200 000 wird die Gesamtzahl der Todesopfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen geschätzt, heißt es in einer Pressemitteilung des AFS. Diese Form tödlicher Verfolgung richtete sich gegen als psychisch krank oder geistig behindert eingestufte Frauen, Männer und Kinder. Sie wurden 1940/41 von Medizinern zur Tötung bestimmt und in Gasmordanstalten ermordet, später auch auf andere Weise. Nachgeforscht wurde nun vor allem nach jenen Opfern in der Region, die 1940 in Grafeneck ermordet wurden. Dabei zeigte sich, dass auch aus den hiesigen Orten, Schwetzingen, Hockenheim, Brühl, Ketsch, Oftersheim und Plankstadt, jeweils mindestens zwischen drei und sieben solche Opfer zu beklagen sind. In Schwetzingen waren es gar mindestens zehn, unter Einbeziehung der Hadamar-Opfer ab 1941 mindestens 17. Die Nazis schreckten auch vor der Ermordung von Kindern nicht zurück.

Schicksale von Plankstadtern

Doch auch diese Opfer sind bisher weitgehend unbeachtet geblieben. Sie und vor allem ihre Namen wurden nicht genannt. Auch in Bezug auf diese Opfer dominierte das „Vergessen“. Verschiedentlich wurde von Zeitzeugen und wird in der Literatur auch von Zwangssterilisierungen berichtet.

Im Referat werden die Namen der „Euthanasie“-Opfer genannt und weitere Erkenntnisse zu einigen von ihnen dargelegt. So auch die Geschichte der Lina Schönig aus Plankstadt, die wir jüngst in einem Zeitungsartikel darstellten. In Plankstadt mit mindestens sieben „Euthanasie“-Opfern sollte der an sogenannten „Euthanasie-Forschung“ in Heidelberg 1943/45 wesentlich beteiligte Arzt Dr. Dr. Julius Deussen dann von 1945 bis 1955 als praktischer Arzt tätig werden. zg

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