Schwetzingen

Aufbruch 2016 Wo soll der Strom für die E-Autos herkommen? / Rainer Welzel kritisiert Energiepolitik

Abschalten verantwortungslos

Archivartikel

„Die Abschaltung aller Kern- und Kohlekraftwerke ist unverantwortlich“, so fasst Diplomingenieur Rainer Welzel aus Brühl den Kern seiner Ausführungen über Energiewende, Versorgungssicherheit und Finanzierbarkeit bei einer Mitgliederversammlung der Initiative Aufbruch 2016 zusammen. Er sieht darin laut Pressemitteilung der Gruppe „ein unreflektiertes Nachgeben gegenüber dem Zeitgeist in der aktuellen Energiepolitik der Bundesregierung, deren Kosten vor allem zukünftige Generationen zu tragen haben“.

„Die wachsende Energieproduktion hat den Menschen ein besseres und leichteres Leben ermöglicht“, so Welzel. Der Jahresverbrauch an Primärenergie in Deutschland hätte im Jahr 2017 genau 3763 Terrawattstunden (TWh) betragen, im Jahr 2018 3650, wobei der Anteil der „sogenannten erneuerbaren Energien auf kümmerliche sechs Prozent (nur Wind- und Solarenergie drei Prozent) zu beziffern gewesen sei. Die einzige realistische Alternative zu Kohle, Erdöl und Erdgas, den traditionellen Brennstoffen der Energiegewinnung, sei deswegen die Kernkraft, so der Brühler Welzel. Bei der sei allerdings aus politischen Gründen das Abfallproblem nicht gelöst. Das E-Auto, dessen Einführung nach der Vorstellung mancher Politiker durch gesetzgeberischen Beschluss zu bewerkstelligen sei (Zitat: „Die bayerische Landesregierung beschließt und schon steht 2035 ein preiswertes E-Auto vor der Tür“), sei zwar schon 25 Jahre vor den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren entwickelt worden, hätte sich aber gegenüber diesen schnell als nicht konkurrenzfähig, unwirtschaftlich und damit als unrentabel erwiesen, wird Welzel in der Pressemitteilung von Aufbruch 2016 zitiert.

Das „grüne Parodox“

Der bekannte Ökonom Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut München hätte, so der Referent, in einer vernichtenden Kritik der Energiepolitik aller Regierungen Merkel auf drei Punkte hingewiesen, die die mangelnde Rationalität dieser „beispiellosen Transformation“ aufzeigten:

Das „grüne Paradox“ – die Verteuerung umweltschädlicher Brennstoffe in der Bundesrepublik führt zu einer Verbilligung dieser Produkte in der übrigen Welt und subventioniert damit den ungebremsten Konsum anderer Völker. Das Erneuerbare- Energiegesetz – es hat bisher nachweislich 0,0 Gramm CO2 eingespart und lediglich die Energiepreise in Deutschland auf eine weltweit einmalige Spitze getrieben. Und das technisch offensichtlich unlösbare Volatilitätsproblem von Wind- und Sonnenenergie dargestellt.

In diesem Zusammenhang nannte Welzel bei seinem Vortrag in der Mitgliederversammlung von Aufbruch 2016 als spezielle, ebenfalls noch nicht beantwortete Frage das Problem des Energiebedarfs der avisierten E-Mobilität, der nach Abschaltung der Kraftwerke ausschließlich durch erneuerbare Energien aufzubringen wäre. Die gegenwärtig zirka 56 Millionen in Deutschland zugelassenen Kraftfahrzeuge benötigten, wie das Fraunhofer-Institut berechnet habe, etwa 177 TWh. Wenn diese Summe zur Abschaltung der Kern-, Kohle- und Gaskraftwerke (342 TWh) addiert werde, ergebe sich beim gegenwärtigen Stand ein Defizit von 519 TWh Nettostrom: „Niemand weiß, wie dieses Defizit beseitigt werden soll!“

Als mögliche Lösungen beschrieb Referent Welzel zum Abschluss einerseits das Projekt Desertec (Solarenergieerzeugung in Wüstengebieten wie der Sahara), anderseits die Energiegewinnung durch Kernfusion, die im Gegensatz zur bisher allein technisch genutzten Kernfission keine Gefahren durch Austreten von Radioaktivität mit sich bringe. Die engagierte Diskussion der Zuhörer wurde sachkundig durch Othmar Unterlöhner geleitet. zg

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