Schwetzingen

Interkulturelle Woche Samina Tabassum über islamische Begriffe

„Allahu Akbar“ – Ausruf von Extremisten oft missbraucht

Archivartikel

Dass der Islam die Menschen beschäftigt, zeigte sich an dem gut besuchten Vortrag im Josefshaus. Aus Anlass der Interkulturellen Woche, die unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Dr. René Pöltl steht und eine Gemeinschaftsveranstaltung der christlichen Kirchen, der Volkshochschule, der Arbeitsgemeinschaft der Kulturvereine sowie der Beratungsstelle für Flüchtlinge ist, referierte VHS-Verwaltungsmitarbeiterin Samina Tabassum (Bild) über „Allahu Akbar“, einem zentralen Begriff des Islams. Sie startete ihre multimediale Präsentation nach der Begrüßung, die VHS-Abteilungsleiter Horst Krög vornahm. Ganz besonders freute er sich, Gemeindediakonin Margit Rothe willkommen zu heißen, die, wie er sagte, eine der Hauptverantwortlichen in der Organisierung der Interkulturellen Woche ist und sich unermüdlich für ihre Durchführung einsetzte.

„Vor dem Hintergrund einer globalisierten Welt und einer sich weltweit ausbreitenden Pandemie zeigt sich, dass Migration neu zu gestalten sei“, begann Krög seine Einführung in das Thema. „Kriege und der Klimawandel vertreiben Menschen aus ihrer Heimat, das löst bei vielen Menschen in den Aufnahmeländern Angst und Sorge aus. Beunruhigend ist dabei, dass sich rassistische Gedanken schleichend verbreiten und bis in die Mitte unserer Gesellschaft reichen.“ Die Internationale Woche biete Gelegenheit, so Krög, die alltäglichen Diskriminierungserfahrungen aufzuzeigen und Verständnis füreinander zu entwickeln.

Mit ihrem Vortrag „Allahu Akbar“ setzte die Referentin Samina Tabassum ein deutliches Zeichen für ein friedliches Miteinander. Ausgehend von diesem zentralen Begriff verstand sie es, die Zuhörer anschaulich in die Religion des Islams einzuführen. „Die Interpretation des Begriffs“, begann sie, „hängt wie bei jedem anderen Begriff auch vom Umfeld seines Gebrauchs ab, vom Anwender oder von der Zeit, in der er benutzt wird.“ Obwohl „Allahu Akbar“ in einem positiven Kontext entstanden ist, wird er auch in negativem Sinn verwendet. Extremisten zum Beispiel missbrauchen den Ausdruck als Schlachtruf, bevor oder während sie ein Blutbad anrichten. In diesem Fall berichten Medien ausführlich darüber, so dass ihn viele mit Terrorismus und Gewalt in Verbindung bringen. Damit hat der Ausruf aber nichts zu tun. Vielmehr verwenden ihn Muslime im Alltag, auch außerhalb der Gebete. Dann drückt die Formel ganz einfach Erstaunen, Begeisterung oder auch Bestürzung aus, entsprechend etwa dem Deutschen „Oh, mein Gott!“.

Ein Eigenname für Gott

Wortwörtlich bedeutet „Allahu Akbar“ „Allah ist der Größte“, wobei „Allah“ der Eigenname für Gott ist und „Akbar“ groß, sehr groß bedeutet. Doch auch auf andere grundlegende Begriffe ging sie näher ein, darunter „Tauhid“, der den Glauben an die Einheit und Einzigartigkeit von Gott mit einschließt.

Ausführlich befasste sich die Referentin mit den fünf Pfeiler des Islams – das Glaubensbekenntnis (Kalima), das Ritualgebet (As-Salât), das Fasten (As-Saum), das Almosengeben (Zakât) und die Pilgerfahrt (Hajj) – und mit der Bedeutung des Gebets. In ihrer Präsentation ließ sie auch muslimische Kinder, Schüler oder Studenten zu Wort kommen, die erklärten, was für sie der Ausdruck „Allahu Akbar“ bedeute, wie auch die nichtmuslimische Islamwissenschaftlerin Dr. Gabriele Berrer-Wallbrecht, die den Begriff so erklärte: „Das Wort Islam bedeutet Unterwerfung, Ergebung in den Willen Gottes. Töten ist im Islam eine Sünde und Selbstmord ebenfalls, deshalb darf Allahu Akbar niemals von Islamisten mit kriegerischer Absicht verwendet werden.“

In der evangelischen Stadtkirche findet am Montag, 5. Oktober, um 19.30 Uhr ein Kirchenkino statt. Der Film „Django – Ein Leben für die Musik“ ist dort zu sehen, ein Film über den Sinti-Jazzmusiker Django Reinhardt. Der Eintritt ist frei und nur mit Maske erlaubt. her/Bild: Rothe

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