Schwetzingen

Alles auf Anfang

Archivartikel

Bevor bei den oft langwierigen Film- oder Fernsehproduktionen eine Szene endgültig „im Kasten“ ist, also zur Zufriedenheit des Regisseurs ausfällt, wird sehr viel geprobt und wiederholt. Für diese Wiederholungen gibt es in der Fachsprache eine feste und bei Filmteams geläufige Bezeichnung „alles auf Anfang“.

Das vergangene Jahr hatte ja wiederum eine Menge guter und schlechter Inszenierungen mit kurzen und manchmal sehr langen Szenen. Was wäre, wenn man dabei hätte Regie führen können, was wäre wohl wieder „auf Anfang“ gegangen? Hätte man Naturkatastrophen wie Trockenheit mit verdorrten Landschaften, Hochwasser und Orkane mit Sturmfluten und ganzen Städten unter Wasser, mit abgedeckten oder völlig zerstörten Häusern wiederholen wollen? Was wäre mit hungernden, flüchtenden und ertrinkenden Menschen?

Müsste man die Szenen der SPD-Kandidaten-Tournee neu drehen, mit anderen Darstellern und geändertem Drehbuch? Bräuchte man eine neue Kulisse für die Große Koalition oder einen besseren Ton für den Wirtschaftskonflikt zwischen China und den USA und was ist mit den Szenen in denen Putin auftritt? Könnte man zwischendurch mal die „senden“-Funktion bei den Vielschreibern von Tweets und Posts stoppen und mit einem vernünftigen Text neu drehen?

Doch selbst unsere positiven Erlebnisse sind mit jedem Tag Vergangenheit. Im Gegensatz zum Film, lässt sich das wirkliche Leben nicht beliebig wiederholen – für uns alle nicht. Statt allzu häufiger Rückschau sollten wir deshalb im neuen Jahr mit all dem Kommenden, den Ereignissen und Akteuren, sehr aufmerksam und vorausschauend umgehen. Wenn wir dabei gemachte Erfahrungen nicht vergessen, kann das nur hilfreich sein.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional