Schwetzingen

Runder Tisch inklusives Schwetzingen Teilnehmer schildern Ordnungsamtsleiter Pascal Seidel Probleme mit zugestellten Gehwegen / Versuch mit „sanfter Keule“

An die Vernunft der Falschparker appellieren

Archivartikel

Der „Runde Tisch inklusives Schwetzingen“ (RIS) erfreut sich immer mehr Teilnehmer. Auch das dritte Treffen war bestens besucht und hatte erneut interessante Themen zu bieten. Der Gründer der hiesigen Amsel-Kontaktgruppe, Gerhard Rummel, und der Behindertenbeauftragte des Rhein-Neckar-Kreises, Patrick Alberti, moderierten die Diskussionsrunde im Raum der Volkshochschule. Gast bei der Sitzung war Ordnungsamtsleiter Pascal Seidel, der den gut zwei Dutzend Teilnehmern Rede und Antwort stand.

„Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte mit Rollatoren und Eltern mit Kinderwagen haben in der Stadt oft riesige Probleme. Manchmal ist es unmöglich, auf Gehwegen nicht zum Ausweichen auf die Straße gezwungen zu werden“, meinte Gerhard Rummel. Wenn dann noch kreuz und quer stehende Mülltonnen dazu kämen, sei oft gar kein Durchkommen mehr möglich. Das Abstellen von Fahrzeugen auf dem Gehweg sei grundsätzlich verboten, sagte Pascal Seidel über das Falschparken. Teilweise werde das geduldet, wenn neben den Fahrzeugen wenigstens 1,2 Meter frei blieben. Der Vollzugsdienst sei oft in den Stadtteilen unterwegs, auf der anderen Seite gebe es aber auch das Problem der Parkraumnot.

Günter Proetel berichtete von einer Aktion in Ketsch, bei der Senioren durch verteilte Handzettel mit Piktogrammen von Rollator-Nutzern und Rollstuhlfahrern die rücksichtslosen Autofahrer aufmerksam gemacht hätten (wir berichteten). Das habe aber nichts gebracht: „Dann muss eben Bußgeld bezahlt werden.“ In der Innenstadt parkten oft Lieferdienste und Handwerker-Autos die Straßen zu, in der Karlsruher Straße seien sogar Staus möglich, berichtete eine Anwohnerin des Schlossquartiers, die zu einem privaten Behindertenstellplatz in die Tiefgarage einfahren muss. Es kam die Forderung, dass das Ordnungsamt „rigoroser durchgreifen und härter bestrafen“ müsse.

Parkausweise eingeschränkt

Der ehemalige Behindertenbeauftragte Stefan Krusche sah Grenzen. Wenn die Stadt gegen die Autofahrer medienwirksam durchgreifen würde, könnte sie das angesichts von Protesten gar nicht durchhalten. Rita Erny plädierte dafür, zuerst an die Vernunft zu appellieren und dann erst zu kontrollieren oder zu sanktionieren. Nicole Blem war ebenfalls für eine „sanfte Keule“, ohne gleich Repressalien auszuüben. Sabine Rebmann warb dafür, das Problem zugeparkter Gehwege mehr in das Bewusstsein aller zu rücken. Werner Zieger wollte zunächst eine Sensibilisierung sämtlicher Verkehrsteilnehmer, um dann erst einen Aktionsschwerpunkt legen zu können.

Diskutiert wurde auch über die Unterführung von der Carl-Theodor-Straße zur Scheffelstraße. Hier seien viele Fahrradfahrer zu schnell unterwegs, Fußgänger hätten oft Probleme auszuweichen. Gerhard Rummel monierte, dass am Schlossplatz die Geschwindigkeit der Autos zugenommen habe. Fußgänger seien schon längst nicht mehr bevorrechtigt. Es müsse wohl öfter kontrolliert werden. Ein Diskussionspunkt betraf Behindertenparkplätze. Wer einen Schwerbehindertenausweis hat, darf damit nicht automatisch auf einem ausgewiesenen Behindertenparkplatz stehen, verwies Patrick Alberti auf den besonderen blauen Parkausweis. Mit diesem Parkausweis für „Personen mit Behinderungen in der Europäischen Union“ werde aber auch oft Schindluder getrieben, wusste Stefan Krusche zu berichten.

Feste behindertenfreundlicher

Beim Jahresthema „Barrierefreie Stadtfeste“ sprach Anne-Marie Ludwig über den kommenden „Schwetzinger Herbst“. Für die beliebte Veranstaltung am Samstag, 6. Oktober, stünden fünf Kabelbrücken zur Verfügung, damit Rollis besser durchkämen. Die Stadt habe die Brücken zum Preis von 700 Euro pro Stück angeschafft. Auch höhenverstellbare Tische machten das Fest für behinderte Menschen angenehmer. „Kommen und testen Sie“, warb die Geschäftsführerin des Stadtmarketings für das Genuss-Spektakel mit Streetfood-Trucks und Bühnenprogramm. Werner Zieger konnte sich große Piktogramme vorstellen, die Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen besser den Weg über die Festmeile zeigen könnten. Kristina Funk von der Lebenshilfe Region Schwetzingen-Hockenheim bestätigte den hohen Wiedererkennungswert solcher Grafiken. Die Lebenshilfe nutze diese Schilder schon, sie könne sich eine Kooperation mit der Stadt gut vorstellen. Das nächste Jahresthema lautet „Barrierefreies Bauen“, gab Gerhard Rummel bekannt.

Der „Runde Tisch inklusives Schwetzingen“ wird auch stark vertreten sein bei der Informationsveranstaltung über die geplante Bebauung des Pfaudler-Geländes am Montag, 24. September, um 18.30 Uhr im Palais Hirsch (mehr dazu auf Seite 10).

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