Schwetzingen

Kultur Neue Installation eingeweiht / Hofmusik wie zu Zeiten Carl Theodors per QR-Code abrufbar

An dieser Bar gibt’s Hörgenuss

Archivartikel

Schwetzingen ist um eine Bar reicher. Da gibt’s allerdings keine Cocktails, sondern puren Hörgenuss. Kulturreferentin Dr. Barbara Gilsdorf hatte Idee zur „HörBar“, die nun den verwaisten Platz der Vogelvolière zwischen Schlossplatz und Dreikönigstraße einnimmt. Passend zum Start des 44. Mozartfestes und im 50. Jahr des Bestehens der Mozartgesellschaft ist hier eine schöne Hommage an die Musik und deren Macher entstanden, die zu Zeiten des Kurfürsten Carl Theodor gewirkt haben. Der Beiname „Paradies der Tonkünstler“ trifft es.

Zu Einweihung am späten Freitagnachmittag fand Oberbürgermeister Dr. René Pöltl launige Worte für die „Bar für alle Sinne“, die trefflich das Schwetzingen des 18. Jahrhunderts abbildet, in dem „Musik aus allen Ecken“ kam. Und wer genau hinhört, dem begegnet auch noch heute Musik überall – sei es in Form von Chor- und Platzkonzerten, Jamsessions der Jazzinitiative, Liveabenden in Kneipen oder eben Festivals wie den SWR Festspielen oder dem Mozartfest.

Das „Paradies der Tonkünstler“ aus den Zeiten des Kurfürsten Carl Theodor wurde mit der „HörBar“ ins Jetzt gebeamt. Dies gefällt auch den Gästen aus Österreich, Maria Majno, Angela Romagnoli und Gerhard Spitz von der Initiative „Europäische Mozartwege“. „So etwas gibt es in Salzburg nicht“, bestätigte Spitz, der in der Mozartstadt lebt. Aber auch, weil Mozart nur wenige Schritte von der „HörBar“ entfernt während seines Aufenthalts in der Kurpfalz einquartiert war, ist die neue Installation ein ganz besonderes Projekt. Nach der „Schwetzinger Zeitreise“ sowie dem „Spargel-“ und dem „Industrielehrpfad“ bereichert der Platz das Stadtbild und unterstreicht den musikalischen Hintergrund. Die Infostation lässt die Festivalstadt Schwetzingen und deren besondere Musikgeschichte rund um das Thema „Kurfürstliche Hofmusik“ auf zeitgemäße Weise nachvollziehen.

Angebot für Einspielung

Im Zentrum des Durchgangswegs berichten Texttafeln über die Musiker und Komponisten der berühmten Hofkapelle des Kurfürsten Carl Theodor. Diese Tafeln bilden zugleich die Rückenlehnen einer zentralen Bank um das Fundament der ehemaligen Vogelvolière, die von Metallbau Giese aus Brühl gefertigt wurde. Fünf Texttafeln liefern ergänzende Informationen, etwa zu den Wohnquartieren, zum Besuch des siebenjährigen Wolfgang Amadeus Mozart in Schwetzingen (1763) sowie zu den Festivals klassischer Musik in heutiger Zeit. Ergänzend können über QR-Codes via Smartphone Einspielungen von Kompositionen der „Mannheimer Schule“ gehört werden – eine Zusammenarbeit der Forschungsstelle Südwestdeutsche Hofmusik mit den SWR Festspielen sowie dem Südwestrundfunk machte dies möglich, erklärte Musikhistoriker Dr. Rüdiger Thomsen-Fürst bei der Einweihungsfeier. Das Violinduo „The Twiolins“ bestehend aus Marie-Luise und Christoph Dingler brachte dabei Kompositionen des kurfürstlichen Hoforchesters zum Klingen. Es führte auch das „Duo Concertant No. 1“ von Ferdinand Fränzel auf, dessen Familie auf den „HörBar“-Tafeln auftaucht – allerdings ohne musikverbindenden QR-Code. „Hier können wir gerne weiterhelfen und das Stück aufnehmen“, stellte Marie-Luise Dingler in Aussicht. Zur Einweihung der „HörBar“ hatte Thomas Huck, Hausleiter von Möbel Höffner, Loungegarnituren mitgebracht, auf denen sich die Gäste Cocktails vom angrenzenden Kaffeehaus schmecken lassen konnten, wegen des unbeständigen Wetters wurde allerdings nur ein Teil aufgestellt. Doch bei Sonnenschein, so der Wunsch von OB Pöltl und Musikhistoriker Thomsen-Fürst, sollen die Bänke bestens besetzt sein und ein Lauschangriff auf die Musikstücke (durchaus 17 Minuten lang) erfolgen. Aber dann am besten mit Kopfhörern, um andere „HörBar“-Nutzer nicht zu stören. kaba

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