Schwetzingen

Rokokotheater Glänzendes Benefizkonzert mit dem Jugendsinfonieorchester Mannheim

Applaus will nicht enden

Archivartikel

„Eine Win-win-Situation für alle“ - besser konnte es Dirigent Jan-Paul Reinke nicht treffen. Die ambitionierten Musiker des Jugendsinfonieorchesters Mannheim freuten sich, vor der wunderschönen Kulisse des Rokokotheaters auftreten zu dürfen, das dankbare Publikum genoss wiederum ein klangliches Erlebnis auf höchstem Niveau.

Durch die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der Mozartgesellschaft und dem Lions-Club-Hilfswerk Schwetzingen gewann das Konzert auch eine soziale Komponente hinzu. Der Erlös der Benefizveranstaltung ging zugunsten aktueller regionaler Hilfsprojekte. Bereits zum zweiten Mal war das Jugendsinfonieorchester für diesen Anlass engagiert worden. Unter der Leitung von Jan-Paul Reinke präsentierten die 76 Jugendlichen Teile ihres neuen Programms, mit dem es in vier Wochen auf Frankreichtournee geht.

Ruhig, aber vielversprechend erklang der Anfang der Sinfonischen Dichtung Op. 108 von Antonin Dvorak. In einer packenden Geschichte nahm „Die Mittagshexe“ Gestalt an und zog die Zuhörer mit in unheimliche Tiefen. Mit ausladenden Bewegungen führte Reinke das Orchester zum klanggewaltigen Finale. Auf den Trommelwirbel folgte der erste tosende Applaus des Abends. Davon hatte Svenja Ballreich bestimmt schon einige miterlebt. Die Cellistin ist seit 2013 Mitglied des Orchesters, in dem sie seit zwei Jahren die Stimmführung bei den Celli übernommen hat.

Talente zeigen ihr Können

Bei jedem Jahresprogramm werden nicht nur Profimusiker als Solisten engagiert, auch junge Talente aus den eigenen Reihen dürfen diese besondere Erfahrung machen. Svenja stellte sich dieser Herausforderung und präsentierte unter größter Konzentration das „Adagio con variazioni“ von Ottorino Respighi. Den Blick zu Boden gerichtet zauberte Svenja einen schönen, warmen Ton aus ihrem Instrument. Die Spannung fiel erst von ihr ab, als der Applaus ihre Mühe entlohnte. Das erste Lächeln und ein dankbarer Blick galten dem Dirigenten. Reinke hat das Orchester im Jahr 2016 übernommen und wertet die Arbeit mit den jungen Musikern als „gewinnbringend als Mensch“.

Auch wenn der Erarbeitungsprozess etwas länger dauert, so kommt das Ergebnis dem eines Profi-Orchesters nahezu gleich. „Der Anspruch muss der gleiche sein“ – mit dieser Einstellung erarbeitet der erfahrene Dirigent jedes Jahr ein neues Programm, das sich sehen und hören lässt.

Ein stimmiges Bild für Augen und Ohren war auch der Auftritt von Marie Lehmann. Im feurig-roten Kleid spielte die Geigerin die weltbekannten „Zigeunerweisen“ von Pablo de Sarasate. Jeder Ton überzeugte in der Interpretation der Solistin. Mal feurig, dann wieder klagend spiegelte ihre Geige das ganze Kolorit der Musik wider. Aber auch technisch stand ihr Spiel in nichts nach, beinahe spielerisch bewältigte sie das Tempo im zweiten Teil.

Wie es sein kann, dass Marie und Svenja neben dem Abitur Zeit für solch ein virtuoses Programm fanden, bleibt ein Geheimnis. Nach den Sommerferien werden beide andere Wege gehen und doch dem Sinfonieorchester Mannheim immer verbunden bleiben – so wie andere Ehemalige immer wieder zurückkehren.

Nach der Pause erlebte man das Orchester wieder als großes Ganzes. Vier Sätze aus der 5. Sinfonie von P. I. Tschaikowsky führten vom gemäßigten Andante über einen charmanten Walzer zum festlichen Finale des Abends. Nachdem jede Instrumentengruppe sich verbeugt hatte und der Applaus trotzdem nicht nachließ, gab es als Zugabe das lustige Stück „Tico-Tico“.

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