Schwetzingen

Bahnjubiläum Neue Motivbank und Erinnerungstafel im kleinen Kreis eingeweiht

Auch damals nicht gefeiert

Fast wie bestellt, hielt just in dem Moment, als Bürgermeister Matthias Steffan seine Rede beginnen wollte, ein ICE im Schwetzinger Bahnhof, aber es war nur ein signalbedingter kurzer Stopp des Zuges, der wegen Bauarbeiten derzeit nicht wie gewohnt über die Neubaustrecke fahren kann. Aber es hätte durchaus eine geplante Aktion werden können, wenn Corona nicht einem Bürgerfest mit Sonderfahrten anlässlich des 150. Geburtstags der auch als Rhein- oder Rheintalbahn bekannten Strecke Mannheim – Karlsruhe einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

So traf sich am Donnerstagvormittag nur ein kleiner Kreis, um die neueste Motivbank der Stadt – wie alle anderen von Klaus-Peter Deimann entworfen und vom städtischen Bauhof umgesetzt – und die daneben stehende Geschichtstafel über die Bahn einzuweihen.

Sogar die Beatles fuhren durch

Bürgermeister Matthias Steffan – sein Opa war übrigens Lokführer und sein Vater Lehrling im ehemaligen Ausbesserungswerk (AW) – betonte die Bedeutung der Eisenbahn für Schwetzingen als Gewerbe- und Industriestandort. Ansiedlungen wie Pfaudler oder Bassermann und damit die Schaffung von vielen Arbeitsplätzen wären ohne die Bahnanbindung nicht möglich gewesen, ganz zu schweigen vom AW.

Zusammen mit Stadtarchivar Joachim Kresin und Lars Maurer vom Karl-Wörn-Haus blickte Steffan auch kurz in die wechselvolle Geschichte der Eisenbahn in der Stadt und erinnerte beispielsweise daran, dass vor 54 Jahren sogar die Beatles hier durchgefahren sind. Maurer wusste, dass auch die Jungfernfahrt am 4. August 1870 nicht festlich begangen wurde. Denn wenige Tage zuvor hatte der Deutsch-Französische Krieg begonnen und die ersten Züge hätten schon seit Ende Juli verwundete Soldaten ins Reservelazarett im Schloss gebracht. Zudem wies er darauf hin, dass Schwetzingen zehn Jahre später ein Knotenpunkt gewesen ist – mit den längst eingestellten Verbindungen nach Speyer und Heidelberg sowie der jüngst wieder aufgenommenen Strecke zur Main-Neckar-Bahn Richtung Friedrichsfeld.

Joachim Kresin zeigte auch die bauliche Entwicklung als Folge der Eisenbahnstrecke auf. So seien bald schmucke Villen an der heutigen Bahnhofsanlage entstanden, in denen Unternehmerfamilien wie Neuhaus, Bassermann, Ihm oder Dussel gewohnt hatten – obwohl die „Straße“ anfangs in einem furchtbaren Zustand gewesen sei: „Es hat 20 Jahre gedauert, bis sie nutzbar war“, erzählte der Stadtarchivar. Leider seien nicht mehr alle dieser Häuser erhalten. Heute würden übrigens täglich etwa 320 Züge durch den Bahnhof fahren, berichtete Bürgermeister Steffan – den ICE von eben nicht eingerechnet.

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