Schwetzingen

Auf der Suche nach dem rechten Maß

Archivartikel

Rudolf Steinhübel, Lehrer für Musik, GK und Ethik am Hebel-Gymnasium, über Singen in der Corona-Krise

Nach aktuellem Stand ist das schulische Singen und Musizieren mit Blasinstrumenten im kommenden Schuljahr in geschlossenen Räumen streng verboten. Dem Wortlaut der Verfügung entsprechend wäre es selbst mir als Musiklehrer untersagt, bei offenen Fenstern, Mindestabstand und Mundschutz der Klasse eine Melodie vorzusingen, während dies und viel mehr meinen Kolleginnen und Kollegen in der örtlichen Musikschule unter Einhaltung strenger Auflagen gestattet ist.

Es geht mir nicht um die hinter dem Verbot stehenden Sorgen. Auch ich möchte nicht gefährdet werden beziehungsweise meine Schülerinnen und Schüler gefährden. Es geht um das rechte Maß!

Warum lohnt es sich, darüber nachzudenken?

Musiktheorie und Musikgeschichte etc. blieben unerschlossen, wenn es nicht die Möglichkeit gäbe, Musik sinnlich und emotional über das eigene Tun zu erleben. Dies gilt für den Unterricht und vor allem für die Musik-AGs. Zurecht beklagen sich viele Musiklehrkräfte schon jetzt über ein Auseinanderbrechen dieser Arbeitsgemeinschaften angesichts der großen Einschränkungen.

Singen und musizieren auf Instrumenten ist ein zentraler Bestandteil musikpädagogischen Handelns. Es vermittelt Sinn und Freude, schafft Gemeinschaft und erschließt den Menschen Welten, die ihnen sonst verborgen bleiben. Dies sollte man gerade in Zeiten der Corona-Krise weiterhin nutzen.

Mittlerweile ist der wachsende Unmut von Musikpädagoginnen und -pädagogen, Musikschaffenden und Verbänden aus dem Musik- und Kulturbereich über diese strenge Richtlinie angekommen. Über entsprechende Lockerungen wird nachgedacht.

Welche sinnvollen Auflagen sollten unbedingt eingehalten werden? Sicher gehört dazu ein großer Mindestabstand, eine gute Be- und Durchlüftung der Räume und eine den räumlichen Verhältnissen angepasste Teilnehmerzahl. Diese Maßnahmen können organisiert beziehungsweise gewährleistet werden und erscheinen angemessener als ein kategorisches Verbot.

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