Schwetzingen

Rathaussturm Erstmals tritt SCG-Präsident Peter Lemke gegen Oberbürgermeister Dr. René Pöltl an / Neuer Narrengeneral meistert Schlagabtausch mit Bravour

Auf Wortduell folgt brisantes Autorennen

Dieser Rathaussturm markiert eine Zeitenwende. Seit gefühlt immer stürmte Hans-Joachim Förster an der Spitze der Schwetzinger Carneval-Gesellschaft (SCG) zum Auftakt der Narrenzeit das erste Haus der Stadt. Doch dieses Mal übernahm ein Neuer den SCG-Generalposten: Präsident Peter Lemke. Und der führte seine Truppen - so viel vorab, - ebenfalls sehr erfolgreich in die Schlacht.

Dem Rathauschef Dr. René Pöltl blieben am Ende nach dem Wort- und Bobbycar-Gefecht wie immer nur das Eingeständnis der Niederlage und die Herausgabe des Rathausschlüssels. Es sei aber nicht wirklich schmerzhaft, gestand der OB. Im Gegenteil: Diese Niederlage mache Spaß, so Pöltl nach seiner närrischen Außerdienststellung. Lustvolle Niederlagen, das sind der wohl beste Beleg für den närrischen Ausnahmezustand in der kurfürstlichen Residenz.

Die Wutz bleibt in aller Munde

Spannend war die Rathausschlacht am Samstag trotzdem. Nachdem sich der SCG-Tross bei sehr trüben Wetter vor dem Rathaus versammelte, übernahm Lemke das Zepter und las dem OB die Leviten. Die Sau, die mit halb nacktem Kurfürst und leicht bekleideter Muße dem Schloss die wohl bespeckte Kehrseite zeige, sei der wohl größte Stachel im Fleisch der Öffentlichkeit. Zu Gute hielt er dem Pöltl, dass Schwetzingen mit dieser Sauerei wenigstens in aller Munde sei und sie so auch ihren Weg auf den aktuellen Narrenorden - von Manfred Bender gestaltet - gefunden habe.

Auch die Geschehnisse in der Mannheimer Straße scheinen den Narrenhorden aufzustoßen. In der historischen Innenstadt ein postmodernes Welde-Stammhaus sei ein Kind, das in den Brunnen gefallen sei. Und das gelte in den Augen des SCG-Generals auch für die Hotelpläne für den Alten Messplatz. In der Stadt mit zu wenigen Parkplätzen so viele Parkplätze zu vernichten, sei ein wahrer Schildbürgerstreich, so Lemke.

"Wilde Mischung aus alt und neu"

Worte, die der Oberverteidiger so natürlich nicht stehen lassen wollte. Allein schon das Klopfen der Narren an der Rathaustür sei ein Affront. Bedeute das doch eine empfindliche Störung für das "Schlafparadies Rathaus". Und dann auch noch von Narren den Spiegel vorgehalten bekommen, "einfach unerhört". Die Sau, das gestand der Oberbürgermeister ein, sei "die größte Schweinerei aller Zeiten". Aber genau deswegen bereite sie dem Rathauschef Freude und zwar Tag für Tag. Und in der "Monnemer Straße" ein historisch-architektonisches Kleinod zu entdecken, deute auf viel Chuzpe hin. "Eine wilde Mischung aus alt und neu", da passe das neue schicke und moderne Weldehaus bestens hin. Und die Parkplätze, die so schrieb der Mann dem Narr ins Tagebuch, kämen in den Untergrund. Es war ein Wortgefecht auf Augenhöhe zwischen Pöltl und Lemke, so dass am Ende das erste kurfürstliche Bobbycar-Rennen entscheiden musste.

Nach dem weithin hörbaren Startschuss durch die Churfürstlichen Böllerschützen-Compagnie entschied Lemke das Rennen knapp für sich, sodass das Ringen um den Rathausschlüssel nur noch Formsache war. Bis Aschermittwoch ist das Rathaus nun wieder fest in Narrenhand. Ahoi!

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