Schwetzingen

Museum Blau Dr. Dietmar Schuth stellt zum Saisonabschluss ein neues Exponat vor / Natürlich passen die Musikstücke zur Ausstellung

Aus der blauen Rock-Ola schallt’s blau

Obwohl der Himmel nicht ganz zur Ausstellung im Museum Blau in Schwetzingen passte, Fernweh und Sehnsucht entstanden dennoch in den Köpfen der Besucher. Der Vorsitzende Dr. Dietmar Schuth stellte am letzten Öffnungstag der Saison das neue Herzstück des Museums vor: eine Rock-Ola aus den 1960er Jahren. Nicht nur die Beschaffung aus Rumänien erforderte Zeit und Kraft, sondern auch das Instandsetzen, sprich, das Säubern und „Füttern“ mit Musikstücken, erzählte der Cyanologe, der sich diesem Thema verschrieben hat.

Er lädt die Besucher auf eine musikalische Zeitreise zwischen 1950 und 1989 ein, denn danach wurden die Singles durch CDs ersetzt. Schuth berichtete, er habe das Thema „Blau“ umfassend erforscht, das Thema Musik habe ihm noch gefehlt. So ließ er wissen, dass diese Musikboxen typisch für die Nachkriegszeit waren und Männer sich heute noch mehr für das Interieur der Mechanik wie für die Musik interessierten. Vinylplatten erleben derzeit wieder eine Renaissance und so startete der „DJ Dietmar“ mit „Kornblumenblau“ von Werner Preuß (1957): Naturseligkeit, Wandervogelbewegung und der „Rauschzustand“ wird hier besungen, der nicht nur von Liebesanwandlungen herrührte. Auch im nächsten Lied von Fritz Wunderlich (1956) „Vergiss-meinnicht“ wird die Melancholie spürbar, eben der „Blues“, die Tragik nach unerfüllter Liebe. Gudrun Krockenberger (74) aus dem Hirschacker summte begeistert mit und die blau lackierten Fingernägeln zeigten, dass sie bestens auf das Motto eingestellt war. Sie erinnere sich sehr gerne an die Musik, die sie damals im Südwestfunk hörte.

Ein Cha-Cha- Cha von Heinz Erhardt mit dem Titel „Veilchen“ leitete die Gruppe der humoristischen, von Alkohol beseelten Lieder ein und der Fachmann in Sachen Blau forderte zum Mitsingen und Mittanzen ein, was nach dem Zwiebelkuchen und neuen Wein aus (wie kann es anders sein) blauen Gläsern leichter fiel. Selbst als die Deluxe 441 Box mal versagt, legt Schuth Hand an und bringt das Museumsstück wieder zum Laufen.

Von „Blue Velvet“ bis „Blue Eyes“

Liebesklagen sind ja so alt wie die Menschheit und wurden in der Lyrik bereits im 12. und 13. Jahrhundert beschrieben. Liebeskummer besingt auch Elvis Presley in seinem „Blue Moon“ (1955) und – so klärt der Fachmann auf – bedeute dies ja den zweiten Mond in einem Monat und stelle ein Synonym für unglücklich Verliebte dar. Theresia Liebregts (Jahrgang 1941) gerät ins Schwärmen: Sie sei damals 15 Jahre alt gewesen und in Holland habe Mainstreampublikum englische Lieder angehört. Mit glänzenden Augen erzählte sie, dass alte Jugenderinnerungen beim Hören dieses Songs hochkämen. Man konnte mit Elvis dahinschmelzen, auch wenn seine Stimme außerordentlich hoch war. Über den Atlantik ging es mit dem nächsten Titel von Ray Charles „Am I blue“ und Schuth erklärte, dass die „Blue Note“ den träumerisch-melancholischen Akzent in der schwarzen Musik setzte; es ginge nicht um die Sprache, sondern hier wurden Gefühle des verlassenen Liebhabers in Musik umgesetzt.

„Haben wir noch Taschentücher?“ fragte der Museumschef in die Runde. Bei „Blue Velvet“ (1963) mit Bobby Vinton spürt man: Reine Liebe ist einfach nicht auszurotten und so sinniert auch das Lieblingslied „Blue Eyes“ von Elton John über das Thema Liebe und Sehnsucht. Zum Schluss erschallte der italienischen Dauerbrenner „Azzurro“ von Adriano Celentano; dies war die einzige Platte, die der Blausammler in der Musikbox vorfand. Die „blues“ige Stimmung hellte sich bei weiteren Gesprächen auf und aus den 50 Liedern konnte nun jeder selbst die Freispieltaste drücken. Matthias Finger (50) lobte als „Blaufreund“ die didaktische Aufbereitung des Themas und hofft, dass sich zu den über 1500 Exponaten noch weitere Gegenstände finden lassen. liso

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