Schwetzingen

Bürgerinitiative Bahnlärm Kommunen dürfen sich nicht gegeneinander ausspielen lassen

Bahn und Politik in Bringschuld

Bürgerinitiativen geraten oft in den Verdacht, Sammelbecken von Ich-Vertretern zu sein, die auf die Allgemeinheit bezogen, meist wenig konstruktiv sind. Ganz anders erscheint hier gerade die frisch gegründete Bürgerinitiative gegen den Bahnlärm in Schwetzingen. Gleich zu Beginn des Stammtisches im „Blauen Loch“ machte Herbert Brenner klar, dass er ein ausgesprochener Bahnfan sei. Der Slogan, Güter von der Straße auf die Schiene, sei folglich völlig richtig.

Die Frage sei nur, wie genau dieses aus umweltpolitischer Sicht wichtige Ziel erreicht werden könne und welche Belastungen für den Bürger damit einhergehen. Auf keinen Fall dürfe nach der Maßregel „mehr vom Gleichen“ verfahren werden. Die von Güterzügen ausgehende Lärmbelastung sei jetzt schon erheblich und stiege bei dem erwarteten Wachstum ins Unerträgliche.

Ein Satz, der dem Ehepaar Eva-Maria und Ludwig Peter aus der Rheintalstraße besonders wichtig war. Denn gerade im Sommer sei an Schlaf bei offenem Fenster gar nicht mehr zu denken. Die Aussicht auf noch mehr Güterzüge sieht aus ihrer Perspektive erschreckend aus. Dabei gebe es doch Lösungen. Die Züge können technisch so gebaut werden, dass sie leiser sind. Vereinzelt, so die Peters, würden Güterzüge vorbeifahren, die schon jetzt dahinschnurren, aber leider bewege sich die Quote im Promillebereich.

Auch CDU-Stadträtin Rita Erny findet, dass die Bahn einige Möglichkeiten habe, um die Bürger vor Lärm zu schützen. Bahn und Politik, so Erny, seien in der Bringschuld. Eine Sicht, die unter den knapp 20 Teilnehmern des Stammtisches gegen den Bahnlärm einhellig unterstützt wurde. Zusätzlich zu den technischen Maßnahmen an den Zügen und Gleisen wurde dann auch die Infrastruktur begutachtet. Denn so wichtig wie die Technik sei auch die Streckenführung.

Pfingstbergtunnel ausbauen

Es sei nur schwer vorstellbar, so Brenner, dass der gesamte Zugverkehr von Rotterdam bis Genua durch Schwetzingen fahren soll. „Hier müssten Umfahrungen geschaffen werden.“ Eine Möglichkeit sei der Ausbau des Pfingstbergtunnels beim Mannheimer Stadtteil auf der Strecke Mannheim-Stuttgart. Aber Brenner und Mitstreiter wie Jürgen Raubenheimer dachten hier im Weldesaal auch über große Lösungen nach. „Wir müssen aufpassen, dass die einzelnen Gemeinden und Städte nicht gegeneinander ausgespielt werden.“

Die Politik müsse Lösungen suchen, die den Bürger vor Lärm schütze, egal ob sie in Schwetzingen, Oftersheim, Weinheim, Hockenheim oder Mannheim lebten. Die Wegeplanungen für die Bahn müsse auch immer die Interessen der Bürger im Auge behalten. Und Lärmpegel bis zu 80 Dezibel, so Raubenheimer, seien garantiert nicht im Interesse der Bürger. Dabei wussten hier alle, dass das Geld koste.

Doch vielleicht sei das sinnvoll investiertes Geld. Denn die Akzeptanz der Bahn und damit indirekt auch der Politik, davon waren hier alle überzeugt, könne von umfassenden Lärmschutzmaßnahmen nur profitieren. Stünden damit doch die Interessen der Bürger gleichberechtigt neben den ökonomischen Gewinn- und Effizienzinteressen. Das wäre, so Brenner, auch ein probates Mittel gegen Politikverdrossenheit. Bürger, die gehört und beachtet werden, würden nur selten Wutbürger, die jeden Kompromiss als Niederlage begreifen und damit den demokratischen Diskurs verlassen.

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