Schwetzingen

Palais Hirsch Wolfgang Schröck-Schmidt gestaltet einen spannenden Parcours durch die Geschichte

„Barcode“ fürs Gehirn zeigt Dichte der Ereignisse

Zur Veranstaltungsreihe „Geschichte und Heimatgeschichte“, die von der Volkshochschule in Zusammenarbeit mit der Badischen Heimat und dem Stadtarchiv angeboten wird, hieß Gundula Sprenger den Referenten, Kunsthistoriker Wolfgang Schröck-Schmidt, sowie zahlreiche interessierte Besucher, darunter auch Finanzminister a. D. Gerhard Stratthaus, im Tagungsraum des Palais Hirsch willkommen.

Unter dem Titel „Schwetzingen, das Schloss, die Stadt und die Pfalz – Pfälzer Geschichte in fünf Minuten?“ umriss der Kunsthistoriker eine Zeitspanne aus der Geschichte der Region, die sich von 1350 bis 1803 erstreckte. „Das heißt jedoch nicht, dass Sie in fünf Minuten nach Hause gehen dürfen“, scherzte Sprenger, „um etwas über Schwetzingen, das Schloss und die Pfalz zu hören, müssen Sie schon 90 Minuten ausharren.“ Die „fünf Minuten“, erklärte sie, beziehen sich auf die Zusammenfassung der Daten in Form eines „Barcodes“, den sich die Zuhörer selbst im Hirn einscannen können und so diese niemals vergessen werden. „Um dieses umfangreiche Wissen zu sammeln, braucht man mindestens ein Vierteljahrhundert“, hob die Leiterin der Volkshochschule die Leistung des Kunsthistorikers hervor. Im Laufe vieler Jahre hat er unermüdlich historische Daten gesammelt, die er nun in einer Präsentation den Zuhörern vorführte, dies in Form von historischen Karten, Grafiken, Zahlen, Bildern und alten Zeichnungen. So stellte er anhand von waagerechten Linien in Form eines „Barcodes“ die Dichte der Ereignisse, die sich zwischen 1350 bis kurz nach 1800 abgespielt haben, anschaulich dar. Sehr gut konnte nachvollzogen werden, dass für die Zeit der Kriege und Fehden in der Pfalz wie die Schlacht bei Seckenheim (1462), der Landshuter Erbfolgekrieg (1504), die Bauernaufstände 1524/25, deren Anführer Anton Eisenhut in Bruchsal hingerichtet wurde, der Barcode viele Leerstellen aufwies, ebenso beim Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) oder beim Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688 – 1697).

Interessanter Blick von Osten

Eine größere Dichte von Ereignissen fanden in Verbindung mit dem Ausbau des Schlosses unter Ludwig V. statt, die bis zur Zeit Carl Theodors anhielten. „Für viele Daten hat Hans Sperber mit seiner Chronik der Stadt Schwetzingen (766 – 1982) verdienstvolle Vorarbeit geleistet“, informierte der Referent, „leider nannte Sperber die Quellen nicht.“ Aus den mehr als fünftausend Daten, die Schröck-Schmidt zusammengetragen hat, kann man jedoch auf signifikante Zusammenhänge und Fakten schließen, sagte er. Anhand von Karten wie jene, die Sebastian Münster (1488 – 1552) im Jahr 1520, anfertigte, konnten sich die Anwesenden ein Bild machen von der Bodenstruktur des Gebiets, der Lage, in der sich das Dorf Schwetzingen, das 1759 von Carl Theodor zum Marktflecken erhoben wurde, in Bezug zu den umliegenden Städten wie Heidelberg, Speyer, Worms oder Hockenheim befand, den Wegen, die sie miteinander verbanden sowie der Einwohnerzahl und Infrastruktur.

Durchaus interessant zu betrachten waren die erste Darstellung Schwetzingens auf einen Holzdruck von 1622 mit Blick von Osten auf das Heidelberger Tor und zwei Ansichtsskizzen, die Samson Schmalkalder um 1690 anfertigte. Sie vermittelten eine Ahnung von dem Zustand, in welchem sich Schwetzingen damals befand. Die Entwicklung des Schlosses, sein Umbau, seine Zerstörung und den Wiederaufbau sowie seine Bedeutung zeigte der Referent ebenfalls auf. Auch auf die Regierungszeiten der Kurfürsten ging er anschaulich ein, stellte die Kirchenbauten vor, die Rathäuser in der Pfalz, die Gründung der Heidelberger Universität von 1386, die für den Humanismus steht, den die Region bis heute prägt sowie deren 18 Professoren. Schließlich ging er auf die Bedeutung des „guten, philosophischen Carl Theodor“ ein, „der völlig zu Unrecht draußen auf einem Schwein sitzt“.

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