Schwetzingen

Inklusion Beirat will Rampenprojekt wieder angehen / Kosten für Pfaudler-Areal-Erschließung enorm

Barrierefreie Wohnungen rar

Der „Beirat für Inklusion“ (BIS) traf im Rathaus zur zweiten Sitzung in diesem Jahr zusammen. Das rund 30-köpfige Gremium ist die Nachfolgeinstitution des Behindertenbeirats. Der alle sechs Wochen tagende „Runder Tisch inklusives Schwetzingen“ (RIS) informiert den Beirat, der wiederum als Empfehlungsgremium für den Gemeinderat fungiert.

Oberbürgermeister Dr. René Pöltl wandte sich in einem Grußwort an die Versammlung. Es sei eine tolle Idee, dass der Beirat als sehr erfolgreiches Modell aus der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft gestaltet werde. Sitzungsleiterin Gundula Sprenger sprach von einem intensiven Jahr mit vielen Begegnungen und Gesprächen. Nicole Blem wies auf die RIS-Sitzungen hin.

Gerhard Rummel ging ins Detail. Für das Jahresthema „Barrierefreies Bauen und Wohnen“ habe man sich Fachleute gesucht. Bei Terminen mit Bürgermeister Matthias Steffan und Bauamtsleiter Joachim Aurisch war es um privates Bauen und um Baumaßnahmen der Stadt gegangen. Das Thema Bauen und Wohnen wolle man nicht aus den Augen verlieren. Die Begehung der Karlsruher Straße habe viel gebracht. Zwar habe er sich mehrere barrierefreie Übergänge mit abgesenkten Bordsteinen gewünscht, so Rummel, doch insgesamt könne man mit den Planungen für die abschnittsweise Umgestaltung der Karlsruher Straße zufrieden sein. Vor kurzem hatte die Verbandszeitschrift des Gemeindetages Baden-Württemberg die Bemühungen für Inklusion in Schwetzingen in einem Artikel gewürdigt.

Im Sommer war ein neues Logo vorgestellt worden: „Schwetzingen lebt inklusiv.“ Anne-Marie Ludwig blickte auf die 2014 begonnene Aktion „1001 Rampen“ zurück. Mit Hilfe einer Aluminium-Rampe kann Menschen mit Handicap der Zugang zu Geschäften oder Behörden erleichtert werden. Jetzt soll das Projekt wieder angegangen werden, so Ludwig: „Die Zeit ist reif, es gibt noch Bedarf in der Stadt.“

Unterstützung gewünscht

Der Stadtführer „Hürdenlos“, die Infoplattform für einen barrierefreien Zugang, soll aktualisiert werden. Das bedeute viel Arbeit, führten Ulla Coppius und Günter Proetel aus. Objekte müssen von ehrenamtlichen Helfern vor Ort in Augenschein genommen, überprüft oder aktualisiert und nach bestimmten Kriterien bewertet werden. Dann folge die Zertifizierung der Einrichtungen, Geschäfte, Praxen und Apotheken mittels Urkunde und Aufkleber, der sichtbar im Eingangsbereich angebracht wird. Auch für die Unterstützung bei der Digitalisierung und die Erfassung und Pflege der Datensätze würden dringend Helfer gesucht, bat Proetel um Bewerbungen. Wer mitmachen möchte, kann sich gerne im Generationenbüro melden.

Neben den Personalressourcen für die redaktionellen Aufgaben bräuchte man auch die entsprechenden Räumlichkeiten, meinte Ulla Coppius. Wo die Ehrenamtlichen unterkommen können, ist aber noch nicht klar. Unterstützung bei der Redaktionsarbeit durch die Verwaltung dürfte kaum möglich sein.

Der kommunale Behindertenbeauftragte des Rhein-Neckar-Kreises, Patrick Alberti, referierte über Barrierefreiheit. Auch bei der Digitalisierung sei das ein Thema. „Der Weg der Inklusion beginnt beim Nachdenken über den eigenen Standpunkt“, meinte Alberti. Bis 2035 würden in Deutschland eine halbe Million barrierefreie Wohnungen fehlen. „Wenn wir die gesellschaftliche Solidarität stärken wollen, kommen wir nicht umhin, den inklusiven Gedanken umzusetzen. Die Frage lautet, wie wir es schaffen können, Sozialräume so zu entwickeln, dass gute Begegnungen auf Augenhöhe stattfinden und alle Menschen das finden, was sie brauchen, um ein gutes Leben führen zu können“, appellierte er an die Runde. Die Beiratsmitglieder blickten auf das nächste Jahresthema „Verkehr und Mobilität“.

Ob der Runde Tisch weiterhin mittwochs stattfinden soll, wurde noch nicht abschließend diskutiert. Gemeinderäte könnten dann nicht immer kommen, weil Rat und die Ausschüsse auch mittwochs tagen. Ursula Coppius fragte nach der Wohnungsbaugesellschaft und der Bebauung des Geländes der ehemaligen Spargelgenossenschaft. Die Gesellschaft sei in Gründung, erstes Projekt werden der Abriss und Neubau der Lindenstraße 56 sein, dann komme das Gelände der Spargelgenossenschaft dran“, antwortete Pöltl. Der Rathauschef ging noch auf die Bebauung des ehemaligen Pfaudler-Geländes ein. Schon die Erschließung des Areals koste extrem viel Geld. Nicht alle Ideen könnten immer wie gewünscht umgesetzt werden: „Die Summe der Dinge kann kein Investor verwirklichen, wenn er nicht Mondpreise verlangen will. Dann ist aber der Großteil der Menschen, vor allem diejenigen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, ausgeschlossen. Es braucht pfiffige Anregungen und Kreativität für die Dinge, die auch machbar sind.“ Der „Beirat für Inklusion“ könne natürlich bei den Planungen mit dem Investor eingebunden werden, versprach Pöltl.

Das nächste Treffen des „Runden Tischs inklusives Schwetzingen“ ist für Mittwoch, 29. Januar, um 17 Uhr in der Volkshochschule geplant.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional