Schwetzingen

Neujahrsempfang OB Pöltl blickt auf Drais-Jubiläumsjahr und viele weitere Ereignisse zurück / Gemeinschaft leide unter zunehmendem Egoismus / 2018 werde ein Jahr mit vielen Projekten

Bebauung des Alten Messplatzes ist wohl passé

„Das öffentliche Wohl soll das oberste Gesetz sein“ – diesen Satz des römischen Redners und Staatsmanns Cicero hatte Oberbürgermeister Dr. René Pöltl (kleines Bild) gestern Abend an den Anfang seiner Ansprache beim Neujahrsempfang im Lutherhaus gestellt. Dieser Ausspruch zog sich wie ein roter Faden durch seine Rede, mit der er zum Ausdruck brachte, was ihm in der heutigen Gesellschaft und in einer Stadt wie Schwetzingen besonders wichtig ist und was seiner Meinung nach oft zu kurz kommt. Deswegen hatte er seine Worten zum Jahresbeginn mit dem Begriff „Gemeinschaft“ als Grundaussage und Mittelpunkt überschrieben.

Warum? „Weil ich beobachte, wie wir zunehmend in einer Gesellschaft leben, in der sich der Einzelne für den Mittelpunkt hält, wo sich das ,Ich’ in den Vordergrund drängt, wo sich ,normale’ Menschen für die wichtigsten und größten halten und die Gemeinschaft unter dieser Entwicklung leidet“, erklärte Pöltl. Der Egoismus scheine im Vormarsch zu sein, der Blick richte sich immer mehr auf sich selbst und nicht mehr auf die anderen, das eigene Wohl und nicht das der Gemeinschaft stehe im Vordergrund.

Deswegen appellierte er an die Anwesenden und alle Mitbürger, in Schwetzingen die Gemeinschaft und das Miteinander zu bewahren, zu pflegen und deren Wert zu erkennen: „Der Egoismus des Einzelnen wird uns nicht helfen, unsere Stadt als Wertegemeinschaft und guten gemeinsamen Lebensraum fortzuentwickeln.“

Vieles fand sich in seinem Rück- und Ausblick wieder: Ereignisse aus 2017 wie das gelungene Drais-Jubiläumsjahr, der 25. Geburtstag der Städtepartnerschaft mit Pápa, der Abschluss des Waisenhaus-Projektes in Sri Lanka oder der Kraftakt der Anschlussunterbringung von rund 130 Flüchtlingen.

Parkfläche wichtig

Ein Aspekt sorgte aber im Saal – der nicht so gut gefüllt war wie in den Vorjahren – für besondere Aufmerksamkeit: die mögliche städtebauliche Nutzung des Alten Messplatzes mit dem offensichtlichen Reizthema Überbauung für Wohnungen und ein Hotel. „Das hat die Bürger bewegt“, meinte Pöltl und erwähnte die Unterschriftenaktion für den Erhalt der Parkplätze, an der sich 3000 Menschen beteiligt hatten. Die Wichtigkeit der Fläche als Parkplatz sei von Anfang auch vom Gemeinderat und von ihm so gesehen worden: „Diese grundlegende Frage wird für die Entscheidung, ob der Alte Messplatz überhaupt anders genutzt wird, zentral sein.“

Zwar stehe noch die Veröffentlichung des Hotelgutachtens aus. Aber aus seinen Worten gestern Abend war herauszuhören, dass das Projekt vermutlich so keine Umsetzung finden wird. „Meine persönliche Einschätzung ist, dass die Umnutzung des Alten Messplatzes aktuell mit so vielen Herausforderungen, Hürden, Folgen und Nachteilen verbunden wäre. So wie sich das derzeit darstellt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir dieses Projekt angehen.“ Sobald die notwendigen Fakten abschließend vorlägen, könne der Gemeinderat eine entsprechende Entscheidung treffen. Wenn sie unterbleibt, sei allerdings zu überlegen, wie man mit der Gestaltung des wenig ansprechenden Parkplatzes, mit dem Erhalt des Rothackerschen Hauses und der Nutzung der Brachfläche der Alten Spargelgenossenschaft umgehe. „Denn – Hand aufs Herz – schön ist die Asphaltfläche nicht“, betonte der OB.

Entscheidendes Planungsjahr

Doch nicht nur das werde die Stadtverwaltung und den Gemeinderat 2018 beschäftigen, es gebe viele weitere Projekte: zum Beispiel Investitionen für die weiteren zwei S-Bahnhaltepunkte, die Neustruktur und Verbesserungen auf dem Friedhof, das Sanierungsgebiet Herzogstraße, die Umbauplanung für die Karlsruher Straße, eine Verkehrserleichterung für das Rondell, die Erschließung und Entwicklung des Areals südliches Ausbesserungswerk oder die planerischen Überlegungen für die Erweiterung der Oststadt, auch wenn der Gemarkungstausch mit Plankstadt immer noch nicht erfolgt sei. Und da stehen noch die Vorbereitungen für das künftige Wohngebiet auf dem Pfaudler-Gelände an: „2018 wird ein entscheidendes Planungsjahr.“

Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Kernaufgaben einer Kommune wie die ständig steigenden Aufgaben in der Kinderbetreuung. „Wir haben Kinder, Kinder, Kinder – schöner kann’s eigentlich nicht sein. Aber dafür müssen wir arbeiten, arbeiten, arbeiten“, damit sorgte René Pöltl für ein Schmunzeln im Saal, in dem sich die Menschen anschließend noch lange in Gesprächen austauschten – und damit Pöltls Themenwort „Gemeinschaft“ in die Tat umsetzten.

Info: Weitere Bilder gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de

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