Schwetzingen

Musik im Park Konzertveranstalter Rolf Weinmann zieht eine positive Bilanz / Bekanntheitsgrad der Künstler lockt viele Musikfreunde an / Bestuhlung Fluch und Segen

Beherrschendes Thema: die Taschengröße

Ein „grundlegend positives Fazit“ zieht „Musik-im-Park“-Veranstalter Rolf Weinmann (Bild). Der Geschäftsführer von der Konzert- und Theateragentur Provinztour hat dabei nicht nur den Blick auf die knapp 16 000 Konzertbesucher an den vier Open-Air-Tagen im Schlossgarten – eine stattliche Zahl, die sowohl dem Bekanntheitsgrad als auch sicher dem Alter zumindest dreier Sänger geschuldet sein dürfte. Und: „Die Künstler waren alle sehr gut“, so Weinmann, der nachschiebt, dass von Joan Baez über Van Morrison und Tom Jones bis hin zu Ina Müller alle sehr unkompliziert gewesen seien. Das erlebt ein Konzertveranstalter auch nicht alle Tage.

Besonders Van Morrison habe ihn überrascht: „Das Tourmanagement war komplett aus dem Häuschen, weil der Künstler mit dem Publikum gesprochen hatte, es zum Tanzen aufforderte. Das würde er so gut wie nie tun“, berichtet Weinmann von einem anderen Van-Morrison-Konzert, bei dem im Vorfeld sogar gesagt worden sei, das Publikum solle sich nicht wundern, der Künstler würde nicht groß sprechen. Von daher war’s richtig viel Unterhaltung für Van-Morrison-Verhältnisse. Dass diese vielleicht auch nur zustande kam, weil die Sicherheitsleute zuvor tanzende Fans zurück auf ihre Stühle beordert hatte, ist wieder etwas anderes. Kurzum: Der Künstler schien sich wohlzufühlen – und später auch die tanzenden Gäste.

Apropos Stühle: Die sorgten gerade auch beim Tom-Jones-Auftritt für Unmut. Bei dessen mitreißender Show wollten viele Besucher lieber stehend mitgehen und tanzen. Aber hier kommen Veranstalter immer wieder an ihre Grenzen: „Tom Jones hat zwei Konzerte in Deutschland gespielt, die beide unbestuhlt waren. Hier kamen bei beiden Auftritten so viele Leute wie in Schwetzingen auf einen Schlag“, versucht Weinmann zu erklären, dass die Zuhörer bei Stars in der Alterkategorie von Tom Jones (78) durchaus auch nicht mehr die allerjüngsten und froh über eine Sitzmöglichkeit sind. Immerhin kommen bis zu fünf Stunden auf einem Konzertareal zusammen.

Personal wurde aufgestockt

Stichwort Wartezeit. Hier echauffierten sich vor allem am ersten Konzerttag bei Joan Baez viele Besucher, weil es durch die Taschenkontrollen zu langen Schlangen am Einlass kam. Viele Taschen waren größer als die mittlerweile internationale Vorgabe DIN A 4, so dass diese abgegeben werden mussten. „Hier war die Security am ersten Tag komplett überlastet, weil wir nicht mit so vielen Taschen gerechnet hatten“, gesteht Weinmann. Dabei hatte Provinztour im Vorfeld auf allen nur denkbaren Kanälen – der eigenen Internetseite, über unsere Zeitung, sogar auf den Konzertkarten – auf die Taschengröße hingewiesen. Mit 80 bis 100 Taschen rechnete der Veranstalter im Schnitt pro Tag, die abgegeben werden müssen. Doch beim Auftritt von Joan Baez kamen um die 400 zusammen, das konnte das vorhandene Personal nicht stemmen, entschuldigt sich Weinmann im Nachgang. Für die Folgetage wurden mehr Kräfte dorthin beordert. Warteschlangen blieben dennoch nicht aus, aber es mussten wesentlich weniger Taschen am Depot gelassen werden. Es ist wie alles Neue: Es muss sich erst in den Köpfen festsetzen. Eben auch Taschengrößen.

Rolf Weinmann und sein Team nehmen sicherlich nicht nur diese Erfahrungswerte mit und übertragen diese fürs nächste Open-Air-Festival in Schwetzingen. Dazu gehört auch der Tipp mit der Weinschorle, nach der im Cateringbereich immer wieder gefragt wurde – vornehmlich von Kurpfälzer Musikliebhabern.

Letztlich zählt, dass die meisten Konzertbesucher tolle Liveerlebnisse hatten und zufrieden nach Hause gegangen sind. Und dass sich die Künstler gerne an Schwetzingen erinnern. Rolf Weinmann wird bestimmt auch das ein oder andere Mal an dieses Festival zurückdenken, auch, weil ihn die Stars überrascht haben. So wollten weder Van Morrison noch Tom Jones in die Garderoben im Schloss, sondern schwitzten lieber im Container in Bühnennähe. Tom Jones sang sich mit seiner Band dort auch ein – sehr zur Freude von Rolf Weinmann, der mit vier weiteren Kollegen so ein kleines Privatkonzert erlebte.

Und Joan Baez überraschte wieder alle mit ihrer unkomplizierten Art: Als es regnete, rannte der Organisationsstab, um Schirme für die Sängerin und ihre Crew zu organisieren, damit alle trocken auf die Bühne kommen. Was macht Joan Baez? „Wenn mein Publikum keine Schirme hat, brauche ich auch keinen“, und geht ohne Regenschutz zum Auftrittsort. Kein Wunder, dass sie und ihre Fans dann auch mit einem tollen Regenbogen belohnt wurden. kaba

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