Schwetzingen

Brauchtum Gutes Wetter sorgt für große Besucherzahlen / Neue Route lockt viele Feiernde auf den Schlossplatz / Sonderpreis widmet sich dem königlichen Gemüse

Bei Sonnenschein feiert’s sich am besten

„Kawumm!“ Mit donnerndem Knall eröffnete die Churfürstlich-Privilegierte Böllerschützen Compagnie Churpfalz den 64. Kurpfälzer Fasnachtsumzug. Unter der musikalischen Begleitung des Großen Musikzuges Waibstadt führte Zugmarschallin Sibylle Karle den närrischen Lindwurm an, der sich in diesem Jahr auf einer neuen Route durch die Spargelstadt schlängelte. Bauarbeiten in der Mannheimer Straße hatten diese Änderung notwendig gemacht.

Bereits am Vormittag gingen mit einem Blick in den azurblauen Himmel die Herzen der Kurpfälzer Fasnachter auf: Strahlender Sonnenschein versprach beste Bedingungen für eine närrische Sause. Zwar hatten die Schwetzinger im vergangenen Jahr bewiesen, dass sie auch bei Regenwetter ordentlich feiern können, aber nach dieser Wetterflaute und sogar einer sturmbedingten Absage 2016 war es höchste Zeit für einen Umzug bei Sonnenschein. Über 30 000 Besucher am Straßenrand bestätigten das.

Mit zeitgemäßem Lokalbezug feierten Sängerbund und Liederkranz gleich in doppelter Hinsicht. Unter dem Motto „Seit 350 Jahren wohlbekannt – Schwetzinger Spargel in Stadt und Land“ mimten sie historische Spargelbauern. Auf einem Wagen dabei hatten sie sogar einen künstlichen Pflanzwall mitsamt königlichem Gemüse. Liederkranz-Präsident Gerhard Rieger lud als Kurdirektor Zigarre rauchend in den „Spargelkurort Schwetzingen“.

Flagge zeigen für die gute Tat

Die Schwetzinger Carneval-Gesellschaft (SCG) präsentierte ihr tänzerisches Talent mit der Carl-Theodor-Garde, der Schloss-Garde, der Churfürstengarde und den Tanzpaaren Lugina Gizzoni und Can-Luca Weidner sowie Melissa Wolf und Marvin Keck. Die Frauengruppe der SCG bildete als Disney-Figuren und dem Elferratswagen ein buntes Finale. Aus einer anderen Schlossstadt war das Mannheimer Traditionscorps vertreten und begeisterte mit seiner Schlossgarde unter Kommandant Steffen M. Kling.

Der CC Grün-Weiß aus dem benachbarten Oftersheim zeigte sich mit ihrer Garde, den Smaragdfunken, den Dancing Girls und den schaurig-schönen Buzzel-Hexen von ihrer besten Seite, ehe die „Reilinger Kraichbachschlabbe“ verkündeten: „Ob Brexit oder schlimmer, unser Bus rollt immer“. Die „Alles Retter“ als wohltätige Organisation zeigten Flagge für die gute Tat und der SV Waldhof feierte sein 111-jähriges Bestehen. Ebenfalls närrisches Jubiläum, wenn auch nur elf Jahre, feierte die „Altlossema Bagaasch“. Die „Badass Monkeys“ ließen die Affen aus dem Zoo, während die „Faschingsfreunde Hoggene“ als Super-Mario-Figuren unterwegs waren. Gruselig wurde es mit den Höllendämonen der Faschingsfreunde Wiesental.

„Heiß, heißer, Hefner“ wurde es mit den Abiturienten von 1992, die den Playboy in die Hölle, aber seine Bunnys in den Himmel schicken wollten. Stilecht mit Hasenohren und blonder Perücke ließen sie ihren Wagen ordentlich beben. Ebenso wunderbar wie Hefner junge Frauen fand die Landjugend den Spargel und huldigte dem Jubiläumskraut mit ihren Blumenkostümen. Dem Spargel hatten sich ebenfalls die Leimbachstelzen verschrieben. Tags zuvor noch im Zeichen des Übergepäcks unterwegs hofften die wandelnden Koffer nun, dass der Schwetzinger Spargel mit ihnen abhebt. Zum 350-jährigen Spargeljubiläum gab es übrigens auch einen Sonderpreis zu gewinnen. Den heimste allerdings die Gruppe der Spargelbauern von Liederkranz und Sängerbund ein.

Auch Narrenzünfte aus Eppelheim (ECC), Heidelberg (Schloss-Geister), Rohrhof (Göggel), Ketsch (Narhalla) und Hockenheim (HCG) waren vertreten und ließen ihre Garden durch die Straßen der Spargelstadt tanzen. Der Fides-Carneval-Club rettete zusammen mit den Ghostbusters die Welt, während die „Hoggema Jugend und katholische Jugend“ in die Welt von Oger „Shrek“ und seinen Freunden entführte.

Trainingspläne für Bürgermeister

Die „Alten Gaußianer auf Abwegen“ (AGAA) ließen als tanzende Aerobic-Fanatiker die Muskeln spielen und hatten sogar Trainingspläne für die Bürgermeister Göck und Pöltl dabei. Die „Musik Monks“ feierten lieber in Dschungel als im Fitnessstudio. „Wenn der Klimawandel ewig währt, der Eisbär auf Safari fährt“, lautete das Motto der Gruppe BKA 02 („Brühl-Ketsch-Antwerpen 02“) im flauschig-weißen Eisbärkostüm.

„Wir finden’s super!“, kommentierten Beate Widenka und Moni Ziegler unisono. Die beiden kommen seit fünf Jahren mit einer Gruppe Freundinnen auf den Umzug, erzählen sie. „Die neue Streckenführung ist auch toll“, sagte Widenka, „in der Mannheimer Straße war es sowieso immer so eng.“ Und Ziegler ergänzt: „Der Schlossplatz gehört einfach zu Schwetzingen – natürlich muss auch der Umzug hier entlang führen.“

Info: Weitere Bilder finden Sie unter www.schwetzinger-zeitung.de

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