Schwetzingen

Xylon Museum Karin Innerling zeigt Drucke und Kunstbücher

Berührungen sehen können

Archivartikel

Im Xylon Museum + Werkstätten herrscht reges Treiben. Künstlerin Karin Innerling, ihr Ehemann Ulf Hegewald und Gudrun „Ju“ Mindhoff arbeiten in der drückenden Sommerhitze, um die Ausstellung vorzubereiten, die am Samstag, 31. August, um 17 Uhr Vernissage feiert. Verschiedene Druckarten, Kunstbücher und vieles mehr hängen an Wänden und liegen in Vitrinen.

Durch die Papiersorten, ob glatt oder rau, wird der Betrachter an das Gefühl des Berührens erinnert. Das bewusste, haptische Anfassen sei etwas, was im hektischen und technik-affinen Alltag verloren gehe. „Ich möchte an das Gefühl von aufgedrückten, reingedrückten oder darauf gelegte Dinge erinnern“, erklärt Innerling ihre Intention.

Die Ausstellung beschreibt Innerling als Retrospektive zu 35 Jahre Druckkunst, in denen sie alle möglichen Techniken ausprobiert hat. Inspiration findet sie überall: „Manchmal sehe ich ein Blatt auf dem Boden, drucke es und suche einen Text dazu.“ Innerlings Hauptprojekte sind die Kunstbücher – aufklappbare und aufstellbare Werke aus bedrucktem Papier, die mit oft komplizierten Techniken gebunden sind. Sie verbinden Bilder und Texte in eine harmonische Einheit, welche die räumliche Dimension einnimmt. Sie bedauert, dass der Umgang mit Papier und haptischen Dingen im Zeitalter der Smartphones verlernt wird, es liege ihr am Herzen, was Räumliches zu erschaffen.

Die Realität ist abstrakt

Die Ausstellung beinhaltet auch Radierungen. Damit begann die Künstlerin schon in den 1980ern, entwickelte sich aber immer mehr zur abstrakteren Kunst hin. „Oft nutze ich Ausschnitte aus der Realität, welche dann aber abstrakt wirken.“ Vor allem zerstörte Architektur erzählt ihrer Meinung nach eine Geschichte. „Eine kaputte Fabrik zeigt ihre Lebensgeschichte und was in ihr bisher geschehen ist und das ist für mich Kunst.“ Die Zerstörung bedeute oft nicht das Ende, sondern einen Neuanfang. Sie selbst erinnert sich, dass sie eine Zeit lang in einer alten Fabrik gearbeitet hat und dort Kunst erschuf, unter von der Decke hängenden Haken und Ketten.

Innerling zeigt sich auch begeistert für „Straßenliteratur“. Graffiti seien die Kunst der Normalbürger. Das Schöne daran sei, dass diese Art der Kunst sich immer verändere. „Sieht man ein Graffiti und besucht die Stelle einige Wochen später wieder, sind sie meist übersprüht.“

Info: Weitere Bilder gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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