Schwetzingen

Interkommunales Projekt Klärschlammentsorgung und Phosphor-Recycling erfolgt nun durch AVR / Bisher haben 13 Kooperationspartner ihre Beteiligung zugesagt

Betreiber im Kreis schließen sich zusammen

Schwetzingen/Region.Die Entsorgung von Klärschlämmen beschäftigt zurzeit kommunalpolitische Gremien und Mandatsträger in der gesamten Republik. Warum? Weil es zukünftig durch die im Januar 2017 vom Bundestag beschlossene Neuordnung für Kommunen und Zweckverbände deutlich teurer wird, heißt es in einer Pressemitteilung. Heute haben sich die Entsorgungskosten im Vergleich zu 2017 nahezu verdoppelt, in manchen Regionen ist deshalb bereits von einem Entsorgungsnotstand die Rede.

Die neue Verordnung verfolgt das Ziel, „die wertgebenden Bestandteile des Klärschlamms (Phosphor) umfassender als bisher wieder in den Wertstoffkreislauf zurückzuführen und gleichzeitig die herkömmliche bodenbezogene Klärschlammverwertung zum Zweck einer weiteren Verringerung des Schadstoffeintrags in den Boden deutlich einzuschränken“.

Bisher sei das laut Mitteilung de s kreiseigenen Unternehmens AVR nachvollziehbar und im Sinne eines nachhaltigen Klimaschutzes auch durchaus eine sinnvolle Maßnahme. Allerdings gehen mit der neuen Verordnung gravierende Veränderungen und Einschnitte einher, für Anlagenbetreiber von Abwasserbehandlungsanlagen mit einer Ausbaugröße ab 50 000 Einwohnern bedeutet sie faktisch den Ausstieg aus der bisher praktizierten Verwertungsform. Wie genau die geforderten Modalitäten umgesetzt werden, müssen die Anlagenbetreiber bis 2023 in einem detaillierten Konzept darlegen.

Kommunen selbst verantwortlich

Die neuen Vorgaben bilden nun den Nährboden für eine ebenso clevere wie naheliegende Idee: Die Kläranlagenbetreiber im Rhein-Neckar-Kreis schließen sich zusammen. Derzeit ist jede Kommune noch selbst dafür verantwortlich, ihr Abwasser zu klären – entweder in Form eines Abwasserzweckverbandes oder als kommunaler Eigenbetrieb. Mit der Kooperation unter dem Titel Rhein-Neckar-Phosphor-Recycling GmbH entsteht nun noch dieses Jahr ein potenter Auftraggeber, der für die sichere Verwertung und Entsorgung von Klärschlämmen mittels europaweiter Bündelausschreibungen naturgemäß deutlich bessere Konditionen erzielen kann als einzelne.

Fachmännisch unterstützen

Eine weitere Aufgabe der Firma Rhein-Neckar-Phosphor-Recycling wird es sein, die angeschlossenen Kläranlagenbetreiber in allen Belangen fachmännisch zu beraten und zu unterstützen, denn schließlich gilt es, die neue Klärschlammverordnung gesetzeskonform umzusetzen. Bis Ende 2019 haben 13 Kläranlagenbetreiber im Kreis ihre Beteiligung an der neuen, gemeinsamen Kommanditgesellschaft definitiv beschlossen und den Beitritt besiegelt. In Summe fällt in diesen Kläranlagen 30 000 Tonnen Klärschlamm per Jahr an. Auch die Kläranlagenbetreiber im Bereich Schwetzingen und Hockenheim sind schon dabei. Die bisherigen Schritte auf dem Weg zur neuen Gesellschaft sind laut Pressemitteilung schnell skizziert: 2016 hat der Rhein-Neckar-Kreis das Phosphor-Recycling in seine strategischen Ziele aufgenommen und die AVR Umwelt Service als kreiseigene Tochtergesellschaft mit der Erarbeitung eines entsprechenden Konzeptes beauftragt. „Die betreffenden Kommunen wurden von Beginn an partnerschaftlich mit eingebunden und im Vorfeld ausführlich über das geplante Vorhaben, die Idee einer gemeinsamen Unternehmung und die zahlreichen Vorteile informiert“, sagt der Sinsheimer Oberbürgermeister Jörg Albrecht stellvertretend für die Kläranlagenbetreiber im Rhein-Neckar-Kreis und schließt in seinen Dank dafür insbesondere den AVR-Prokuristen Thomas Brümmer ein, der das Großprojekt federführend betreut.

Gründung im ersten Halbjahr

Im Juli 2018 beschloss dann der Kreistag offiziell, sich der Koordination der Entsorgung von Klärschlämmen und Phosphor-Recycling anzunehmen. In seiner Sitzung im Dezember 2019 hat der Kreistag die Beteiligung des Rhein-Neckar-Kreises an der beidseitig öffentlichen Kommanditgesellschaft beschlossen, die Gründung der Rhein-Neckar-Phosphor-Recycling GmbH wird im ersten Halbjahr 2020 erfolgen. In der zweiten Jahreshälfte 2019 koordinierte die AVR Umwelt Service als vorübergehend mit den Amtsgeschäften beauftragter Dienstleister bereits die europaweite Klärschlamm-Bündelausschreibung mit sieben Kläranlagen im Kreis für über 10 000 Tonnen Klärschlamm im Entsorgungsjahr 2020.

Für die in diesen sieben Kläranlagen einheitlich ausgeschriebenen Klärschlammentsorgungsleistungen, die sowohl Verwertungs- als auch Logistikbereiche einschließen, konnte ein Verwertungspreis erzielt werden, der deutlich unter den zuletzt abgeschlossenen Einzelverträgen anderer Anlagenbetreiber im Kreisgebiet liegt. „Dieses Ergebnis bestätigt die Zielsetzung unseres gemeinsamen Vorhabens“, freut sich Thomas Brümmer von der AVR, der neben dem regional-ökonomischen auch noch weitere Vorteile in der koordinierten Vorgehensweise im Kreis sieht.

Rückgewinnung ist sinnvoll

„Phosphor wird vor allem als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt. Als natürlicher Rohstoff ist Phosphor allerdings endlich und kommt auch nur in wenigen Herkunftsländern vor. Deutschland ist nahezu vollständig von Importen abhängig. Da die Klärschlämme durchaus viel Phosphor enthalten, könnte künftig mit der Rückgewinnung ein großer Anteil des nationalen Bedarfes gedeckt und Abhängigkeiten entsprechend verringert werden“, erläutert Brümmer in der Presseerklärung. zg

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