Schwetzingen

GRN-Klinik Dr. Annette Maleika und Dr. Birgit Weiß sprechen über ein Tabuthema / „In den meisten Fällen gibt es Lösungen“ / Gespräch mit Facharzt suchen

Betroffene sollten Hilfe bei Inkontinenz annehmen

Archivartikel

Der Doppelvortrag zum Thema „Inkontinenz“ von Dr. Annette Maleika (Bild), Chefärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe an der hiesigen GRN-Klinik, und Dr. Birgit Weiß, Fachärztin für Proktologie, ist auf großes Interesse gestoßen. „Das zeigt“, so Stefanie Müller von der GRN-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die die Veranstaltung moderierte, „dass das Thema sehr wichtig ist und viele von Ihnen beschäftigt.“ Beide Vorträge in der Reihe „Im Zentrum: Gesundheit“ widmen sich Tabuthemen, sagte sie, wobei die Harninkontinenz schon viel weniger tabuisiert ist als die Stuhlinkontinenz.

„Wir treffen uns heute nicht so von ungefähr“, erklärte Dr. Annette Maleika zunächst den Besuchern, „denn Ende Juni ist wie jedes Jahr die Welt-Inkontinenz-Woche. Immerhin hat man dem Thema Kontinenz beziehungsweise Inkontinenz eine ganze Woche gewidmet, die auf dieses Problem hinweisen soll.“ In dieser Zeit finden Vorträge statt, um das Thema zu enttabuisieren und auch Lösungen anzubieten. Leider verfügt die Bevölkerung nicht über genügend Informationen, so die Expertin, Betroffene, darunter sowohl Männer als auch Frauen, tun sich meist schwer, sich an einen Arzt zu wenden. Grund dafür ist Scham.

Der Verlust der Kontrolle über Harn und Stuhl wird meist nicht als Krankheit wahrgenommen. Viele versuchen, sich irgendwie selbst zu helfen. Inkontinenz beeinträchtigt jedoch die Lebensqualität in diversen Bereichen, was zu Isolation und Depression führen kann. „Dabei gibt es für das Problem in den meisten Fällen eine Lösung“, so Dr. Annette Maleika. In ihrem Vortrag beleuchtete die Ärztin, was Harninkontinenz eigentlich ist, ihre Erscheinungsformen, Ursachen, Behandlung, aber auch Möglichkeiten der Prävention. Ausführlich ging sie auf die Unterschiede zwischen Belastungs- und Dranginkontinenz ein: Während bei ersterer bereits Husten, Niesen und Heben zur Herausforderung werden, sei die Dranginkontinenz ein lageabhängiges Problem.

Konsequente Gymnastik hilft

Die Chefärztin erklärte den Besuchern konventionelle Behandlungsansätze und erläuterte OP-Methoden, mit denen oft auch Frauen mit Dranginkontinenz geheilt werden können. Zudem stellte sie ein innovatives Verfahren vor, wo ein Bändchen unter die Harnröhre gelegt wird, um diese zu stabilisieren. „Der Beckenboden“, erläuterte sie, „ist ein Organ mit genialem Geflecht, auf dem eine ganze Menge Gewicht lastet. Es muss so stabil sein, dass auch ein Verschluss gewährleistet wird.“ Wissenschaftlich sei es nachgewiesen, dass Beckenboden-Gymnastik die Muskulatur stärken, „wenn man konsequent trainiert“.

„Stuhlinkontinenz beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig. Den Stuhl nicht halten zu können, treibt viele Menschen in die soziale Isolation“, begann Dr. Birgit Weiß (Bild) ihren Teil des Vortrags über proktologische Erkrankungen. Die Ursachen sind genau wie bei der Harninkontinenz sehr vielfältig: Schädigungen des Schließmuskels oder der Analhaut, Beckenboden-Insuffizienz oder Durchfallerkrankungen. Stuhlinkontinenz kann in unterschiedlichen Schweregraden auftreten: unkontrollierter Abgang von Gas, Stuhlschmieren bis zum vollständigen Kontrollverlust. Die Diagnose basiert auf der allgemeinen und fokussierten Anamnese sowie der klinischen Untersuchung. Auch hier stehen den Patienten eine Vielzahl wirksamer Heil- und Hilfsmittel für die erfolgreiche Behandlung zur Verfügung mit dem Ziel, die Betroffenen „zurück in die Gesellschaft zu holen“, wie Dr. Weiß betonte. Der Einsatz chirurgischer Verfahren sei nur bei den wenigsten Patienten notwendig. Durch konservative Maßnahmen wie Regulierung der Stuhlkonsistenz und Darmentleerung oder rektalen Füllung lässt sich bei einem Großteil der Betroffenen eine Symptomlinderung erreichen. Im Anschluss an den Vorträgen stellten sich die Referentinnen den Fragen der Zuhörer, wobei beide darauf hinwiesen, dass Betroffene unbedingt Fachärzte aufsuchen sollten. / her

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