Schwetzingen

Schwetzinger Festspiele I „The Fairy Queen“ von Henry Purcell zum krönenden Abschluss des Festivals im Rokokotheater

Bezaubernde Nummern-Revue

Archivartikel

Eine stolze Schönheit ist diese Elfenkönigin namens Titania, die sich in einer verzauberten Welt der Träume in einen Tölpel mit Eselsohren verliebt und ihn verführt. „The Fairy Queen“ (Die Elfenkönigin) von Henry Purcell bildete den Abschluss des gut vierwöchigen Festivals Schwetzinger SWR Festspiele.

Die 1692 uraufgeführte „Semi opera“, die der Dichtkunst große Aufmerksamkeit widmet und der Musik in lockerer Folge aller damals gebräuchlichen Formen zwischen Chaconne, Air oder Hornpipe plus stellenweise hinreißend schönen Arien eher illustrativen Charakter zuweist, wurde damals, zeitgenössischen Berichten zufolge, pompös in Szene gesetzt. Mit allem Aufwand der Kostümierung, raffinierter Theatermaschinerie und möglichst verwegenen Verwandlungs-Illusionen, galt es doch, einer Königin zum 30. Geburtstag eine Freude zu machen.

Feinerer Weg

Im Rokokotheater Schloss Schwetzingen geht man einen feineren Weg, der auf die Kraft des individuellen Ausdrucks setzt und mit einfachen Mitteln, einige Tücher sowie Eselsohren und Oberon-Krone aus Pappmaché, reizvolle szenische Akzente setzt. Die Bühne kommt ohne Accessoires aus, sie enthüllt das triste Schwarz des Raumes, nur im Hintergrund erhellen zwei Fenster die Perspektive.

Das funktioniert dann, wenn ausgezeichnete Akteure für märchenhafte Traumfiguren, Shakespeares „Sommernachtstraum“ entlehnt und erweitert, zur Verfügung stehen. Hier setzt Christoph von Bernuth mit seiner szenischen Einrichtung an, der den Rias Kammerchor Berlin mit seinen Solisten Katharina Hohlfeld, Mi-Young Kim, Anja Petersen, Matthias Lutze und Johannes Schendel sowie in Sprecherrollen Hildegard Rützel, Ingolf Horenburg und Johannes Schendel eine außerordentlich stimmige Bewegungs-Choreographie maßgeschneidert hat, die Lockerheit und Intensität vereint.

Eine Magie aus kleinen Details und stellenweise großem Tempo führt die (überwiegend in Schwarz kostümierten) Figuren so variantenreich voller szenischer Phantasie, dass irgendwelcher Theaterdonner nie vermisst wird und Vergnügen pur entsteht. Bis hin zur Parodie, etwa in der Huldigungs-Szene am Ende, wenn Oberon und Titania statuarisch den Elfenreigen über sich ergehen lassen. Denkt da nicht jeder Zuschauer an Bilder irgendwelcher Potentaten, denen der Schein wichtiger ist als das Sein?

Das ist alles ebenso witzig wie charmant und einprägsam präsentiert und verhilft dieser Nummernfolge, 59 an der Zahl, zu einer geschmeidigen Präsenz, die ungetrübte Freude vermittelt; verbindende Texte werden teilweise auf Deutsch gesprochen, was sich als ein netter Regie-Einfall entpuppt.

Was aber hat Vorrang, der dichterische Gehalt, die teils skurrilen Szenen oder die Musik? Rinaldo Alessandrini und seine Akademie für Alte Musik Berlin geben die Anwort, denn sie argumentieren musikalisch perfekt. Die Klangrede wird pointiert ausgeführt, die musikalischen Affekte haben durch die Aufrauung der Oberfläche Sitz und Biss, die Musiker auf ihren historischen Instrumenten modellieren eine Musik mit Vorbildcharakter.

Jedes Stück wirkt aus dem individuellen Gehalt heraus, und die Solostimmen sind ausgezeichnet besetzt. Die Sopranistin Ruby Hughes bringt alles mit, um in die Fußstapfen großer Vorbilder zu treten. Feinheit und Strahlkraft, Differenziertheit und Beseeltheit. Der Altus von Tim Mead wartet mit eher gedeckteren Farben auf, der Tenor von Stuart Jackson hat prächtige Spitzen und nuancierte Mittellagen. Bassist Roderick Williams singt bildhaft und plastisch, sehr schön eingebettet in die Schraffuren, die Rinaldo Alessandrini mit seinen vor der Bühne platzierten Spezialisten anbietet.

Der Sommernachtstraum bleibt

Ein Sonderlob hat sich in der Aufführung Michael John Harper ertanzt, mal Kobold, mal Narr, mal konterkarierende Figur. Am Ende defilieren die Akteure paarweise wie ein Schattenriss an den Hintergrund-Fenstern vorbei ins Nichts. Aus der Zauber, der Spuk ist vorbei, der Sommernachtstraum aber bleibt rings ums Schloss Schwetzingen. Begeisterung beim Publikum für ein bezauberndes Finale der 67. Festspiele.

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