Schwetzingen

Alexander Mitsch lädt ein Josef Kraus kritisiert das Schulsystem in Baden-Württemberg / Mehr Gestaltungswillen gefordert

„Bildung geht nur mit Anstrengung“

Archivartikel

„Baden-Württemberg ist in der Bildungspolitik weit zurückgefallen. Es wird Zeit, die diplomatischen Samthandschuhe abzulegen.“ Josef Kraus, rund 30 Jahre lang Präsident des Deutschen Lehrerverbands, wählte deutliche Worte bei seinem Referat über den Einfluss von Bildung auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland. Es tue ihm weh, „irgendwelchen Spinnereien der anderen Länder hinterherzuhecheln“, sagte der ehemalige Gymnasialdirektor und Schulpsychologe, der auf Einladung des Werteunion-Vorsitzenden Alexander Mitsch, der Kandidat für die Nominierung als CDU-Landtagsabgeordneter ist, im Welde-Brauhaus zu Gast war.

Der 70-jährige Pädagoge, seit einem Jahr selbst Mitglied in der Werteunion, nahm kein Blatt vor den Mund. „Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt“ lautet der Titel seines neuesten Buches, in dem er die Lücken in einem „desolaten System“ anprangert. Noten werden immer besser, Leistungen schwächer, Quantität und Qualität verhalten sich mehr und mehr reziprok, monierte er. Die Noten werden deshalb besser, weil das Anspruchsniveau niedriger wird. „Studienanfänger bringen bestimmte Grundlagen nicht mehr mit“, haderte Kraus mit den ideologisch motivierten „Verirrungen“ in der Bildungspolitik.

Gleichmacherei statt Förderung

Riesige Wissensdefizite, mangelnde Rechtschreibung, wenig sprachliches Ausdrucksvermögen – die Schuldigen kenne er, auch Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Kretschmann sei darunter. Die alte 1968er-Ideologie komme wieder: Gleichmacherei in der Bildung statt Förderung der Individualität. „Deutschland ist auf dem Trip der Egalisierung“, schimpfte Kraus. „Bildung geht nicht ohne Anstrengung. Erfolgserlebnisse gibt es nur bei Investitionen. Die empirische Wende in der Bildungspolitik verursacht einen großen Kollateralschaden“, sagte Kraus.

Das Leistungsprinzip wird mehr und mehr diskreditiert, die Geringschätzung der akademischen Bildung entzieht jungen Menschen die Chance, sich zu entfalten. Gleichzeitig wird die berufliche Bildung kaputtgemacht. Schule hat nicht die Aufgabe, Gleichheit herzustellen, sondern Verschiedenheit und Individualität zu fördern.

Kraus ist für eine Umstrukturierung der Lehrpläne, fordert eine „Renaissance des Leistungsprinzips“ und sprach sich für Elitenbildung wie im angloamerikanischen Bereich aus. In der Diskussionsrunde rechnete er auch mit dem linguistischen Genderismus ab. Geschlechtsneutrale Vorschläge wie „Studierendenwerke“ oder „Fußgehendenbrücke“ seien ebenso Verirrungen wie die Rechtschreibreform.

Leistungsniveau fällt ab

Bei einem Migrantenanteil ab 30 Prozent in einer Klasse falle das Leistungsniveau dramatisch ab, warnte der ehemalige Deutschlehrer und forderte Deutschstunden als Fremdsprache für Flüchtlinge. Mit drastischen Worten verlangte Kraus „endlich wieder mehr Gestaltungswillen der Unionspolitiker“. Bundesländer wie Baden-Württemberg und Bayern sollen Abiturzeugnisse „anspruchsloser Bundesländer“ nicht mehr anerkennen.

Seinen Auftritt in Schwetzingen sah Kraus als „Solidaritätserklärung“ für Alexander Mitsch. Er habe in der CSU ebenso Gegner, wie die Werteunion Anfeindungen ausgesetzt sei. „Wir dürfen uns nicht mehr mit Sonntagsreden begnügen. Die Konservativen sind einfach zu brav. Es gilt, die Unterschiede zu anderen Parteien herauszustellen. Wir müssen wieder zu Wort kommen“, forderte Kraus abschließend.

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