Schwetzingen

Carl-Theodor-Schule Afghane Said Azami sprach vor Neuntklässlern über Flucht und Neuanfang

Bombenattentate sind Alltag

„Mut zu neuen Wegen“ nannte Said Azami das erste seiner beiden Bücher, das er mit Hilfe seiner ehrenamtlichen Betreuerin Raquel Rempp schrieb (wir berichteten mehrfach). Was sich wie der Titel eines Lebensratgebers anhört, entpuppt sich als Erinnerungsbuch eines Mannes, der im Krieg geboren wurde und bis zu seiner Ankunft in Deutschland vor vier Jahren nichts anderes erlebt hat, heißt es in einer Pressemitteilung der Carl-Theodor-Schule. „Wenn ich als Kind weinte, bekam ich eine Kalaschnikoff zum Spielen und zur Beruhigung“, berichtete Said Azami den Schülern der neunten Klassen der Carl-Theodor-Schule, die ihm über eine Stunde lang aufmerksam zuhörten.

Warum diese Veranstaltung in einer Schule? Organisatorin und Lehrerin Nicola Hoefs, die seit mehreren Jahren mit jungen Flüchtlingen arbeitet, brachte es auf den Punkt: „Es ist wichtig zu verstehen, warum Trauer und Angst da sind, wenn man als Asylant in Deutschland lebt.“

Afghanistan gehöre zu den Ländern, die derzeit als „sichere Herkunftsländer“ eingestuft werden. Für die Flüchtlinge bedeute das, dass sie jederzeit abgeschoben werden könnten. Afghanistan sei jedoch ein Land, das noch längst keinen Frieden gefunden habe, so Azami: „Die Menschen wissen nicht, wo und wer der Feind ist.“ Verminte Straßen und Bombenattentate gehörten zum Alltag.

Eindrücklich und durchweg auf Deutsch schilderte er, wie sein Elternhaus in einem Dorf im Norden Afghanistans von sowjetischen Hubschraubern bombardiert wurde. Nach zehn Jahren Besatzung zogen die Sowjets ab und die Mujahedin übernahmen die Herrschaft. „Sie nahmen die Reformen der Sowjets zurück, Mädchen durften nicht mehr in die Schule gehen und mussten sich verschleiern“, berichtete Azami.

Das Land mit dem guten Ruf

Er versuchte mehrfach zu flüchten, nach Pakistan und in den Iran, schließlich Richtung Europa. Deutschland war „das Land mit dem guten Ruf“. „Er arbeitet wie ein Deutscher“, hieß es in seinem Dorf, wenn jemand sehr fleißig war. Inzwischen ist er anerkannter Asylant und besucht einen Orientierungskurs, um später eine Ausbildung beginnen zu können.

Besonders beeindruckt waren die Schüler von seiner Schilderung der U-Haft in einer Zelle in Griechenland, als zwölf Flüchtlinge acht Tage lang auf wenigen Quadratmetern ausharren mussten.

„Dass er nie die Hoffnung aufgegeben hat, das hat mir selber Kraft gegeben, weiterzumachen, auch wenn es mal nicht gut aussieht,“ bilanzierte der Neuntklässler Fynn nach der Lesung. Und Joel wurde klar „wie gut es uns hier geht“.

Azami appellierte abschließend an die Schüler, ihre Chancen, in einem friedlichen Land lernen zu dürfen, zu nutzen. Und über seine Situation als Flüchtling in Deutschland: „Es ist wichtig, dass man uns vertraut.“ zg

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