Schwetzingen

Rheinland Leserreise mit der Volkshochschule führt nach Aachen, Köln und Benrath / Die Besucher aus Baden entdecken Gemeinsamkeiten mit der Heimat

Carl Theodor hat Schloss kaum genutzt

„Von Anfang an passte einfach alles, sei es das tolle Wetter, das Aachner Münster, die Altstadt von Köln mit dem unglaublich beeindruckenden Dom oder das abschließende Kleinod Schloss Benrath, und das Ganze mit einer kunsthistorisch-witzigen Reiseleitung“, so Lorna Haberkern, eine von über 40 Mitreisenden, die am vergangenen Wochenende das Rheinland besuchten. Organisiert und angeboten hat die Fahrt Wolfgang Schröck-Schmidt von Regional Tourismus Kurpfalz mit einer Kunsthistorikerkollegin. „Wir bieten Gruppenreisen an, die immer etwas mit unserer Region zu tun haben“, so Wolfgang Schröck-Schmidt, „und dabei entdecke auch ich immer wieder etwas Neues.“

Interessant ist eine unscheinbare Steinplatte am Kurhaus in der Wandelhalle der Thermalquelle in Aachen. Neben Karl dem Großen und Casanova waren es Carl Theodor, Kurfürst von der Pfalz, und dessen Gemahlin Maria Elisabeth Augusta von Sulzbach, die auf der Platte verewigt sind. Aufgrund schlechter Gesundheit gingen sie zum Kuren in die Thermalbäder. Ziemlich sicher anzunehmen ist, dass sich dadurch Elisabeth Augusta nach fünfjähriger Ehe eine gewisse Fruchtbarkeit erhoffte, die erst 14 Jahre später eintrat. Im hohen Alter von 40 Jahren gebar sie ihren ersten und einzigen Sohn, der einen Tag darauf im Schloss Schwetzingen verstarb.

Neben einer Stadtbesichtigung mit probieren der Aachner Printen, wurde der Kaiserdom besucht. Ende des 8. Jahrhunderts ließ Karl der Große auf dem Grundriss eines Oktagons das Gotteshaus bauen. Als Krönungskirche der deutschen Könige und Grabstätte Karls des Großen wurden mehr als 32 Millionen Mosaiksteinchen im Inneren verbaut.

Nase reiben bringt Glück

Die Stadtbesichtigung Kölns begann am 157 Meter hohen Dom, der in mehr als 600 Jahren erbaut wurde. Die Kölner, so die Stadtführerin, lieben ihren Dom wie nichts anderes, so verwundert es niemand, dass er in zahlreichen Karnevalsliedern, Gedichten und Sagen vorkommt. Etwa sechs Millionen Touristen kommen jährlich nach Köln, um das Wahrzeichen der Stadt zu sehen. Ein Meisterwerk gotischer Architektur, welches seinen Ursprung in der Grundsteinlegung im Jahr 1248 hat. Vor der Besichtigung des Doms gab es eine Führung durch die Altstadt, mit seiner römischen Vergangenheit. Zwei urkölsche Vertreter der Bewohner sind Tünnes und Schäl. Die dicke Nase von Tünnes ist bereits glänzend gerieben, denn es soll Glück bringen, darüber zu reiben.

Mit der Besichtigung der romanischen Kirche Groß St. Martin ging es zurück zum Alten Markt. Die Stadtführerin erklärte den Turm des historischen Rathauses mit seinen Figuren. Eine davon, Konrad von Hochstaden, im 13. Jahrhundert Erzbischof von Köln, mit dessen Sockelfigur, die uns ihr Hinterteil entgegen reckt und sich selbst befriedigt. Mit dieser Darstellung sollten Laster der Menschen aufgezeigt werden. Eine ähnliche Spottfigur gibt es auch am Schwetzinger Schloss neben dem Eingang.

Im Museum Ludwig, das seit 1989 bedeutende Kunst des 20. Jahrhunderts enthält, wurde die Sonderausstellung Gabriele Münter, Malen ohne Umschweife besucht. Als Fotografin, Malerin und Grafikern zeigt sie Offenheit in Bezug auf Farbe und Experimentierfreudigkeit.

Auf den Spuren von Carl Theodor fand ein Besuch im Schloss Benrath statt. Mit dem Amtsantritt 1742 erbte Carl Theodor unter anderem das Herzogtum Jülich und Berg mit der Hauptstadt Düsseldorf und damit auch Benrath. Aus politischen Gründen entschloss er sich 1755, ein neues Lust- und Jagdschloss als Sommerresidenz zu errichten. Während er im Winter in Mannheim und im Sommer in Schwetzingen residierte, beauftragte er mit dem Neubau seinen Hofarchitekten Nicolas de Pigage, der in Paris ausgebildet wurde. Dieser ließ zunächst das baufällige Wasserschloss abreißen, nur die Kapelle und ein Seitentrakt, die sogenannte Orangerie, blieben erhalten. Die Arbeiten dauerten acht Jahre. Bis auf kleine Veränderungen im Garten ist das Schloss Benrath unverändert. Es wurde mit Details und Raffinesse gebaut: Angefangen von symmetrischen Lichthöfen, Zwischendecken, die von außen kaum zu erkennen sind, bis hin zu verborgenen Gängen im und vom Schloss weg, wie dem Küchengang, damit das Essen vom gegenüberliegenden Küchengebäude nicht kalt im Speisesaal serviert werden musste. Genutzt hat das Paar den Luxus kaum. Nur je einmal waren Carl Theodor und seine Frau anwesend – zum Abendessen und zur Rast auf der Jagd.

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